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Hebungsrisse: Runder Tisch

HEBUNGSRISSE RUNDER TISCH MIT DR. KOLLNIG
(16.7.2009 im Stubenhaus Staufen)

 

Fragen/Antworten

1

Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden.

Anhand einer Übersichtsgraphik erläutert Dr. Ruch den aktuellen Stand der Erkundungsbohrung EKB 2. Bei der aktuellen Bohrtiefe von ca. 95 m ist der Gebirgsabschnitt der in den Erdwärmesonden EWS 1-7 gemessenen Temperaturanomalien bereits knapp unterschritten. Dieser Abschnitt wird in der Arbeitshypothese als der in Quellung befindliche Abschnitt interpretiert.

Namentlich die dunklen Tonsteine des Mittleren Gipshorizonts sowie des Weinberghorizonts sind extrem zäh zu bohren, erforderten auf Grund des teilweise nur minimalen Bohrfortschritts Vollbohrungs-Intervalle und neigen zu verstärkten Bohrlochwandausbrüchen. Letztere machten eine abschnittsweise Aufzementierung und das Wiederaufbohren des Bohrloches im Abschnitt zwischen 65 und 8o m notwendig.

Aufgrund der Bohrerschwernisse, die insbesondere auf die hohen quellbedingten Gebirgsspannungen zurückzuführen sind, ist der Einbau des 3. Sperrohres bis auf eine Absetztiefe von 95 m zwingend erforderlich.

Ferner weisen die Erdwärmesonden zumindest in ihrem unteren Abschnitt erhebliche Abweichungen von der Vertikalen auf, die Entwicklung und Herstellung eines Gerätes zur Richtungsmessung ist beauftragt.

Weiter wird an einer Konzeption zur nachträglichen Ringraumabdichtung gearbeitet, drei namhafte Firmen wurden zur technischen Entwicklung und Umsetzung aufgefordert.

Abschließend berichtet Herr Dr. Ruch im Detail über die Ergebnisse der hydraulischen Tests.

Herr Breder hält zusammenfassend fest, dass es sich um ein großes Quellpotential handelt, die Quellhebungszone befindet sich im Bereich von 6o-1oo m.

Die Wasserzutritte fließen vermutlich über die EWS 7, es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Sonden in geringerem Umfang für die Bewässerung des quellfähigen Bereiches verantwortlich sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

2

Warum wurde die Bohrung genehmigt ? Hätte die Bohrung aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse genehmigt werden dürfen ?

¨ Alle Bohranträge, deren Bohrtiefe über 1oo m beträgt werden zur fachtechnischen Stellungnahme beim Regierungspräsidium (LGRB) eingereicht. Unter 1oo m ist das Landratsamt zuständig, ggf. wird einzelfallbezogen durch das LRA die Stellungnahme des RP eingeholt.

¨ Jeder Antrag wird einzelfallgeprüft.

¨ Auch in tektonisch schwierigen Gebieten besteht nicht generell ein Ausschluss für Bohrungen, da davon ausgegangen wird, dass zertifizierte Unternehmen auch in schwierigem Gebirge bohren können.

¨ Staufen ist im Geothermieleitfaden unter Kategorie „D“ zu finden, diese Kategorie schließt Bohrungen nicht aus.

Der Antrag Staufen wurde nach vorliegenden Unterlagen geprüft. Aufgrund der Bohrunterlagen war kein quellfähiges Material im Innenstadtbereich bekannt.

Ferner müsste ein zertifiziertes Bohrunternehmen auch bei schwierigem Untergrund die Situation beherrschen.

3

 

Wie hoch ist das Quellpotential?

¨ Die Untersuchung der Bohrkerne hat ergeben, dass das Quellpotential sehr hoch ist. Das Quellverhalten von Tonmineralien ist anders als das des Anhydrit. In Staufen haben wir es mit einer Überlagerung beider Quellvorgänge zu tun.

Wann kann die Kausalität festgestellt werden?

¨ Laut Gutachten beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die Erdwärmesondenbohrungen ursächlich für die Hebungen sind 2:1. Es gibt derzeit keinen Anhaltspunkt, dass die Arbeitshypothese, welche von einer Verursachung durch die Bohrung der EWS ausgeht, nicht stimmen könnte.

Jedoch erst wenn nachgewiesen werden kann, dass eine Beeinflussung des Druckpotentials des Wassers aus dem Muschelkalk im Sondenfeld wahrgenommen werden kann, ist die Beweiskette geschlossen.

 

 

4

Was kann man unter „einzelfallgeprüft“ verstehen?

Dies bedeutet nicht, dass Proben vor Ort genommen werden und auch nicht, dass die Bohrfirma vor Ort überwacht wird.

Die Prüfung bezieht sich auf die der Genehmigungsbehörde zum Antragszeitpunkt vorliegenden Unterlagen.

5

Kann ausgeschlossen werden, dass mit der Erkundungsbohrung Erdwärmesonden getroffen wurden?

Die EKB 1 befindet sich auf einer tektonisch anderen Scholle, mit der EKB 2 wurde bisher keine EWS getroffen. (red. Ergänzung: EWS 5 wurde später bei 117.5 m Tiefe vom EKB 2 getroffen. Der Vorgang wurde problemlos bewältigt)

Wer hat die Sondenbohrung geplant?

¨ Firma Systherma.

 

 

6

 

Wurden die Bohrschnipsel (Cuttings) im Nachgang zur Bohrung untersucht?

¨ Nach Auftreten der ersten Risse wurden die vorhandenen Bohrkernrückstände gespült und mikroskopisch untersucht.

7

Wie ist die Bodenbeschaffenheit im Gewerbegebiet im Vergleich zur Innenstadt?

¨ Im Gewerbegebiet befindet sich ca. 3o-35 m Kies, in der Rathausgasse hingegen ist die Kiesschicht nur ca. 4 m mächtig.

8

Wie ist die juristische Situation?

¨ Unter juristischer Beratung wird derzeit durch die Stadt Staufen ein Schreiben an die Geschädigten, zur Dokumentation/Beweissicherung, vorbereitet.

¨ Ferner berät die Stadt Staufen darüber, gegen das Planungsbüro und die ausführende Bohrfirma klageweise vorzugehen.

¨ Die Stadt Staufen ist mit dem Land, zur Erzielung einer politischen Lösung, im Gespräch.

9

Herr Dr. Kollnig informiert die Geschädigten, dass am kommenden Wochenende gebohrt werden muss, auch müssen Schweißnähte geschlossen werden.

1o

Von Seiten badenova waren der Pressesprecher Herr Dr. Weis, der Bereichsleiter Herr Bauch, der Projektleiter Herr Weber (zuständig für Staufen) sowie Herr Grey, Bereich Unternehmenskommunikation, anwesend.

Herr Bauch und Herr Weber stellten die Sicherheit des Erdgasnetzes dar, erläuterten welche Maßnahmen bisher getroffen wurden und welche Vorhaben zeitnah umgesetzt werden sollen.

Badenova hält engen Kontakt mit dem Regierungspräsidium, die Vorkommnisse in Staufen sind auch für badenova Neuland. badenova ist daher in dieser Sache viel unterwegs.

11

Sind Hausanschlüsse kritisch einzustufen bzw. sind Spannungen im Bereich der Hausanschlüsse vorhanden?

¨ Spannungen im Bereich der Hausanschlüsse können nicht vollständig ausgeschlossen werden, als Vorkehrung werden stichprobenartige Untersuchungen durchgeführt, so Herr Weber.

12

Herr Dr. Kollnig gibt die kommenden Termine bekannt und schließt den Runden Tisch gegen 21.3o Uhr.

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