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Risse in der Altstadt

Presseerklärung vom 17.7.2009
zu den Hebungsrissen an Gebäuden in der historischen Altstadt von Staufen

zu 1.

Die durch Quellvorgänge im Untergrund hervorgerufenen Hebungen halten unvermindert linear an. Derzeit haben 197 private Hausbesitzer Gebäudeschäden gemeldet, 7 städtische Gebäude sind ebenfalls betroffen.

 

Herr Schenk von der Universität Karlsruhe bestätigt durch die Auswertung der Ergebnisse der SAR-Interferometrie (Satellitendaten, die ab Januar 2008 zur Verfügung stehen), das durch regelmäßige Messungen durch den Fachbereich Vermessung und Geoinformation des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald (Herr Asal) entstandene Bild des Hebungsbuckels in der Altstadt.

 

Ein Zwischenergebnis der SAR-Interferometrie ist auch, dass keine Hebungen im Gewerbegebiet Gaisgraben und im übrigen Stadtgebiet festzustellen sind.

 

Das Büro für Baukonstruktion, Karlsruhe hat die derzeit vorhandenen Schäden abgeschätzt. Auf der Grundlage der bisher durchgeführten Begehungen wurde verschiedene Schadenskategorien gebildet. Auf der Basis von m² - Flächen und

Rauminhalten (m³ umbauter Raum) wurde eine Schadenssumme von ca. 41 Mio € ermittelt.

Diese Informationen wurden über das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau dem Wirtschaftsministerium in Stuttgart zur Verfügung gestellt, das einen entsprechenden Bericht der Landesregierung vorlegen wird.

Darin aufgeführt sind auch weitere geschätzte Kosten für die nächsten technischen Maßnahmen in Höhe von ca. 1,9 Mio €.

 

zu 2.

Die Erkundungsbohrung hat jetzt eine Tiefe von 91 Metern erreicht. Während der Bohrung kam es zu Bohrlochwandausbrüchen, besonders bei 67,3 Metern. Deshalb wird zwischen 65 und 80 Metern das Bohrloch auf 311 Millimeter Durchmesser vergrößert (aufgerollt). Anschließend werden die Wände in diesem Bereich aufzementiert und anschließend wieder aufgebohrt. 

 

Zu den Sicherheitsanforderungen bei den Bohrarbeiten gehörte es schon, zwei  Sperrrohre zu verlegen, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Das Setzen von Sperrrohren erfordert durch das Aufbohren und Erhärten der Zementation einen relativ großen Zeitaufwand. Aus Sicherheitsgründen ist es auch jetzt dringend erforderlich, bis 95 Meter ein drittes Sperrrohr einzubauen.

Sorgfalt bei der Bohrung und begleitende Untersuchungen haben absolut Vorrang.

Seit der letzten Presseerklärung fanden einige hydrauliche Tests sowie bohrlochphysikalische Messungen statt (Caliber-, Gamma- und Acoustic-Logs).

Ggfs. wird für die weitere Bohrstrecke auf das Ziehen von Bohrkernen verzichtet, um

Zeit zu gewinnen.

 

zu 3.

Neben dem regelmäßig tagenden AK Hebungsrisse sind für die Sanierung des Sondenfeldes weitere Firmen aus dem Gebiet des Spezialtiefbaus angefragt worden. Herr Breder von der Ingenieurgruppe Geotechnik, Kirchzarten berichtet Einzelheiten auf der Pressekonferenz. Diese Firmen werden schnellstmöglich Sanierungs-konzepte erarbeiten.

 

Der Arbeitskreis Hebungsrisse zieht den notwendigen Sachverstand heran. Eine

erfolgreiche Sanierung des Sondenfeldes kann nur auf Basis der Ergebnisse der

Erkundungsbohrung erfolgen.

 

zu 4.

Ebenfalls auf der Pressekonferenz vorgestellt wird eine neue Initiative der Staufener Bürgerschaft: „Wir halten Staufen zusammen“.

Wie im Fall der Interessensgemeinschaft der Rissgeschädigten (IGR) wird die Stadtverwaltung eng mit der Initiativgruppe zusammen arbeiten, um den Zusammenhalt der Bürgerschaft weiter zu festigen und um den Rissgeschädigten auch auf diesem Wege zu helfen. Es wird erwogen, eine eigene Stiftung zur Erhaltung der historischen Altstadt von Staufen zu gründen.

 

zu 5.

Aufgrund der ausgesprochenen Einladungen von Bürgermeister Benitz, um Unterstützung bei der aktuellen Katastrophe zu erhalten und eine politische Lösung zu finden, haben sich für den 23.Juli Finanzminister Willi Stächele MdL, Staatssekretär Gundolf Fleischer MdL und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Dr. Klaus Schüle MdL  in Staufen angekündigt.

 

Die nächsten Pressetermine finden am Donnerstag, den 20.08.2009 und am Donnerstag, den 17.09.2009 jeweils um 14.00 Uhr im Stubenhaus in Staufen statt.

 

Staufen, den 17.Juli 2009

 Anlagen:
Übersicht zu den geschädigten Häusern (png)
Skizze zur Kernbohrung (pdf)
Übersicht zu den Hebungen (jpg, 2 MB)


Zur Vorgeschichte:
 
2006/07 wurden Staufens historisches Rathaus und das rückwärtige Rathausgebäude generalsaniert. Bei dieser Gelegenheit beschloss der Staufener Gemeinderat einstimmig, für die Heizung der beiden Rathausgebäude mit Erdwärme (Geothermie) eine innovative Energietechnik  zu nutzen.
Der Antrag der Stadt für die dafür notwendigen Erdbohrungen bis 140 Meter Tiefe wurde der zuständigen Abteilung des Regierungspräsidiums Freiburg, dem Landesamt für Geologie, Bergbau und Rohstoffe, vorgelegt und von der Unteren Wasserbehörde des Landratsamtes genehmigt. Eine österreichische Spezialfirma führte daraufhin im September 2007 die sieben Bohrungen zwischen den beiden Rathausgebäuden durch. 
Ende des Jahres tauchten am Rathaus und weiteren Gebäuden in der Altstadt erste Haarrisse auf, die sich ständig vergrößerten. Inzwischen sind über 170 Häuser in der als Gesamtensemble denkmalgeschützten Altstadt betroffen. 

Ein erstes Gutachten des vom Landgericht Freiburg bestellten Sachverständigen liegt seit Oktober dieses Jahres vor und seither weiß man, was im Untergrund Staufens passiert: In eine 75 Meter mächtige Gips-Keuperschicht ist Wasser eingedrungen und durch die Verbindung mit Anhydrit bildet sich unter Volumenzunahme Gips. Dadurch hebt sich die Erde in Staufen pro Monat etwa um einen Zentimeter, an einigen Stellen bisher insgesamt 10 Zentimeter – und der Quellvorgang ist nicht beendet. 
Das Gutachten benennt allerdings keine eindeutige Ursache. Das Einsickern von Wasser in die Gips-Keuperschicht kann sowohl durch die Geothermie-Bohrungen als auch durch die ständigen tektonischen Verschiebungen unter der Stadt verursacht worden sein. Obwohl die räumliche und zeitliche Nähe der Bohrungen für diese als Ursache der aufgetretenen Schäden spricht, gibt es keine eindeutige Zuweisung durch das Gutachten. Dadurch kann aus juristischer Sicht aber derzeit auch niemand als Schadensverursacher benannt werden. Weder kann man z.Zt. die Fachplaner und die Bohrfirma bzw. deren Versicherungen noch die Genehmigungsbehörde in die Verantwortung nehmen. Auch die einzelnen Gebäudeversicherungen kommen nicht für die Schäden auf solange die Ursachen ungeklärt sind.

Um die Hausbesitzer mit dieser Situation nicht allein zu lassen, strebt Staufens Bürgermeister Michael Benitz die Einrichtung eines Hilfsfonds an, aus dem die Schäden bezahlt werden sollen. Das Land Baden-Württemberg prüft, inwieweit es diesen Fonds unterstützen kann, denn die langsame Zerstörung einer denkmalgeschützten historischen Altstadt durch unaufhaltsam wirkende Erdkräfte ist eine tatsächliche Katastrophe.

 

 

 

 

 

 

 

 

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