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Presserklärung zu den Hebungsrissen

Zu 1:
Im Zuge eines behördlichen Austausches fand Mitte Juni ein Besuch einer Abordnung des Regierungspräsidiums (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau) in der französischen Gemeinde Lochwiller statt; beim Gegenbesuch in Staufen war für die Franzosen von besonderem Interesse die Einrichtung und die Unterhaltung des Abwehrpumpbetriebs.
Lochwiller liegt am Westrand des Oberrheingrabens in der Vorbergzone I, die eine ähnliche Bodenschichtung aufweist wie Staufen. Im Jahr 2008 wurde durch eine private Erdwärmebohrung bis 140 m Tiefe ein artesischer Wasserverlauf getroffen. Der Zulauf des aufsteigenden Wassers über die Bohrung wurde später in ca. 15 m Tiefe verplombt. Damit wich das Wasser in das umgebende quellfähige Gebirge (Gipskeuper) aus. Es begann eine unaufhaltsame Kriechbewegung des Hanggeländes. Vertikalüberbohrungen und Abdichtversuche in dem französischen Dorf mit 450 Einwohnern sind gescheitert, seitdem hebt sich das Gelände um ca. 3,4 cm monatlich linear (insgesamt ca. 1,25 m seit Beginn), die Seitwärtsbewegung liegt bei 2,3 cm / Monat, die Folgen für die Gebäude und Infrastruktur sind immens.
In Staufen konnte solch eine Katastrophe durch eine frühzeitige Kooperation von Stadt und Land sowie durch die Hinzuziehung von Fachexperten, deren Beratung und durch die praktische Durchführung der Abwehrmaßnahmen verhindert werden.

Zu 2:
Nach der alle drei Jahre stattfindenden Messung des Deformationsnetzes durch das Landratsamt wurde die Auswertung durch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vorgenommen: die horizontale Bewegungsrate ist abklingend und lag im letzten Untersuchungszeitraum durchschnittlich bei ca. 2,2 mm/Monat im Maximum. Auch die letzte Höhenmessung zeigt abnehmende Werte mit asymptotischem Verlauf. Termine der nächsten Höhenmessungen: 3. bis 6. Juli und 9. bis 12. Oktober.

Zu 3:
Der Pumpbetrieb läuft weiterhin weitgehend störungsfrei, lediglich an der Brunnenbohrung 3 (BB3) fällt die Pumpe zeitweise trocken. Die letzte Inspektion im Herbst hatte keinen Wartungsbedarf ergeben. Die Ursache ist noch unklar. Möglicherweise müssen die Absenkziele verändert werden, eventuell ist der Druckgeber fehlerhaft oder die Pumpe hängt zu hoch.

Zu 4:
Die Statiker des Büros für Baukonstruktionen aus Karlsruhe informieren, dass es an den Gebäuden unterhalb der Jägergasse in Richtung Stadtschloss kaum noch Veränderungen gibt. Bei den laufenden und anstehenden Sanierungen wird die Abgrenzung der hebungsbedingten Schäden zunehmend schwieriger, da die Horizontal- und Vertikalbewegungen Vorschäden zu Tage bringen, die möglicherweise ohne die Belastung durch die Geländeveränderungen unentdeckt geblieben wären. Ein dritter Bauabschnitt zur Sanierung des Rathauses ist in Planung.

Zu 5:
Die regelmäßigen Kontrollen des öffentlichen Erdgasnetzes blieben ohne Beanstandung. Der TÜV Süd, der mit der Beurteilung der Sicherheit der Gasinneninstallationen in den Gebäuden im Hebungsgebiet beauftragt ist, hat mit der Begutachtung der Hausgasinnen-anlagen begonnen. Ein Teil der vom TÜV erarbeiteten Fragebögen ist bereits an die Eigentümer versandt worden. Der Fragebogen soll der Selbsteinschätzung durch die Gebäudeeigentümer dienen. Nach sorgfältiger Auswertung der Fragebögen durch den TÜV erfolgt eine Inaugenscheinnahme der möglicherweise risikobehafteten Anlagen sowie eine Ableitung von individuellen Maßnahmen.

Zu 6:
Vom 17. bis 21. Juli führt die Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement e.V. (DVW) eine landesweite Veranstaltungswoche zur Geodäsie durch. Am 20. Juli findet dazu ein Aktionstag in Staufen unter dem Motto „Staufen bewegt sich" mit Beteiligung der örtlichen Firmen statt. Die DVW lädt insbesondere Schulklassen dazu ein. Näheres dazu unter www.aktionswoche-geodaesie-bw.de/.

Zu 7:
Die nächste Pressemitteilung erscheint nach der Sitzung des Arbeitskreises Hebungsrisse, der am Mittwoch, den 20. September 2017, das nächste Mal tagt.

Zu 8:
Eine Kurzchronologie zu 10 Jahren Hebungsrissen in Staufen ist über die Homepage der Stadt Staufen abrufbar.
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