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Presseerklärung zu den Hebungsrissen

Presseerklärung vom 28.06.2012
zu den Hebungsrissen an Gebäuden in der historischen Altstadt von Staufen

1. Zahl der geschädigten Privatgebäude (262) und der geschädigten städtischen
Gebäude (7) unverändert

2. Höhenmessungen des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald ergaben
weiterhin rückläufige Tendenz

3. Untersuchungen an der Weiherhofquelle

4. EKB 2 wird bis zum Herbst unterflur verlegt

5. Komplexe felsmechanische Berechnung wird erarbeitet

6. Aktuelle Schäden im nord-östlichen Bereich vom Büro für Baukonstruktion
festgestellt

7. badenova hat Dehnungsbögen im Bereich der Rathausgasse und des Marktplatzbrunnens
erneuert

8. Endgültige Schlichtungsordnung ist beschlossen; Frage der Finanzierung
muss geklärt werden
Zu 2:
Die Auswertungen der Höhenmessungen des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald,
Fachbereich Vermessung & Geoinformation, von Mai 2012 ergaben eine weiterhin
rückläufige Tendenz.
Die zuletzt im März 2012 vorhandene 4 mm/Monat-Isolinie ist nunmehr verschwunden.
Die ausgewertete Grafik zur Hebungsgeschwindigkeit an ausgewählten Messpunkten
sowie die Grafik zur Entwicklung der Prozessgeschwindigkeit zeigen deutlich den
Rückgang von 100 % (bis September 2009) auf noch 36 %. Die Prozessgeschwindigkeit
für den Zentral- wie auch den Gesamtbereich hat sich weiter verringert, wie dies
auch in der Grafik zur Hebungsgeschwindigkeit an ausgewählten Messpunkten zum
Ausdruck kommt. Bei der Betrachtung erkennt man allerdings auch, dass die Verlangsamung
des Prozesses zwar weiterhin ungebrochen ist, sich aber insgesamt gegenüber
den größeren Rückgängen im letzten und vorletzten Jahr etwas verflacht hat.

Die Entnahmeraten der EKB 2 und der BB3 werden weiterhin ständig kontrolliert, insbesondere
bezüglich ihres Lösungsinhaltes und ihrer Leitfähigkeit. Es wurde festgestellt,
dass das Monitoring über längere Zeit konstant verlief. Aus Sicht des RP Freiburg, Abteilung
LGRB, sollte in Kürze eine Wiederholung der Temperaturmessungen in den
Erdwärmesonden erfolgen.

Zu 3:
Im Bereich der Weiherhofquelle finden derzeit Untersuchungen statt, insbesondere um
herauszufinden, welche Verbindungen zwischen dem Wasserstand in der Weiherhofquelle,
dem Marktplatzbrunnen und dem gepumpten Wasser der beiden Abwehrbrunnen
bestehen. Die Vermessung des Landratsamtes ist bereits erfolgt. Eine Befahrung
der Leitungen durch eine Spezialfirma wird in den nächsten Tagen erfolgen.

Zu 4:
Die EKB 2 soll noch bis zum Herbst unterflur verlegt werden. Die Arbeiten sind in
Planung. Nach ersten Erkenntnissen kollidiert der Aufbau des Brunnenkopfes ggf. mit
dem noch vorhandenen, stillgelegten Öltank zwischen den beiden Rathausgebäuden,
was die Arbeiten erschweren könnte.

Zu 5:
Derzeit wird eine erneute sogenannten ‚Finite Elemente Berechnung’ erarbeitet. Hierbei
werden die neuesten Ergebnisse der felsmechanischen Forschung (Erkenntnisse der
letzten zwei Jahre) zugrunde gelegt. Damit können die Bewegungen im Untergrund
sehr gut abgebildet und nachvollzogen werden.

Zu 6:
Aus Sicht des Büros für Baukonstruktion stehen derzeit regelmäßig Maßnahmen zur
Stand- und Verkehrssicherheit an. Insbesondere im nord-östlichen Stadtgebiet wurden
in den vergangenen vier Wochen immer wieder Schäden festgestellt, z. B. auch beim
Amtsgericht und der Polizei. Es handelt sich dabei um Schäden im Pflasterbelag, Putzschäden
und Schäden an Bodenbelägen.
Im historischen Rathaus müssen im Erdgeschoss weitere Öffnungen zur Kontrolle der
Auflagertiefen im Bereich der Decken geschaffen werden.
Auch bei reduzierter Hebungsgeschwindigkeit vergrößert sich das Schadensbild in der
historischen Altstadt.

Zu 7:
badenova hat in der vergangenen Woche die Dehnungsbögen in der Rathausgasse und
am Marktplatzbrunnen erneuert. Die Dehnungsbögen sind nun wieder für eine maximale
Toleranzgrenze von 80 – 100 mm ausgelegt. Bei den routinemäßigen Untersuchungen
ist aufgefallen, dass bereits erneuerte Netz-Hausanschlüsse neue Risse
aufweisen, die ggf. überprüft werden müssen.

Zu 8:
Der leicht geänderte Wortlaut der Schlichtungsordnung für die endgültige Schadensbehebung
wurde in der Gemeinderatssitzung vom 26. Juni 2012 befürwortet und
beschlossen. Die IGR hatte im Vorfeld den vom Justizministerium zusammen mit dem
Schlichter vorgeschlagenen Änderungen zugestimmt. Die endgültige Schlichtungsordnung
soll im Beisein eines Vertreters der Landesregierung unterzeichnet werden.

Damit ist jetzt die formelle Grundlage geschaffen, die Schadensfälle außerhalb der
Gerichte zu bearbeiten.

Jetzt muss auch die Frage geklärt werden, wie die finanzielle Abwicklung in den
nächsten Jahren aussehen soll. Die Finanzierung des letzten Drittels ist noch nicht geklärt.
Die Stadt Staufen ist bereits heute am Rand ihrer Leistungsfähigkeit angelangt.
Die Schäden an den sieben städtischen Liegenschaften belaufen sich nach einer
aktuellen Schätzung des Büros für Baukonstruktion vom Juni 2012 auf rund 5,8 Mio.
Euro. Die Stadt ist damit am stärksten geschädigt und wäre bereits mit der Finanzierung
der eigenen Gebäudesanierungen überfordert.
Derzeit wird im Auftrag des Staats- und Innenministeriums die Finanzlage der Stadt
geprüft.

Die nächste Pressekonferenz findet am Donnerstag, den 26. Juli 2012, um 15 Uhr
im Ratssaal des Rathauses statt.

Staufen, den 28. Juni 2012
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