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Risse in der Altstadt

Presseerklärung vom 23.1.2009
zu den Hebungsrissen an Gebäuden in der historischen Altstadt von Staufen

1. Die Hebungen halten unvermindert an, 144 Häuser geschädigt

2. Erkundungsbohrung wird vorbereitet; Beginn voraussichtlich Mitte Februar

3. Derzeit keine Gefahr für die Standsicherheit der Gebäude

4. Endgültige Aussagen zu weiteren Finanzierungsfragen sind noch nicht möglich

zu 1.
Die Hebungen halten unvermindert linear an (bis zu 1cm/Monat), derzeit sind 144 Häuser beschädigt. Die zuletzt am 20./21.01.09 durchgeführten Hebungsmessungen (geodätische Höhenmessungen) werden weiterhin regelmäßig vom Fachbereich Vermessung und Geoinformation des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald  durchgeführt. Die Messintervalle werden den Notwendigkeiten angepasst, erforderlichenfalls werden weitere Messpunkte neben den derzeit 61 bestehenden Messstellen errichtet.
Die Hebungen werden durch Quellvorgänge in einer Gipskeuper-Schicht im Untergrund hervorgerufen. Ursache ist, nach bisher vorherrschender Meinung von Geologen, ein Wasserzutritt aus einer oberhalb oder unterhalb dieser Gipskeuper-Schicht liegenden, wasserführenden Schicht.

zu 2.
Eine Erkundungsbohrung hinter dem historischen Rathausgebäude in der Rathausgasse wird intensiv vorbereitet, um eine belastbare Daten- und Informationsgrundlage zu schaffen, damit möglicherweise technische Sicherungsmaßnahmen gegen weitere Hebungen eingeleitet werden können.

Um die genaue Beschaffenheit des Untergrunds, die Grundwasserverhältnisse am Standort und die Ursache der Quellhebungen zu erkunden und um mögliche Sanierungsmaßnahmen planen und einleiten zu können, ist eine teleskopierte und verrohrte Kernbohrung bis in die Schichten des Lettenkeupers in einer Tiefe von rd. 150 Meter geplant.

In der Bohrung sollen geotechnische Versuche und Grundwasseruntersuchungen durchgeführt werden. Darüber hinaus werden bohrlochgeophysikalische Messungen vorgenommen. Gegebenenfalls kann es im Sinne einer ersten Sicherungsmaßnahme notwendig werden, in dem Bohrloch eine längere Grundwasserhaltung vorzunehmen. Ziel dabei wäre es, einen weiteren Wasserzutritt in quellfähige Bereiche des Gebirges zu vermindern. 

Die Erkundungsbohrung wird vom Regierungspräsidium Freiburg in enger Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald genehmigt.
Den Sicherheitsanforderungen bei den Bohrarbeiten wird höchste Priorität eingeräumt. Die Ergebnisse der beschränkten Ausschreibung für die Kernbohrung liegen inzwischen dem Fachplaner vor. Die Bohrung wird nach vorbereitenden Arbeiten vermutlich Mitte Februar 2009 begonnen werden. Die Dauer der Arbeiten wird mit etwa sechs bis acht Wochen veranschlagt.
Die geologische Betreuung und ein Teil der anfallenden Laborarbeiten werden vom Regierungspräsidium Freiburg, Abteilung 9 - Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau vorgenommen. Daneben werden weitere felsmechanische Untersuchungen vergeben.
Das Bohrloch soll abschließend mit Messinstrumentarien ausgerüstet werden. Diese dienen der vertikalen Lokalisierung von Hebungsbereichen und einer späteren Kontrolle eingeleiteter Sicherungsmaßnahmen.
Die Stadt Staufen ist sehr dankbar, dass das Land Baden-Württemberg die Kosten für die Erkundungsbohrung und der damit zusammenhängenden Versuche und Messungen, mit veranschlagten 300.000 Euro, übernimmt.

zu 3. 
Das von der Stadt Staufen beauftragte Büro für Baukonstruktion aus Karlsruhe (Leitung Dr. Hauer) wird die Schäden an den stark betroffenen Häusern weiterhin begutachten und Planungen zur provisorischen, statischen Sicherung erarbeiten.
Im historischen Rathaus finden z.B. derzeit Bohrungen und Schürfungen statt, um die Mauerdicken und die Fundamenttiefe noch genauer zu erkunden.
Alle schwer geschädigten Häuser werden auch weiterhin in kurzen Abständen kontrolliert, die Sicherheit der Bewohner hat dabei absoluten Vorrang. Nach bisherigem Ermittlungsstand besteht aber für die Standsicherheit der Gebäude keine Gefahr. Dennoch werden in einem der Gebäude in Kürze erste statische Stütz – bzw. Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt.
Die geschädigten Eigentümer werden dabei von den Fachleuten fachliche Unterstützung in jeglicher Hinsicht erhalten.

Die Energiedienst Netze GmbH kann momentan keine unmittelbaren Gefahren für die Niedrigspannungsleitungen der Stromversorgung im betroffenen Gebiet erkennen.

Auch die badenova hat bei ihrer Überprüfung der Gas- Hausanschlussleitungen keine erkennbaren Schäden an den Gasleitungen feststellen können. Die Überprüfungen werden weiter regelmäßig in den betroffenen Häusern durchgeführt. (siehe auch die Pressemitteilung der badenova vom 23.1.2009).

zu 4.
In Fragen des von Bürgermeister Benitz angestrebten Hilfsfonds können noch keine endgültigen Aussagen gemacht werden. Der von Ministerpräsident Günther Oettinger angeforderte Bericht von Innenminister Heribert Rech und Finanzminister Willi Stächele wird mehr Klarheit bringen.
Bis zur Klärung der Finanzierungsfragen bei der Planung und evtl. Umsetzung  von Provisorien zur statischen Sicherung der Gebäude tritt die Stadt Staufen in Vorlage.
In der 7. Kalenderwoche wird sich auch der Staufener Gemeinderat bei einer Besichtigung der am stärksten beschädigten Gebäude über den momentanen Sachstand informieren.
 
Staufen im Breisgau, 23. Januar 2009

Anlagen:
Übersicht zu den geschädigten Häusern (png)
Skizze zur geplanten Kernbohrung (pdf)
Übersicht zu den Hebungen (pdf)

Zur Vorgeschichte:

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