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Hebungsrisse: Runder Tisch

Protokoll Runder Tisch vom 14.01.2013

Objekt: Hebungen der Altstadt

Thema: Fragen der - durch Hebungen - Geschädigten

Datum/Ort: 14.01.2013, 19.00 Uhr, Rathaussaal Staufen

Teilnehmer: Herr Dr. Kollnig
Herr Teigeler (Vorsitzender Schlichtungsstelle)
Herr Dr. Ruch (RPF, LGRB)
Herr Schmid (Stadtbauamt, Verwaltung)
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1. Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden. Er dankt den Herren Teigeler, Dr. Ruch und Schmid für deren Anwesenheit und Mitgestaltung des heutigen Abends.
Er bringt zunächst seine Hoffnung zur weiterhin rückläufigen Tendenz der „Hebungsproblematik“ im Jahr 2013 zum Ausdruck und übergibt sodann das Wort an Herrn Dr. Ruch.

2. Herr Dr. Ruch erläutert, dass er am heutigen Abend über folgende Themen referieren möchte:
Entwicklung der Hebungsfigur, Grundwassermonitoring in Staufen, Nachsorge an den Erdwärmesonden 1-7, Auskünfte des LGRB an Grundstückseigentümer, weitere geplante Informationsveranstaltung in der Aula des Faust-Gymnasiums Staufen im Jahr 2013.
Zunächst stellt er die Entwicklung der Hebungsfigur im Zeitraum von September 2009 bis November 2012 anhand von Schaubildern dar. Er erklärt, dass es sich aus datenschutzrechtlichen Gründen um anonymisierte Darstellungen handelt.
Er geht darauf ein, dass die Hebungsgeschwindigkeit bis September 2009 konstant bei ca. 11 mm/Monat lag und sich seit Durchführung der getroffenen technischen Abwehrmaßnahmen (Grundwasserabsenkung über die Erkundungsbohrung EKB 2 und Brunnenbohrung BB3 als Dauerabwehrpumpbetrieb sowie nachträgliche Abdichtung der Erdwärmesonden) ein linearer Rückgang der Hebungsgeschwindigkeit entwickelt hat. Wie die Messungen im Zeitraum Mai 2008 bis November 2013 belegen, ist die Hebungsfigur ortsfest, es gab keine Drift in eine andere Richtung, so dass das Umrißpolygon -abgesehen von geringfügigen interpolationsbedingten Variationen- in seiner Lage gleichgeblieben ist.
Ferner teilt er mit, dass es bislang keinerlei Hinweise auf neue Wasserzutritte in den quellenden Gebirgsabschnitt gibt.
Bei der Messung im November 2012 konnten im Vergleich zur Messung im September 2012 allerdings keine nennenswerten Veränderungen bei der Hebungsfigur festgestellt werden, was zeigt, dass die 2-monatlichen Messabstände mittlerweile ggf. zu engständig sind, um Veränderungen erkennen zu können. Der AK Hebungsrisse hat daraufhin beschlossen, die erwartungsgemäß durch Frost überprägte Januar-Messung auszusetzen. Es ist zu beobachten, dass sich die Verlangsamung des Hebungsprozesses nicht mehr linear fortsetzt sondern zwischenzeitlich einen allmählich verflachenden Verlauf aufweist.
In diesem Zusammenhang führt er aus, dass der maximale Hebungsbetrag seit Beginn des Hebungsprozesses bei ca. 48 cm (Maximum in der Rathausgasse) liegt.
Weiterhin zeigt er anhand eines Schaubildes bzw. der letzten Messungen im Jahr 2012 die Entwicklung der horizontalen Lageverschiebungen. Hier wird im Frühjahr 2013 eine Nachmessung erforderlich sein. Er geht darauf ein, dass die Auswirkungen der horizontalen Verschiebungen auf Gebäude in erster Linie von der Konstruktion der Baukörper abhängen.
In Bezug auf das Grundwassermonitoring gibt er an, dass es zur Überprüfung dient, dass durch den Dauerabwehrpumpbetrieb in dem vorhandenen sensiblen Bereich keine unerwünschten sonstigen Effekte (insbesondere Sulfatauslaugung) im Untergrund ausgelöst werden und die Entnahmemengen sowie Absenkziele konstant sind.
Er geht anhand einer Übersicht vom 14.07.2012-11.01.2013 zur Entnahmerate und Absenkung darauf ein, dass der Dauerpumpbetrieb und die dadurch erzeugte Absenkung des Grundwasserpotenzials im Unterkeuper und Oberen Muschelkalk sehr konstant sind (Förderraten BB3 = ca. 2,7 l/s und EKB 2 = ca. 1,9 l/s). Die ständige Überwachung des Grundwasser-Chemismus gibt keine Hinweise darauf, dass durch den Dauerpumpbetrieb unerwünschte Sulfatauslaugung im Untergrund stattfindet. Neben regelmäßigen nasschemischen Analysen durch das Labor des LGRB ist eine ständige Online-Überwachung der hydrochemischen Parameter sichergestellt. Somit können die Abwehrmaßnahmen -belegbar unkritisch- weiter betrieben werden.
Zur Nachsorge an den Erdwärmesonden 1-7 berichtet Herr Ruch, dass die Firma Keller eine Dichtigkeitsprüfung der Erdwärmesonden vornehmen wird und diese Arbeiten voraussichtlich nach den Fastnachtstagen beginnen werden. Die Druckprüfung wird pro Sonde ca. 1-1,5 Tage dauern, es handelt sich um eine „fliegende“ Baustelleneinrichtung mit einem Kombi inkl. Druckbehälter. Sollten Undichtigkeiten festgestellt werden, sind Nachverpressungen der Erdwärmesonden erforderlich.
Im Zusammenhang mit gelegentlichen Anrufen bzw. Anfragen zur Entwicklung der Hebungsfigur durch Immobilienbüros etc. machte Herr Ruch deutlich, dass durch das LGRB keine Auskünfte an Externe gegeben werden und grundsätzlich der Verweis an die Stadt Staufen erfolgt. Das LGRB wird der Stadt parzellenscharfe Hebungsfiguren zur Verfügung stellen, welche von den jeweils betroffenen Bürgern eingesehen werden können.
Abschließend geht er darauf ein, dass eine weitere Informations-Veranstaltung für die Öffentlichkeit bzw. die Fachwelt geplant ist, welche voraussichtlich im Juli 2013 in der Aula des Faust-Gymnasiums stattfinden wird. Die Organisation der Veranstaltung erfolgt durch die Stadt Staufen. Es soll u.a. der 2. Sachstandsbericht zum Schadensfall Staufen vorgestellt werden. Dieser ist bereits auf der Homepage des LGRB (Link auf Homepage der Stadt Staufen) einsehbar.

3. Frage: Handelt es sich bei der Dichtigkeitsprüfung der 7 Sonden lediglich um eine Routineuntersuchung oder sind nachträgliche Abdichtungen definitiv notwendig?
 
Herr Dr. Ruch führt aus, dass es bislang keine unmittelbaren Anhaltspunkte gibt, die auf Undichtigkeiten der Erdwärmesonden bzw. deren nachträglich abgedichteter Ringraumhinterfüllung hindeuten würden. Etwaige erforderliche nachträgliche Abdichtungen lassen sich lediglich aus den Ergebnissen der Dichtigkeitsprüfung ableiten.
Auch die Länge der Befahrbarkeit der einzelnen Sonden wird in diesem Zusammenhang nochmals überprüft.
Herr Dr. Kollnig ergänzt, dass diese Prüfung auch vor dem Hintergrund eines möglichen Pumpenausfalls von Bedeutung ist.

4. Frage: Kann es in den Randbereichen zu Stauchungen kommen?
Herr Dr. Ruch erklärt, dass es im Randbereich zu Stauchungen kommen kann, hierzu liegen bereits Berichte des Büros für Baukonstruktionen vor.
 
5. Frage: Aus der Mitte der Anwesenden wird die Frage nach dem geotechnischen Modell und der allgemeinen Sprachregelung zur aktuellen Entwicklung des Prozesses an die Öffentlichkeit gestellt? Aus Sicht einiger Anwesender sind die mittlerweile stagnierende Entwicklung des Prozesses und die damit verbundene Resthebungsgeschwindigkeit von bis ca. 3,5 mm/Monat im zentralen Hebungsbereich für die betroffenen Hauseigentümer beunruhigend. Gibt es Anlass zur Hoffnung, dass die Hebungsgeschwindigkeit zum Stillstand kommt?

Herr Dr. Ruch erläutert, dass das 2. geomechanische Modell durch die Ingenieurgruppe Geotechnik kürzlich vorgelegt wurde, die Modellierung den bisherigen Feststellungen entspricht und die Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen bestätigt. Es kann, wie bereits eingangs erklärt, festgehalten werden, dass sich die lineare Abnahme der Hebungsgeschwindigkeit derzeit nicht mehr fortsetzt, d.h. dass sich eine Verlangsamung der Hebungsgeschwindigkeit eingestellt hat und ein datumsgenaues Ende des Prozesses grundsätzlich nicht benannt werden kann. Sämtliche bisherigen Messungen lassen sich mit dem vorgelegten Modell der Ingenieurgruppe Geotechnik nachvollziehen. Es bleiben nun die nächsten Messungen abzuwarten. Ein Extrapolationsergebnis, wann es zum Stillstand der Hebungen kommt, liegt in der vorhandenen Modellrechnung nicht vor.
Herr Dr. Ruch bezieht sich auf die durchgeführten Temperaturmessungen in den Erdwärmesonden und versichert, dass anhand der Prüfungen keine neue Wärmeproduktion im Untergrund stattfindet und somit kein erneuter Wassereintritt festgestellt wurde.
Es kann seitens der Beteiligten keine Prognose gewagt werden, wie lange der Prozess in Zukunft andauern wird und wann die Hebungsgeschwindigkeit nachweislich an allen Messpunkten zum Stillstand kommen wird. Welche Hebungen im Bereich einzelner Gebäude tatsächlich noch vorliegen, kann konkret nur anhand der objektbezogenen Messpunktentwicklung beurteilt werden. Diesbezügliche Auskünfte können durch die Eigentümer über die Stadt eingeholt werden.

6. Frage: Gibt es eine Alternative (Plan B) zum derzeitigen Dauerabwehrpumpbetrieb bzw. ist dieser auch in Zukunft unabdingbar notwendig?

Herr Dr. Ruch erklärt, dass durch den zusätzlich zur nachträglichen Abdichtung der EWS-Ringräume erfolgenden Abwehrpumpbetrieb sicher gestellt wird, dass kein Wasser über sekundäre Fließpfade in den quellenden Gebirgsabschnitt eindringen kann. Wie schon ausgeführt, kann der Abwehrpumpbetrieb aber nur dann weitergeführt werden, wenn gewährleistet ist, dass dadurch keine unerwünschten Auslaugungsvorgänge im Untergrund stattfinden.

7. Frage: Besteht -unabhängig von den Bohrungen- die Möglichkeit, dass natürliche Geländebewegungen (d.h. Hebungen) erfolgen?

Zu natürlich verursachten Hebungen kann es nicht kommen. Dagegen ist das Phänomen von Setzungen in der Altstadt von Staufen bekannt. Herr Dr. Ruch verweist darauf, dass die natürliche oberflächennahe Gipsauslaugung in Staufen in der Vergangenheit schon immer zu Problemen bzw. zu Bauschäden geführt hat. Ein Beleg hierfür aus der jüngeren Vergangenheit ist das Beispiel der damaligen Baugrube zum Neubau des Hotels Kreuz Post.

8. Frage: Eine Dame berichtet von der nächtlichen Wahrnehmung eines dauerhaften „Pfeiftons“ und möchte wissen ob dies evtl. durch den Pumpbetrieb ausgelöst wird?
Herr Dr. Ruch antwortet, dass dies geprüft werden müsste. In der Regel wird durch den Pumpbetrieb keine Geräuschbelästigung ausgelöst.

9. Frage: Wo können durch die Eigentümer Auskünfte bezüglich der Hebungsgeschwindigkeit eingeholt werden? An welchem Punkt beginnt der Datenschutz? Kann an jeden Eigentümer ein separater Plan mit den für ihn erforderlichen Informationen ausgehändigt werden? Eine nicht anonymisierte Darstellung der Hebungsfigur -wie bisher- ist hilfreich.
 
Herr Dr. Ruch verweist auf die anfangs gemachten Ausführungen zu diesem Thema. Auskünfte zu den Messungen können bei berechtigtem Interesse bei der Stadt Staufen eingeholt werden, die sich ggf. direkt mit dem Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, Fachbereich Vermessung & Geoinformation in Verbindung setzt. Er macht nochmals deutlich, dass eine parzellenscharfe Darstellung der Hebungsfigur aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht an die Allgemeinheit ausgehändigt werden kann, da außerhalb des Berechtigtenkreises (bzw. an Dritte) kein Datentransport erfolgen darf.
Die Unterlagen können der Stadt Staufen durch das LGRB zur Verfügung gestellt werden. Eventuell kann der Plan auf dem Stadtbauamt hinterlegt werden und zur Einsichtnahme für die Betroffenen bereitliegen. Das LGRB übergibt der Stadt Staufen die parzellenscharfe Hebungsfigur (analog und digital) mit Stand November 2012 anläßlich der kommenden Arbeitskreissitzung.

10. Herr Dr. Kollnig bedankt sich für die Ausführungen von Herrn Dr. Ruch und den regen Austausch mit den Anwesenden und übergibt sodann das Wort an Herrn Teigeler.

Herr Teigeler führt aus, dass seit Bestehen der 2. Stufe der Schlichtungsordnung vermehrt Verfahren über Vermögensschäden, teilweise höheren Volumens, vorliegen.
Es ist auffallend, dass sich der Großteil der Verfahren im Bereich Richtung Amtsgericht abspielt und aus dem Bereich Kirchstraße bislang wenige Anfragen/Anträge eingegangen sind. Ferner berichtet er von einzelnen Anfragen zur endgültigen Sanierung/Regulierung der Bauschäden.
Bezüglich des vereinfachten Verfahrens (Bagatellfälle) erläutert er, dass hiervon bislang in ca. 7-8 Fällen Gebrauch gemacht wurde und diese problemlos abgehandelt werden konnten.

11. Frage: Wie ist die Vorgehensweise bzw. Dokumentation bei beispielsweise kleinen Rissen in Fliesen?
Herr Teigeler antwortet, dass in solchen Fällen jeder Eigentümer aufgerufen ist, diese Schäden selbständig zu dokumentieren (insbesondere durch Fotos) und der Stadt für deren Unterlagen zu melden und weiterzuleiten.

12. Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch gegen 20.30 Uhr.
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