facebook  Facebook

Hebungsrisse: Runder Tisch

HEBUNGSRISSE RUNDER TISCH MIT DR. KOLLNIG
(26.1.2010 im Stubenhaus Staufen)

Teilnehmer: Dr.Kollnig, Dr.Ruch, Christian Schmid

Fragen/Antworten

1 Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden

2 Herr Dr. Ruch:
— Sachstandsbericht zu den eingeleiteten bzw. ergriffenen Maßnahmen (Dauerabsenkbetrieb in der Erkundungsbohrung 2 und Perforieren/Injizieren der Sondenschläuche). Noch vor Weihnachten des vergangenen Jahres wurden alle 7 Erdwärmesonden im unteren Bereich erfolgreich perforiert. Somit konnte der Ringraum mit einer extra hergestellten Zementsuspension nachträglich abgedichtet werden. Beide Maßnahmen scheinen erste Erfolge zu zeigen. Nach Abbinden der Suspension konnte der Abwehrbrunnen, welcher während der Abdichtungsphase abgestellt wurde, Ende Dezember erneut in Betrieb genommen werden. Mit geringen Entnahmeraten wird derzeit eine Absenkung bis unter den quellfähigen Bereich erzielt. Aktuell werden die Perforierungs- und Injizierungsarbeiten fortgesetzt, mit dem Ziel, sämtliche Sonden im gesamten Ringraum bis zur Oberfläche nachträglich abzudichten. Herr Ruch stellt klar, dass es jeden Tag neue Erkenntnisse und teilweise auch Probleme gibt, man aber zuversichtlich in die Zukunft schaut.
— Herr Ruch stellt die Hebungsfigur vom 15.09.2009 vor und vergleicht diese mit der Messrunde vom 23.11.2009. Es sind Veränderungen in der zentralen Zone (Kernbereich) rund um das Sondenfeld zu erkennen. Seit gestern, 25. Januar 2010, findet die große Messrunde statt, bei der evtl. eine weitere Verlangsamung der Hebungsgeschwindigkeit festgestellt werden kann. Festzuhalten ist, dass die Hebungsgeschwindigkeit bis November 2009 unverändert war und ab November durch die technischen Maßnahmen nun rückläufig ist. Er teilt mit, dass die Messintervalle weiterhin im engen Raster gehalten werden. Es wird überlegt, die 14-tägigen Messungen auf monatliche umzustellen.

3 Frage: Ist eine Absenkung der Erdoberfläche bei einer Mischung aus Anhydrit und Wasser möglich?
— Herr Dr. Ruch klärt auf, dass Anhydrit unter Zufluss von Wasser in Gips umgewandelt wird. Dies geschieht unter einer Volumenzunahme. Wenn der weitere Wasserzufluss abgestellt wird, gibt es keine Bedenken, dass Setzungen auftreten. Was in Gips umgewandelt ist, bleibt auch Gips.

4 Frage: Kann eine Abpumpung auf Dauer durchgeführt werden?
— Der Pumpbetrieb wird weiterhin fortgeführt, bis alle Sonden im gesamten Ringraum bis zur Oberfläche abgedichtet sind. Die parallele Durchführung zu den technischen Maßnahmen lässt derzeit keine andere Vorgehensweise zu. Inwieweit eine Abpumpung darüber hinaus durchgeführt werden muss, kann erst entschieden werden, wenn die Hebung zum Stoppen gekommen ist.

5 Frage: Was passiert mit dem Wasser, welches abgepumpt wird? Ist mit Konsequenzen zu rechnen?
— Herr Dr. Ruch erklärt, dass sich der Absenktrichter nahe am Sondenfeld befindet. Das Einzugsgebiet des Wassers liegt im Bereich des „Bötzen“ am Rande des Schwarzwaldes. Das abgepumpte Wasser bildet sich am Schwarzwaldrand neu, mit Konsequenzen ist daher nicht zu rechnen.

6 Frage: Wie ist Undichtigkeit in der/den Sonde/Sonden entstanden?
— Herr Dr. Ruch erläutert kurz, dass in die Bohrlöcher ein Sondenstrang gebohrt wurde und anschließend dann die Zementmasse verpresst. Eine Undichtigkeit kann mehrere Ursachen haben: u.A. : - Strömung im Bohrloch, Zement wird ausgespült- technische Fehler/Mängel bei Abdichtung- der Ringraum war nicht dicht- wenn das Material nicht ausreichend sulfatbeständig war- inkompetentes Abdämmungsmaterial.

7 Frage: Wie sind die Erfahrungen/Kenntnisse bezüglich der Haltbarkeit des neuen Materials?— Herr Dr. Ruch berichtet, dass man sich im Vorfeld auf dem „Zementmarkt informiert hat. Es fand ein Austausch mit einer Spezialfirma aus den neuen Bundesländern statt. Man kam zu dem Ergebnis, einen sogenannten „Hüttensandzement“ zu benutzen, welcher auf Sulfatbasis hergestellt wird. Es konnte eine Firma aus Österreich herausgefunden werden, welche diesen Zement „wieder“ herstellt. Daraufhin wurde mit dieser Firma Kontakt aufgenommen und es haben Laborversuche stattgefunden. Dieser Zement wird nun für die technischen Maßnahmen genutzt. Langfristig gesehen löst sich dieser Zement nicht mehr auf (Zementstein).

8 Wie kam es zur Vorgabe, sulfatbeständiges Material zur Abdichtung der Bohrlöcher der EWS zu verwenden?
— Vor den Bohrungen konnte nicht davon ausgegangen werden, das noch Sulfat im Untergrund besteht. Dann gab es den Hinweis, dass die Verwendung von sulfatbeständigem Material notwendig ist. Hierzu gibt es eine behördliche Auflage.

9 Wie sicher ist es, dass in einer anderen quellfähigen Schicht im Untergrund nicht noch etwas reagiert?
— Durch den hydraulischen Abwehrpumpbetrieb bis in die unterste Zone wird versucht, den Wasserzutritt abzustellen.

10 Wurden Fehler bei der Bohrung gemacht?
— Die bisherigen Ermittlungen bzw. Untersuchungen haben ergeben, dass der Quellprozess vermutlich durch Undichtigkeiten in einer Sonde entstanden sind. Dies kann mehrere Gründe haben. Die Klagevorbereitung gegen die Firma läuft.

11 Was passiert, wenn der Verpressvorgang abgeschlossen ist und die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend sind?
— Herr Dr. Ruch erklärt, dass die Maßnahmen am 17.11.2009 begonnen haben und mit der Firma Keller 100 Arbeitstage vereinbart sind. Entscheidend ist, dass man aus der Sulfatzone rauskommt und man auch die oberen Wegsamkeiten zugemacht bekommt. Man ist zuversichtlich, dass bei erfolgreichem Verlauf der Maßnahmen, diese ausreichend sind. Nach Ablauf der 100 Arbeitstage kann man Näheres sagen.

12 Wurden Rückstellmuster bei der Verpressung gemacht?'
— Herr Dr. Ruch führt aus, dass Praxis und Theorie vergleichbar sind. Im Prinzip ist das Verfahren wissenschaftliches Neuland. Alles was verpresst wird, wird analysiert und dokumentiert. Die Fließfähigkeiten des Zementes werden geprüft. Der Zement ist mit einem Spezialaddiment versehen, bis er abgebunden ist.

13 Was kann man zum derzeitigen Quellpotential sagen?
— Herr Dr. Ruch macht deutlich, dass momentan keine präzise Antwort gegeben werden kann. Das Material wird im Labor der Uni KA getestet, es quillt noch. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Informationsveranstaltung mit anschließender Diskussion am 22.02.2010 an der Herr Breder Bericht hierüber erstatten wird.

14 Wie kann man in der Zukunft auf den Baugrund in Staufen vertrauen?
— Herr Dr. Ruch sagt, dass hierüber keine Aussage möglich ist.

15 Nochmalige Frage: Was passiert, wenn die aktuellen Maßnahmen nicht ausreichend sind?
— Herr Dr. Ruch verweist auf seine vorherige Antwort. Die derzeitigen Maßnahmen sind die besten bzw. die einzigen, die zu verantworten sind. Die bisherigen Maßnahmen greifen und zeigen schon erste kleine Erfolge. Nun ist auch Geduld gefragt. Es werden momentan auch weitere Maßnahmen geprüft um evtl. weitere notwendige Schritte bedienen zu können. Ein zusätzlicher Abwehrbrunnen ist derzeit aber nicht erforderlich.

16 Von einem Geschädigten wird erklärt, dass der „Runde Tisch“ mehr und mehr für Fachvorträge genutzt wird und sich nicht mit der Interessenlage der Geschädigten beschäftigt. Es wird darum gebeten, dass der nächste „Runde Tisch“ erst stattfindet, wenn es neue Informationen bzw. wichtige neue Erkenntnisse gibt.

17 Herr Dr. Kollnig verweist in diesem Zusammenhang auf die Einrichtung einer Schlichtungsstelle. Im Zuge des Schlichtungsverfahrens wird man sich verstärkt mit der Interessenlage der Geschädigten befassen.

18 Das Stadtbauamt wird darum gebeten, die Schadensdokumentation künftig in Farbe an die Geschädigten zu versenden. Auf Kopien, gerade von Bildern, können die Risse nicht gesehen werden.

19 Man verständigt sich, auf entsprechende Bitten der Teilnehmer, darauf, dass die „Runden Tische“ statt finden, solange es wichtige neue Informationen gibt.
Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch gegen 21.00 Uhr.


gefertigt: Dr. Wilfried Kollnig, Mediator  und Christian Schmid, Stadtbauamt
 Druckversion