facebook  Facebook

Hebungsrisse: Runder Tisch

Objekt: Hebungen der Altstadt

Thema: Betrieb des neuen Brunnens (Brunnenbohrung BB 4); Hebungsfigur, Grundwassermonitoring, Wartungsarbeiten

Datum/Ort: 25.04.2016, Peter-Huchel-Saal, Stubenhaus

Teilnehmer: Herr Dr. Kollnig; Herr Dr. Ruch, LGRB; Herr Dipl.-Ing. Breder, Ingenieurgruppe Geotechnik; Herr Teigeler, Vorsitzender der Schlichtungsstelle; Frau Harrs, Schlichtungsstelle / Stadtbauamt

Verteiler:                  über Homepage der Stadt Staufen

Beginn:                    19.00 Uhr


Begrüßung durch Herrn Dr. Kollnig
Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden und erläutert die Gründe, weshalb dies der letzte Runde Tisch in dieser Zusammensetzung ist: Der Diskussionsbedarf hat abgenommen, die Resonanz ist rückläufig, Prozedere sind eingespielt, und es gibt immer weniger neue Informationen.

Hebungsfigur
Herr Dr. Ruch vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau zeigt die Hebungsfigur vom September 2009 im Vergleich zur Hebungsfigur vom März 2016 und erklärt, dass die Hebungen im Hebungszentrum nach Einleitung der schadensbegrenzenden Maßnahmen (ab September 2009) von in der Größenordnung anfänglich 11 mm im Monat auf nunmehr  1 bis max. 2,2 mm im Monat stark abgenommen haben. Auch im Vergleich zur vorangegangenen Messung im Oktober 2015 ist eine weitere, wenngleich geringe Verkleinerung sichtbar. Die Hebungsfigur ist nach wie vor stabil und ortsfest.

Der Graph zur Hebungsgeschwindigkeit zeigt, dass in der ersten Zeit der Hebungen die gemessene Hebungsgeschwindigkeit zunächst konstant hoch war, mit dem Beginn des Pumpbetriebes erst schnell und dann langsamer, aber immer noch zielgerichtet abnimmt. An den Messpunkten im Altstadtgebiet wird nach wie vor ein Rückgang der Hebungsgeschwindigkeit verzeichnet. So nimmt die Anzahl der Messpunkte ab, an denen eine Hebungsgeschwindigkeit von mehr als 2mm/Monat registriert wird.

Leider war der Pumpbetrieb kurz vor der letzten Messung gestört (s. u.), es lässt sich dennoch die Abnahme der Hebungsgeschwindigkeit gut verfolgen.

Zur Verschiebungsmessung erläutert Herr Dr. Ruch, dass jährlich sogenannte Aufnahmepunkte durch das Vermessungsamt LRA Breisgau-Hochschwarzwald gemessen werden, eine Nachmessung von Grundstücks-/Gebäudegrenzen oder von Umrisspolygonen erfolgt wegen des extremen Aufwands nicht.

Hinsichtlich der Horizontalverschiebung kann ebenfalls eine Abnahme der Werte beobachtet werden. Die Richtungsvektoren werden vom Betrag geringer oder zeigen einen Stillstand.

Die Basismessung des Deformationsnetzes ist erfolgt (allerdings unter bereits laufendem Quellhebungsprozess); Folgemessungen jedoch müssten von der Stadt Staufen zu ganz konkreten Fragestellungen kostenpflichtig beauftragt werden.

Auch Folgemessungen der Horizontalverschiebung sind sehr aufwändig und teuer.


Hydraulischer Abwehrbetrieb
Die Entnahmeraten der drei Brunnen liegen zusammen bei ca. 3,5 l/s und damit deutlich unter der wasserrechtlich genehmigten Menge. So kann bei geringen Entnahmeraten das Absenkziel erreicht und damit der Wasserzutritt in die quellfähigen Schichten unterbunden werden. Dabei geht man davon aus, dass BB4 das Wasser an der Basis der Grundgipsschichten des Gipskeupers aufnimmt, aus einem Abschnitt, in dem die beiden anderen Brunnen EKB2 und BB3 keinen Zufluss zeigten. Es kann vermutet werden, dass dieser Wasserzutritt aus dem Aufstieg von gespanntem Wasser aus dem Unterkeuper bzw. Oberen Muschelkalk über den Fließpfad der im untersten Abschnitt verstürzten und damit undichten Erdwärmesonde EWS 2 stammt.

Aus den Leitfähigkeitsmessungen des unter Dauerpumpbetrieb entnommenen Wassers zeigen sich stabile Werte, d. h. es erfolgen keine ungewollten Lösungen im Erdreich.


Wartungsmaßnahmen
Herr Dr. Ruch informiert, dass es im hydraulischen Abwehrbetrieb zu Jahresbeginn Probleme gab, da erst die Pumpe in der Brunnenbohrung 4 (BB4) ausgetauscht werden musste und kurz darauf die Pumpe in der Erkundungsbohrung 2 (EKB2) aufgrund von Alterung und Inkrustation ausfiel.
Dennoch konnte der Absenkbetrieb jeweils durch die übrigen beiden Pumpen kontinuierlich aufrechterhalten werden.

Herr Dipl.-Ing. Breder geht weiter auf die Störung des Pumpbetriebes ein: Im Januar 2016 musste die Pumpe in BB4 aufgrund einer beschädigten Welle ausgetauscht werden. Fein- und Grobsandkörner, die den Filter überwunden hatten, sowie eine starke Auflandung hatten Pumpenteile unbrauchbar gemacht. Die Pumpe wurde ersetzt.

Beim Ausfall in EKB2 im Februar 2016 zeigte die Videobefahrung, dass starke Materialablagerungen aufgrund von Ausfällungen im Sperrrohr das Bohrloch durch Inkrustation haben zuwachsen lassen und dadurch die Störung verursacht wurde. Die Materialablagerung bestand im Wesentlichen aus Eisen-Mangan, das durch Eisenausfällung aus dem Grundwasser auf Grund der Oxidation entsteht.

Seit der Reinigung und dem Ersatz der Pumpe läuft in allen Brunnen der Betrieb wieder störungsfrei und die Sollwerte der Wasserspiegelabsenkung werden zuverlässig erreicht.

Herr Dipl.-Ing. Breder erläutert, dass der Ausbau der BB4 leicht veränderbar wäre, sofern notwendig. Da in der ursprünglichen anvisierten Tiefe zunächst kein Wasser, etwas tiefer dann aber sehr viel Wasser angetroffen wurde, wurde daraufhin der untere Abschnitt der Bohrung (Zuflussbereich des Oberen Muschelkalks)  provisorisch verschlossen, da sich das Abpumpen eines höher gelegenen Wasserzutritts als zielführend herausgestellt hatte.

Die Bohrungen werden weiter beobachtet, um frühzeitig Partikel zu erkennen, die zu Störungen führen könnten.

Herr Dr. Kollnig bestätigt, dass es von Vorteil ist, dass der zusätzliche Brunnen gebaut und in Betrieb genommen worden ist, denn einerseits kann somit ein größerer Bereich unterirdisch erfasst werden und andererseits kann auch bei Ausfall einer der Pumpen, deren Lebensdauer schließlich begrenzt ist, ein sicherer Abwehrbetrieb gewährleistet werden. Herr Dipl.-Ing. Breder ergänzt, dass die Pumpen regelmäßig geprüft werden entsprechend einem Wartungsplan.

Ende des Vortrags.

Herr Dr. Kollnig dankt Herrn Dr. Ruch für seine Ausführungen und fordert die Zuhörer auf, Fragen zu stellen. Aus den Reihen der Zuhörer werden folgende Fragen gestellt, die von den anwesenden Fachexperten beantwortet werden:

- Wird mit dem hochgepumpten Wasser auch viel Gestein gefördert?

Herr Dipl.-Ing. Breder: Das geförderte Wasser bringt wenig Trübe mit, es wird wenig Material gefördert.


- Wie viel m³ Wasser pro Stunde werden abgepumpt?

Dr. Ruch und Herr Dipl.-Ing. Breder: pro Brunnen werden ca. 1l/sec. – also ca. 4 m³ pro Stunde pro Brunnen – gefördert bei einer Absenkrate von max. 130 m.


- Wann ist mit einem Ende der Hebungen zu rechnen? Wie läuft die Linearität der Graphik?

Zuhörer: Es handelt sich um eine asymptotische Annäherung.
Dr. Ruch: Der Prozess nimmt gerichtet ab, eine Extrapolation ist nicht möglich; der Graph zeigt die Mittelwertbildung pro Messpunkt über die Jahres-Perioden.
Dr. Kollnig: Die Graphik bildet eine statistische Betrachtungsweise ab, nicht an allen Messpunkten reagiert das Gebirge gleich, somit haben wir nur Trends, die allerdings positiv sind.
Dr. Kollnig: der kritische Bereich schrumpft, eine endgültige Sanierung ist risikoarm, wenn ein Jahr lang keine Veränderung der Messwerte stattfindet.


- Wie wird der Datenschutz für die Messpunkt-Werte gehandhabt?

Dr. Kollnig: Es können auch Nachbar-Messpunkte bei der Schlichtungsstelle nachgefragt werden. Die Angaben sind aber vertraulich zu behandeln.


- Wird die Information des BfB ins Verhältnis zu den Messungen an den Messpunkten gestellt? Muss ich mit einer jahrelangen Nach-Reaktion meines Gebäudes rechnen?

Ein Zuhörer bezweifelt eine Korrelation zwischen den Gebäudeschäden und den Messwerten.
Dr. Kollnig: Das BfB steht in Kommunikation mit dem LGRB und der bnNETZE, trotz rückläufiger Hebungsgeschwindigkeit treten weitere Schäden (Ermüdungsschäden) auf.
Herr Teigeler bestätigt, dass die Toleranzen ausgeschöpft sind; eine Korrelation lässt sich nicht aufstellen.
Dr. Ruch: Das BfB erhält immer die aktuellen Informationen, ebenso der Gasversorger. Der Turnus zur Überprüfung wird zwischen dem BfB und bnNETZE abgestimmt.


- Gibt es eine Kommunikationsstelle für die Informationen?

Herr Dipl.-Ing. Breder/Dr. Kollnig: Zu jedem einzelnen Gebäude gibt es eine Information des BfB, die aber nur dem Eigentümer zugeht, es sind darin keine Messpunkt-Werte enthalten. Die Begehungs-Intervalle legt das BfB fest in Abhängigkeit vom Schadenrisiko.
Ein Zuhörer ergänzt: Die Fotodokumentation / der Bericht  wird zugeschickt, aber um die Umsetzung der Empfehlungen des BfB muss man sich selber kümmern.
Anmerkung: bei der Schadenabwicklung werden die Rissegeschädigten nach wie vor durch das IBW und die Schlichtungsstelle unterstützt.


- Angenommen, die endgültige Sanierung ist vorgenommen, da das Gebäude im „Grünen Bereich“ liegt und nun fallen die Pumpen aus. Wie werden die dann möglicher Weise neu auftretenden Schäden gehandhabt?

Herr Teigeler/Dr. Kollnig: Dieser Fall ist noch nicht angedacht.


- Müssen die Pumpen ewig laufen? Wie schlimm ist der Ausfall einer Pumpe?

Herr Dipl.-Ing. Breder: es liefen immer mindestens zwei Pumpen. Wir wissen nicht, ob nach Abstellen der Pumpen die Hebungen weitergehen. Ein mechanisches Rechenmodell lässt vermuten, dass sich der Boden nach Abstellen der Pumpen weiter hebt.


- Könnte man die Pumpen abstellen und ausprobieren, was passiert?

Herr Dipl.-Ing. Breder: Wir können es nicht ausprobieren ohne Risiko, das System reagiert träge. Das Ziel ist die dauerhafte Absenktiefe zu erhalten, damit kein weiteres Wasser mehr in das quellfähige Gebirge eindringen kann. Früher waren die Abpumpraten höher, jetzt entspricht die Pumprate dem natürlichen Zufluss.


- Könnten sich unterirdisch entstandene Kanäle selber verschließen?

Dr. Ruch: das ist vorstellbar, aber wir wissen es nicht.


Herr Dr. Kollnig dankt Herrn Dr. Ruch, Herrn Teigeler und Herrn Dipl.-Ing. Breder für ihre Erläuterungen, sowie allen Fachexperten und Zuhörern für den Willen, gemeinsam Lösungen zu finden. Zwar ist dies der vorerst letzte „Runde Tisch“, sofern aber wieder Bedarf ist, wird diese Veranstaltung erneut von der Stadtverwaltung eingeplant.


Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch um 20.25 Uhr.

Anschließend bedanken sich die Vertreter der Interessengemeinschaft der Rissgeschädigten bei Herrn Kollnig für 31 Sitzungen “Runder Tisch“.

                                                                    gefertigt: 

Dr. Wilfried Kollnig                                   Ursula Harrs

Mediator                                                    Stadtbauamt

 Druckversion