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Presseerklärung zu den Hebungsrissen

Presseerklärung vom 23.02.2012
zu den Hebungsrissen an Gebäuden in der historischen Altstadt von Staufen

Zu 1:
Die Zahl der geschädigten Privatgebäude (262) und der geschädigten städtischen Gebäude (7) bleibt unverändert. Das Schadensbild, insbesondere in der Kernzone, vergrößert sich weiter.
Im Februar ist ein weiterer Schlichtungsantrag eingegangen. Bisher liegen somit im Jahr 2012 drei Anträge bei der Schlichtungsstelle vor. Die Gesamtzahl der seit 2010 eingegangenen Anträge liegt bei 45.

Zu 2:
Im Zuge der Risse- und Hebungskatastrophe konnten in der Staufener Altstadt sowohl Höhen- als auch Längenänderungen festgestellt werden. Mit Hilfe eines Deformationsnetzes sollte der räumliche Deformationsbereich (für die spätere Schadensregulierung und die Definition einer Nulllinie) festgelegt werden. Das geodätische Konzept enthält daher einen Deformationsbereich, der aus Außen- und Innenbereich besteht, ferner die Punkte innerhalb der Vektoren sowie die Vektoren untereinander verknüpft. Ergänzt wird das Konzept durch einen Stabilpunktbereich, bestehend aus sechs Punkten außerhalb des vermuteten Deformationsbereiches. Die Verknüpfung der Stabilpunkte mit dem Deformationsbereich erfolgt über GNSS Messungen.
Die vom KIT Karlsruhe erstellte Netzanalyse erreicht eine Genauigkeit von ca. 5 mm.

Vom 15. bis 29. März 2011 fand eine erste Messepoche (Nullmessung) statt. Die zweite Messepoche wurde in der Zeit vom 18. bis 27. Januar 2012 durchgeführt.
Die Ergebnisse bieten eine erste Grundlage für die Deformationsanalyse. Sie liefern einen statisch gesicherten Nachweis bzw. Ausschluss von Punktbewegungen; ferner sind Berechnungen von relativen Bewegungen (Verzerrungen/Stauchungen) zwischen beliebigen Punkten möglich.
Die festgestellten Lageänderungen sind deutlich kleiner als die in der Vergangenheit vom Fachbereich Vermessung des Landratsamtes ermittelten. Ferner ist eine Wiederholungsmessung sinnvoll; der Zeitpunkt abhängig von der Zielsetzung.
Bei den acht Punkten im Netz, welche die größten Lagedifferenzen aufweisen, wurden max. 15 – 36 mm (im Beobachtungszeitraum von 8 Monaten) gemessen.

Zu 3:
Aus Sicht des Büros für Baukonstruktion sind derzeit keine weiteren größeren Schäden aufgetreten und demzufolge keine zusätzlichen statischen Baumaßnahmen auszuführen. Kleinreparaturen sind nach wie vor an verschiedenen Gebäuden, insbesondere im Innenstadtbereich, notwendig.

Zu 4:
Bisher bestand eine Tiefbaubereitschaft der badenova, welche innerhalb von 30 Minuten einsatzbereit vor Ort sein konnte. Diese Bereitschaft war vorerst für ein Jahr vorgesehen. In diesem Zeitraum kam es zu keinem Einsatz. badenova wird daher ab sofort die Einsatzbereitschaft auf eine Stunde erweitern. Aufgrund der Wetterlage der vergangenen Tage (Frostperiode) wurde der Begehungsrhythmus von bisher zweiwöchentlich auf wöchentlich erhöht. Bei diesen Kontrollen konnten keine größeren Leckagen festgestellt werden.
Die Prüfung der Hausinstallationen wurde bisher in Abhängigkeit von der Schädigung eines Gebäudes festgelegt. Das längste Prüfintervall betrug 16 Wochen. badenova wird die Intervalle überprüfen und gegebenenfalls größere Intervalle bis zu einem Jahr festlegen.
Nahezu alle Anschlüsse sind mit Gasströmungswächtern ausgestattet. In ein Gebäude in der Hauptstraße soll ergänzend ein Gasströmungswächter noch vor Ostern eingebaut werden, was eine größere Tiefbaumaßnahme erfordert.

Zu 5:
Am 16.02.2012 war Herr Umweltminister Franz Untersteller zusammen mit der Landtagsabgeordneten Bärbl Mielich zu Besuch in Staufen. Er nahm sich Zeit, um über den aktuellen Stand der Rissekatastrophe informiert zu werden.
Nach einer Besichtigung von geschädigten Gebäuden zeigte er sich betroffen vom Ausmaß der Schäden. Er bekräftigte die Beschlüsse der Vorgängerregierung und sagte Staufen seine volle Unterstützung zu. Mitgebracht hatte er einen Bewilligungsbescheid über 251.000 €, mit dem verauslagte Kosten der Stadt in Zusammenhang mit der Sicherung des Sondenfelds und für Sanierungen an Privatgebäuden ausgeglichen werden.
Anschließend wurden noch erfreulichere Themen, wie Staufens Bemühungen, bis 2050 klimaneutrale Kommune zu werden, besprochen.
Ein Entwurf der endgültigen, vom Gemeinderat und der IGR verabschiedeten, Schlichtungsordnung wurde zwischenzeitlich an Frau Staatsministerin Silke Krebs, Herrn Umweltminister Franz Untersteller und Herrn Regierungsvizepräsident Klemens Ficht versandt. Um einen Termin zur gemeinsamen Erörterung in Stuttgart wurde gebeten. Die Finanzierung des dritten Drittels ist weiterhin offen.

Am Freitag, 24.02.2012, findet eine Klausurtagung des Landes-CDU-Präsidiums in Staufen statt. Hierbei werden sich die Gäste auch mit der Hebungs- und Rissekatastrophe beschäftigen und sich vor Ort ein Bild von der jetzigen Situation machen.

Die nächste Pressekonferenz findet am Donnerstag, den 22. März 2012, um 15.00 Uhr im Ratssaal des Rathauses statt.
Staufen, den 23.02.2012
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