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Hebungsrisse: Runder Tisch

HEBUNGSRISSE RUNDER TISCH MIT DR. KOLLNIG
(20.01.2011 im Stubenhaus Staufen)

Teilnehmer:
Herr Dr. Kollnig
Herr Teigeler (Vorsitzender Schlichtungsstelle)
Herr Dr. Ruch (LGRB)
Herr Dipl.-Ing. Breder (IGG)
Herr Schmid (Stadtbauamt, Verwaltung)

Fragen/Antworten 

1 Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden. Er dankt den Herren Breder, Dr. Ruch, Teigeler und Schmid für deren Anwesenheit und Mitgestaltung des heutigen Abends. 

2 Herr Dr. Ruch berichtet über den Zwischenstand der Brunnenbohrung in der Kirchstraße ( Bohrung 3). Einleitend geht er auf den hydraulischen Abwehrpumpbetrieb ein und erklärt, dass der neue Brunnen in der Kirchstraße als Ergänzung der Erkundungsbohrung (EKB 2) eingerichtet werde, um die Abwehrmaßnahme durch einen weiteren Brunnen zu stützen. Er weist kurz darauf hin, dass die Firma H. Anger´s Söhne die Bohrung als Vollbohrung durchführt und dort keine aufwändigen Erkundungen wie in EKB 2 erfolgt stattfinden. Es handelt sich um einen rein technischen Brunnen.Ein Bohrloch - Scan ergab, dass ein „Schichtfallen“ der Gesteinsschichten in Richtung Nordwesten bestätigt wurde – wie bei der EKB 2 schon gemessen. Eine weitere Erkenntnis ist die Bestätigung, dass die Erdwärmesonde (EWS) 7 deutlich im Oberen Muschelkalk eingebunden ist. Dies belegt auch nochmals den hydraulischen Anschluss der EWS 7. Die Erkenntnisse bestätigen auch, dass der gewählte Standort der Bohrung in der Kirchstraße für einen weiteren Brunnen richtig war, ebenso wie die gleich zu Beginn der Abdichtungsarbeiten vorgenommene Abdichtung von EWS 7.Herr Dr. Ruch stellt in Schaubildern neben den 3 Bohrungen (EKB 1, EKB 2, B 3) auch die Entwicklung der Hebungsfigur von Sept. 2009, Januar 2010 und November 2010 dar. Es ist festzuhalten, dass sich nach volumetrischer Auswertung der Hebungsprozess seit Beginn der technischen Abwehrmaßnahmen ab September 2009 um ca. 41 % im Gesamtbereich verlangsamt hat. Er zeigt hierzu ein Schaubild:Messperiode: Mai 08 - Mai 10- Juli 10- Sept. 10- Sept. 09 Juli 10 Sept. 10 Nov. 10Prozessgeschwindigkeit 74 % 70 % 59 %(gesamter Hebungsbereich): 100 % (-26 %) (- 30 %) (- 41 %)Prozessgeschwindigkeit 69 % 68 % 62 %(zentraler Bereich): 100 % (- 31 %) (- 32 %) (- 38 %)

3 Herr Breder teilt ergänzend zu den Ausführungen von Herrn Dr. Ruch mit, dass der Pumpbetrieb in der EKB 2 konstant weiterläuft.Die Bauarbeiten für den zusätzlichen Brunnen in der Kirchstraße haben momentan eine Tiefe von ca. 54,7 m erreicht. Er berichtet, dass bis zur Tiefe von 50 m Spülungsverluste durch Gebirgsdurchlässigkeiten festgestellt wurden, was dazu führte, dass die Bohrlochabschnitte zementiert und danach wieder aufgebohrt werden mussten. Hier kam es zu Verzögerungen, momentan ist der Bohrfortschritt aber ganz gut.Bei dem Bohrloch in der Kirchstraße herrschen adäquate Verhältnisse wie im Erdwärmesondenfeld und es gibt nur leichte Differenzierungen im geologischen Aufbau. Es wurden bisher keine größeren Störungen festgestellt, sodass man derzeit von einem Ende der Bohrarbeiten bis Ende Februar ausgeht. Wenn der Bohrlochausbau abgeschlossen ist , wird die Bohrstelle umgerüstet , das große Bohrgerät abgefahren und eine Pumpstation aufgebaut. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Baustelle wesentlich kleiner wird, da die Einrichtung des bisherigen Bohrens größtenteils abgefahren wird.

4 Frage: Wie wird mit neuen Anträgen auf Geothermiebohrung seitens des LGRB umgegangen, wenn diese explizit in unserem Bezirk beantragt werden? Der Fragende verweist in diesem Zusammenhang auf eine Bekanntmachung im Rathausblatt.Herr Dr. Ruch erklärt, dass das Genehmigungsverfahren beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald (LRA) durchgeführt wird und er zum konkreten Fall nicht viel sagen kann. Bei Bohranzeigen für Erdwärmesondenbohrungen, die beim LGRB eingehen (Bohrungen > 100 m Tiefe bzw. Einzelanfragen des LRA) prüft das LGRB, ob bei dem jeweiligen Vorhaben durch Gips gebohrt wird. Die sicherste Vorsorgemaßnahme, um Schäden wie in Staufen zu vermeiden, ist eine Bohrtiefenbegrenzung für Erdwärmesonden bis zum Erreichen des „Gipsspiegels“ einzuhalten. Als Gipsspiegel ist das erste Auftreten von Gips gemeint. Gips liegt typischerweise noch über der Anhydritschicht. Gips ist bei Bohrungen für Erdwärmesonden normalerweise zuverlässig zu erkennen. Somit kann eine Bohrung rechtzeitig beendet werden, bevor Anhydrit erreicht wird.Diese Bohrtiefenbegrenzung gilt für ganz Baden-Württemberg. Das LGRB empfiehlt, Bohrungen dann zu stoppen, wenn Gips erbohrt wird.

5 Frage: Wie sieht es mit den horizontalen Verschiebungen aus?Herr Breder erklärt, dass der Messaufwand der horizontalen Verschiebungen sehr groß ist. Er weist daraufhin, dass gerade die horizontalen Verschiebungen besonders schädlich sind und in den Randbereichen höher sind als die Hebungen selbst.Wenn allerdings die gemessenen Hebungen sehr gering sind, ist auch nicht mit erheblichen horizontalen Verschiebungen zu rechnen.Es ist zu beobachten, dass es aufgrund der Verschiebungen im Randbereich zu Stauchungen und im „Hebungszentrum“ zu Auseinanderzerrungen kommt.Sollten die Hebungen zum Stillstand kommen, sind auch die horizontalen Verschiebungen vorbei.

6 Frage: Ein Teilnehmer merkt an, dass er in seinem Objekt in der St.-Johannesgasse bisher nur 2 Risse hatte, sich die Risse seit Ende Nov./Anfang Dez. nun aber drastisch vervielfältigt haben. Da er selbst nicht in Staufen wohnt und den Verlauf nicht selbst beobachten konnte, möchte er wissen, wie es sein kann, dass einerseits der Hebungsprozess verlangsamt ist, andererseits aber vermehrt Risse auftauchen.Herr Breder antwortet, dass an jedem Bauwerk durch die Hebungen Teilverformungen entstehen können. Die Schäden haben vielfach eine schleichende Wirkung und sind zumeist anfangs gar nicht sichtbar.Irgendwann sind die Spannungen jedoch zu groß und führen zur Bildung sichtbarer Risse.Er ergänzt, dass die Aufnahmen bzw. Beobachtungen des Büros für Baukonstruktionen (BfB) aus Karlsruhe jedoch zeigen, dass die Schadenszuwächse bereits deutlich abgenommen haben.

7 Anmerkung: Ein Teilnehmer weist daraufhin, dass seitens des BfB nur Schäden aufgenommen und berücksichtigt werden, sobald sie statisch relevant sein könnten. Ein weiterer Teilnehmer schließt sich an und ergänzt, dass seines Erachtens jeder Riss eines Gebäudes, auch wenn statisch nicht relevant, dokumentiert werden sollte und man sich auf einen einheitlichen Modus der Schadensdokumentation verständigen muss. Es ist vielen Geschädigten nicht klar, was getan werden muss und wie man sich zu verhalten hat.Herr Breder weist daraufhin, dass die Veränderung der Schäden grundsätzlich mit der Hebungsgeschwindigkeit korrespondiert. Herr Dr. Kollnig sagt, dass auch die Eigentümer selbst die einzelnen Schäden kontrollieren sollten und dies auch in den ersten Sitzungen des „Runden Tisches“ so kommuniziert worden ist. Neue Schäden können jederzeit dem Stadtbauamt gemeldet werden. Das Stadtbauamt ist sodann gerne bereit, die Schäden vor Ort zu besichtigen und zu dokumentieren.Herr Teigeler sagt, dass es grundsätzlich nicht schädlich ist, wenn bei Abwicklung der Schadenssumme eine eigene Fotodokumentation oder z.B. auch handschriftliche Informationen vorgelegt werden können. Er zieht den Vergleich mit einem Verkehrsunfall. Sollte man zufällig eine Kamera im Auto und die Möglichkeit haben, Bilder zu machen, sollte man davon Gebrauch machen. Es kann nur hilfreich sein, solche „Beweismaterialien“ festzuhalten.Aus seiner Sicht ist ein einheitlicher Modus der Schadensdokumentation nicht notwendig, da jeder Betroffene dafür andere technische Möglichkeiten zur Verfügung hat. Es ist auch nicht unbedingt erforderlich, die Dokumentation in das „Archiv“ der Stadt zu geben, jeder sollte auf seine Art und Weise selbst dokumentieren.

8 Anmerkung: Ein Teilnehmer zweifelt die Methode des Fotografierens bzw. die Qualität der Fotos von Rissen an. Er sagt, dass es besser sei, Messungen durchzuführen, um somit den Rissverlauf besser verfolgen zu können. Er schlägt vor, dass Gipsmarken angebracht werden sollten und die Stadt halbjährlich in die geschädigten Häuser geht, um die Schäden zu dokumentieren. Es wäre gut zu wissen, wie die Stadt zu diesem Thema steht bzw. was sich das Stadtbauamt vorstellt.Herr Teigeler will vermeiden, dass er falsch verstanden wird, und macht nochmals deutlich klar, dass Fotos selbstverständlich nicht als Allheilmittel der Schadensdokumentation angesehen werden können, weil sie hin und wieder auch unscharf sind oder Verzerrungen enthalten. Er möchte lediglich zum Ausdruck bringen, dass man z.B. mit Fotos ein zusätzliches Beweismittel in den Händen hält.Herr Breder weist noch einmal darauf hin, dass die Geschädigten jederzeit zur Stadt kommen können und Herr Riesterer sodann das jeweilige Objekt vor Ort besichtigt und die Schäden dokumentiert. Ein erster Hinweis auf neue Schäden sollte demnach vom Eigentümer bzw. Mieter selbst erfolgen. Grundsätzlich bestehe für jeden selbst eine gewisse Fürsorgepflicht.

9 Anmerkung: Es wird darauf hingewiesen, dass das BfB die Objekte zwar in regelmäßigen Abständen begeht, jedoch nur Risse gemessen werden, welche sich in Mannshöhe befinden. Es wird gefragt, ob dies ausreicht?Herr Breder erklärt, dass die Praktiken natürlich handhabbar und auch wirtschaftlich angemessen sein müssen. Aus Sicht von Herr Breder reichen die angewandten Praktiken aus, da sich ein statischer Konstruktionsaufbau auch aus Mannshöhe von solchen Fachleuten einschätzen lässt.Er macht abschließend klar, dass der Verlauf kleinerer Risse und derjenigen Risse, welche die Standsicherheit beeinträchtigen, getrennt betrachtet werden müssen.

10 Anmerkung: Eine Teilnehmerin berichtet, dass das BfB aus Karlsruhe erst kürzlich in ihrem Objekt war und durchaus auch Bilder von Rissen gemacht hat, welche statisch nicht relevant sind. Sie weist daraufhin, dass das BfB eine große Verantwortung hat und sie sich sicher ist, dass das BfB die Tätigkeit verantwortungsbewusst ausführt.Herr Teigeler schließt sich den Ausführungen an und sagt, dass bezogen auf die bisherigen Schlichtungsfälle bisher nur wenige Dokumentationslücken vorhanden waren. Seinem Eindruck und seiner Einschätzung nach ist genügend Material vorhanden. Man solle deshalb die Frage der Fotodokumentation nicht überbewerten

11 Anmerkung: Ein Teilnehmer weist daraufhin, dass er bereits vor 6-8 Wochen beim Stadtbauamt der Stadt Staufen (Hr. Riesterer) angerufen hatte, dass sich die Risse in seinem Objekt vergrößern. Er fragt, ob es evtl. sein kann, dass das Stadtbauamt die Arbeit nicht bewältigen kann?Ein weiterer Teilnehmer sagt, dass seine Nachbarin starke Risse in ihrem Haus hat, sie jedoch pflegebedürftig ist und deshalb die Risse nicht melden, geschweige denn dokumentieren kann.Herr Dr. Kollnig sagt zu, dass die Anregungen in das Protokoll aufgenommen werden und sich das Stadtbauamt nach der heutigen Sitzung darum kümmern wird.

12 Frage: Wie sieht der Zeithorizont der Bohrung in der Kirchstraße aus und wie sieht die Kirchstraße aus, wenn die Bohrgeräte nicht mehr benötigt werden? Herr Breder antwortet, dass er hierzu zum heutigen Zeitpunkt keine abschließende Aussage treffen kann, letztlich hängt dies u.a. von den durchzuführenden hydraulischen Tests ab. Man kann davon ausgehen, dass es vorerst weiterhin eine kleine „Baustelle“ in der Kirchstraße geben wird, mit entsprechender Überfahrt zum Schutz der Ableitung des Wassers, welches über die Kirchstraße, gemeinsam mit dem abgepumpten Wasser aus der EKB 2, in den RW-Kanal abgeleitet wird.

13 Frage: Wie sieht es mit den absoluten Hebungen aus?Herr Breder antwortet, dass die Auswertung der absoluten Hebungsbewegungen ergeben hat, dass sich die Erde seit Beginn aller Hebungen am meisten an einem Punkt in der Rathausgasse gehoben hat; der maximale Hebungsbetrag liegt hier bei 37 cm.

14 Frage: Besteht neben dem Gipskeupergebiet noch ein anderes Gebiet, welches auch ins Quellen geraten könnte und besteht zwischen den Bereichen eine Trennschicht?Herr Ruch erklärt, dass nur ein Teilabschnitt des Gipskeupers vom Quellvorgang betroffen ist. Durch die bisherigen Abwehrmaßnahmen wird verhindert, dass es zu einem Ausweiten des Quellungsbereichs kommt. Bisher wurde nachweislich keine Ausweitung des Quellungsbereichs festgestellt.Herr Breder ergänzt hierzu, dass sich aus der Hebungsfigur die Ausbreitung des Quellvorganges ablesen lässt. Die Hebungsfigur ist ortsfest geblieben und dabei deutlich kleiner und nicht größer geworden.Eine Trennschicht gibt es nicht. Der Quellungsbereich im Gipskeuper wird letztlich dadurch bestimmt, inwieweit sich das eindringende Wasser über Trennflächen (Klüfte und Schichtfugen) verteilen kann.

15 Da zum technischen Thema keine weiteren Fragen mehr offen sind, beendet Herr Dr. Kollnig die Diskussion darüber und geht auf das Thema Schlichtungsstelle ein. Er fragt bei Herrn Teigeler nach, was er zu berichten hat.Herr Teigeler erläutert, dass es nicht all zu viel Neues zu berichten gibt. Er sagt, dass die bisherigen Verfahren in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen abgelaufen sind. Teilweise kommt es zu kleineren Verzögerungen, was evtl. mit den personellen Engpässen auf dem Stadtbauamt bzw. mit der noch nicht besetzten Stelle zu erklären ist.Seiner Einschätzung nach reicht das wirtschaftliche Volumen, welches das Land Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt hat, noch für eine Menge von Anträgen aus. Auch die bisherigen Formulare und Dokumentationen haben aus seiner Sicht ausgereicht. War dies nicht der Fall, hat er sich auch teilweise schon direkt vor Ort selbst über die Schäden informiert.Die Erfahrung hat gezeigt, dass schriftliche Verfahren nicht so geeignet sind, er bevorzugt daher künftig eher mündliche Verfahren. Er erklärt, dass dies sowieso in fast allen Fällen notwendig ist und dadurch auch ein anderes Klima zwischen den Verfahrensbeteiligten entsteht. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt.

16 Anmerkung: Der Schlichtungsantrag sollte seitens der Stadt in elektronischer Form zur Verfügung gestellt werden, sodass die Datei direkt am PC auszufüllen ist. Die Datei darf nicht schreibgeschützt sein. Bisher muss alles handschriftlich ausgefüllt werden, da die Datei im PDF-Format versandt wird.Das Stadtbauamt wird sich darum kümmern, dieses Problem zu beheben und eine Word-Datei erstellen. Red. Anmerkung: Ist inzwischen bereits erfolgt.

17 Anmerkung: Ein Teilnehmer wundert sich, dass am heutigen Abend bisher noch nicht über den Besuch des Ministerpräsidenten Mappus gesprochen wurde. Was passiert mit dessen Zusage, wenn z.B. nach der Wahl jemand anderes regiert? Seiner Meinung nach ist die Zusage an Unverbindlichkeit nicht zu übertreffen, da mit der Regulierung der Schäden erst begonnen wird, sobald die Erde zum Stillstand kommt.Herr Dr. Kollnig sagt, dass man sich von Anfang an bewusst war, dass es erst zur Schadensregulierung kommt, sobald die Erde zum Stillstand gekommen ist. Dieser Stillstand kann im Hebungsgebiet zu unterschiedlichen Zeitpunkten eintreten. Das kann zur Folge haben, dass in Randbereichen die Schadensregulierung früher beginnt als in der Haupthebungszone. Es muss klar sein, dass Herr Ministerpräsident Mappus keine Blankoschecks aushändigt, sondern politische Zusagen macht. Die getroffene Vereinbarung zwischen dem Land und den kommunalen Landesverbänden über die anteilige Kostentragung ist jedoch ein wichtiges Indiz für die Verlässlichkeit der Zusage. Herr Dr. Kollnig sagt, dass er selbst beim Besuch des Ministerpräsidenten nicht anwesend war, er jedoch die Aussagen als gut empfunden hat.

18 Anmerkung: Zusage sind nicht verbindlich, ein politischer Kopf muß eine endgültige Aussage machen, auf die man sich auch verlassen kann.Herr Teigeler entgegnet, dass aus seiner Sicht die Aussage des Herrn Mappus bereits „ungeheuer viel“ war. Er macht nochmals deutlich, dass man es schätzen sollte, dass das Land Zahlungsverpflichtungen übernimmt, ohne dass es durch ein Urteil zu Schadensersatz verurteilt wurde.Er empfindet es als sehr beruhigend, dass die Aufteilung der Schadenssumme in Bruchteilen angegeben wurde und nicht in absoluten Zahlen.Er weist auf die Worte von Herr Dr. Kollnig hin und sagt, dass es wahrscheinlich ist, dass die Randbereiche eher zum Stillstand kommen und dann mit Regulierung der Schäden begonnen werden kann. Mit dieser Aussage des Ministerpräsidenten ist jedoch sichergestellt, dass auch diejenigen, welche zum Schluss kommen, noch etwas davon haben.

19 Frage: Eine Teilnehmerin möchte wissen, was passiert, wenn sie beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen ins Altersheim müsste und auf das Geld aus dem Verkauf ihrer Immobilie angewiesen wäre, welche nach derzeitigem Kenntnisstand wohl kaum und wenn überhaupt, nur mit starken Einbußen, veräußert werden könnte?Herr Teigeler möchte sich nicht festlegen, meint aber, dass in der Schlichtungsordnung für Sofortmaßnahmen auch für solche Fälle eine Regelung (unzumutbare Maßnahmen aufgrund wirtschaftlicher Missstände) besteht. Voraussichtlich ist dies ein Thema, das bei der nächsten Stufe des Schlichtungsverfahrens eine Rolle spielen kann.Herr Oberle von der Interessengemeinschaft der Rissgeschädigten GbR ergänzt, dass vorgesehen ist, dieses Thema bei den nächsten Gesprächen zur 2. Stufe der Schlichtungsverfahren anzusprechen und auf jeden Fall zu berücksichtigen.

20 Frage: Die Zusage des Ministerpräsidenten Mappus bzw. des Landes Baden-Württemberg ist rechtlich nicht verbindlich. Wäre es möglich, dass unter der Voraussetzung, die Erde käme nicht zum Stillstand, die Zusage zur Übernahme der Kosten verjährt?Herr Teigeler antwortet, dass es aus seiner Sicht undenkbar ist, dass sich das Land Baden-Württemberg nach solch einer Aussage auf Verjährung beruft.Herr Oberle ergänzt hierzu, dass auch bereits eine Vereinbarung über den Verzicht zur Berufung auf Verjährung zwischen der Stadt Staufen und dem Land Baden-Württemberg, befristet bis 31.12.2013, unterschrieben wurde.Er sagt auch, dass er die Zusage des Herrn Ministerpräsident Mappus als astrein verbindlich empfinde und es enorm wichtig ist, dass die Schadensdimension nicht begrenzt wurde.

21 Frage: Was geschieht, wenn die Erde nie zum Stillstand kommt und es ggfs. zu Totalschäden kommt?Herr Teigeler und Herr Oberle weisen daraufhin, dass jeder einzelne Fall anders sein wird und sich die Stadt Staufen und die IGR GbR gemeinsam Gedanken machen werden, wie die endgültige Verteilung der Gelder und die Schadensbehebung geregelt werden.

22 Frage: Warum werden Mietausfälle nur entschädigt, wenn finanzielle Nöte entstehen? Selbst wenn nicht unbedingt finanzielle Nöte entstehen, ist es doch ein finanzieller Nachteil, der sich bemerkbar machen kann.Herr Teigeler sagt, dass er grundsätzlich auch der Meinung ist, dass dem jeweiligen Vermieter Mietausfälle zustehen. Letztlich ist die Schlichtungsordnung aber wie eine Zivilprozessordnung, an die man sich verbindlich halten muss.Herr Oberle berichtet hierzu, dass die Abgeltung aller Mietausfälle im Rahmen der ersten Stufe des Schlichtungsverfahrens nicht durchgesetzt werden konnte. Voraussichtlich im Februar sollen Gespräche zur nächsten Stufe des Schlichtungsverfahrens stattfinden, bei denen man sich seitens der IGR dafür einsetzen wird.

23 INFORMATION: Sowohl auf der Homepage der Stadt Staufen als auch der Homepage des Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau können Informationen zum Thema „Hebungsrisse“ bzw. „Schadensfall Staufen“ unter folgenden Links aufgerufen werden:http://www.staufen.de à Aktuelles/Nachrichten à Hebungsrissehttp://www.lgrb.uni-freiburg.de/lgrb/home/schadensfall_staufen

24 Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch um 20.55 Uhr.

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