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Hebungsrisse: Runder Tisch

HEBUNGSRISSE RUNDER TISCH MIT DR. KOLLNIG
(12.11.2009 im Stubenhaus Staufen)

Fragen/Antworten

1. Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden

2. Herr Dr. Ruch hält den 1. Vortrag: Er erklärt anhand einer Powerpoint-Präsentation
a) die Hebungsgeschwindigkeit
b) aktuellen Stand der Erkundungsbohrung
c) die Versuche um Schäden durch hydraulischen Absenkbetrieb zu vermeiden - erster Pumpversuch in einer Tiefe von 145 – 153 m. u. OK Gel. mit einer Entnahmemenge von 0,89 l/s im LK (Lettenkeuper)- zweiter Pumpversuch in einer Tiefe von 152 – 163 m.u. OK Gel. mit einer Entnahmemenge von 0,47 l/s im MK (Muschelkalk)- dritter Versuch: hier wurde durch Aufsalzen des Wassers versucht, Eintritte von Wasser in MK bzw. LK in das Bohrloch festzustellen. Aus all diesen Versuchen resultierte die Entscheidung, durch eine Dauerabsenkmaßnahme in den Abwehrbetrieb überzugehen und mit einer Entnahmerate von 1,28 l/s den Wasserstand auf rund 127 m.u. OK. Gel. abzusenken. Diese Maßnahme läuft z.Zt. noch. Am kommenden Montag wird die vergleichende Temperaturmessung durchgeführt, um die Auswirkung des Abpumpens auf Sonde 7 festzustellen.

Herr Dr. Ruch erklärt weiterhin, dass die Eindämmung der Hebungen auf zwei Füßen steht:
-. Abwehrbetrieb durch Absenkmaßnahmen wie geschildert
-. Abdichtung der Erdsonden, wie in Schacht Grube Clara im Versuch erfolgreich gelungen, beginnend mit der Sonde Nr. 7

3. Frage: Inwieweit hätte die Erkundungsbohrung vor Beginn der Maßnahme durchgeführt werden sollen? 
Diese Frage wurde schon oft gestellt! Weil Geothermie wirtschaftlich günstig sein soll, wird generell auf Probebohrungen verzichtet. Die Erdsondenbohrungen in Staufen sind nach dem üblichen Genehmigungsverfahren beantragt und genehmigt worden. Man ging bisher davon aus, dass dieser bisherige Stand der Durchführung ausreichend ist. Nach dem Fall in Staufen sind die Anforderungen an das Genehmigungsverfahren schärfer geworden. Zur Zeit werden dort keine Bohrgenehmigungen erteilt, wo quellfähiges Material im Untergrund angetroffen werden könnte.

4. Frage: Ist es sinnvoll eine Sammelklage anzustreben?
Frage wurde durch Herr Dr. Kollnig zurückgestellt, er wies jedoch darauf hin, dass die Stadt Staufen die Einrichtung einer Schlichtungsstelle favorisiert.

5. Vortrag Herr Breder:Anhand einer Präsentation erklärt Herr Breder die seismischen Untersuchungen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse. Er geht auf diese Erkenntnisse ein und erläutert die Quell- u. Druckversuche, welche an der TU KA durchgeführt wurden. Hiermit wollte man die Frage beantworten wie viel Wasser sich z. Zt. im Quellkörper befindet und wie lange und in welchem Umfang sich der Quellvorgang fortsetzt. Prognosen über die zu erwartenden Hebungen sind im Moment noch nicht möglich. Weiterhin ging Herr Breder auf die Ergebnisse der Höhenmessungen des Landesvermessungsamtes ein. Hier wurde festgestellt, dass es eine horizontale Verschiebung im Bereich des Hebungsbuckels gibt. Herr Breder betont nochmals, dass z. Zt. niemand seriös sagen kann, wie lange die Arbeiten an den Abdichtungen andauern werden. Im Angebot der ausführenden Firma geht man im Moment von 100 Arbeitstagen aus.

6. Kann man auf Grund der neuen Erkenntnisse etwas über den kausalen Zusammenhang zw. Erdsondenbohrung und Hebungen sagen?
Dies ist naturwissenschaftlich erst möglich, wenn vergleichende Temperaturmessungen durchgeführt wurden, die fachliche Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr groß. Die rechtliche Bewertung geht von einer Kausalität aus.

7. Ist sulfatbeständiger Zement für die Abdichtung der Bohrlöcher bei den Geothermiebohrungen verwendet worden?
Die Untersuchung der Uni KA sagt aus, dass mit größter Wahrscheinlichkeit kein sulfatbeständiger Zement verwendet worden ist.

8. Horizontale Verschiebungen: Ist es denkbar, dass auf Grund der Lageänderung auch die Nulllinie neu überdacht werden muss?
Die momentane Nulllinie wird sich auf Grund der Lage des Quellkörpers nicht wesentlich verändern. Evtl. kann sie sich in einigen Bereichen um einige Meter verschieben, Verschiebungen im größeren Bereich sind jedoch nicht zu erwarten.
Wie groß sind die horizontalen Kräfte?
Max. Quelldrücke liegen bei ca. 400 to/m², Herr Breder erläutert die Gesetzmäßigkeit des Quelldruckes anhand verschiedener Parameter.
Wo wurden die horizontalen Verschiebungen gemessen?
Horizontale Verschiebungen wurden an einzelnen Katasterpunkten festgestellt.

9. Wieso quillt es in 90 – 60 m und nicht tiefer?
Dies hängt mit der geringeren Durchlässigkeit der Erdsondenumgebung in größerer Tiefe zusammen. Die Quellfähigkeit der tiefer liegenden Schichten kann aber noch nicht abschließend beurteilt werden, eine seriöse Aussage hierüber ist im Moment nicht möglich.

10. Herr Rinderle fragt nach, ob die Risse im Randbereich nicht im Zusammenhang mit den Bohrungen in der Rathausgasse stehen?
Herr Dr. Ruch sowie Herr Dr. Kollnig erklären, dass nach wie vor davon ausgegangen werden kann, dass es keinen Zusammenhang mit den Bohrungen in der Rathausgasse gibt.

11. Wann ist der frühstmögliche Zeitpunkt, dass die Hebungen aufhören? Und wann bricht Staufen zusammen?
Im Moment liegen noch nicht genügend Grundlagendaten vor, um eine vernünftige Aussage zu machen. Die Geologen sind jedoch zuversichtlich, dass die beiden Maßnahmen (Absenken und Abdichten) zu einem Stopp des Wasserzutritts führen. Zur Zeit bereitet jedoch das Wasser, welches sich bereits in der Anhydritschicht befindet, Probleme in der Interpretation des zu erwartenden Quellpotentials, da noch keine Aussagen über die Menge des bereits eingedrungenen Wassers vorliegen.

12. Wann kommt das Schreiben wegen der Erklärung auf Verzicht auf Einrede der Verjährung?
Die Stadt Saufen ist dabei, dieses Schreiben zu fertigen, es wird im Laufe des kommenden Monats versandt.

13. Es wird unter den Geschädigten immer wieder diskutiert, die betroffenen Gebäude einer Wertermittlung zu unterziehen. Ist es sinnvoll, ein Kataster zu erstellen, in welchem der Immobilienwert und der wirtschaftliche Schaden dargestellt wird?
Herr Dr. Kollnig rät, nur dort wo es unbedingt notwendig ist, z.B. Nachlassregelung usw., eine Wertermittlung durchzuführen. Er berichtet in diesem Zusammenhang auch über die Bereitschaft im Finanzministerium, Mittel für Staufen zu reservieren, und davon, dass die Stadt Staufen auf die Einrichtung einer Schiedsstelle drängt. Von dieser Schiedsstelle würden dann solche Fragen wie wirtschaftlicher Verlust, Wertverlust Immobilie usw. bearbeitet werden.
Von Seiten der Stadt Staufen wird darauf hingewiesen, dass speziell bei der Ermittlung der finanzielle Verluste, z.B. in der Gastronomie oder bei Geschäften, es wichtig ist, den Schaden beziffern zu können, d.h. er ist, durch Nachweisführung zu belegen, z.B. Abrechnung von Vergleichszeiträumen usw. 

14. Als nächster verbindlicher Termin für den „Runden Tisch“ wird Dienstagl, 26.01.2010, 19:00 Uhr im Stubenhaus genannt.

Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch gegen 21.15 Uhr.

gefertigt: Dr. Wilfried Kollnig, Mediator  und Ottmar Riesterer, Stadtbauamt
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