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Hebungsrisse: Runder Tisch

HEBUNGSRISSE RUNDER TISCH MIT DR. KOLLNIG
(21.4.2010 im Stubenhaus Staufen)

Fragen/Antworten

Herr Dr. Kollnig berichtet einleitend von einem reduzierten Hebungsprozess (13% im Mittel). Die Hebungsgeschwindigkeit wie auch die gebietsweise Ausbreitung reduziert sich. Der Pumpbetrieb in der Erkundungsbohrung 2 läuft derzeit mit 1,32 l/sec. Eine Umstellung auf Dauerpumbetrieb wird erforderlich, ferner ist ein 2. Pumpbrunnen auf Dauer notwendig.

1 Frage: Messpunkt 64 weist keinen Rückgang der Hebungsgeschwindigkeit auf.Antwort: Herr Dr. Kollnig teilt mit, dass der Rückgang am Gesamthebungsbuckel deutlich zu erkennen ist, jedoch nicht an allen einzelnen Messpunkten im gleichen Umfang.

2 Frage: Bereits vor 8 Wochen wurde von 14% Hebungsrückgang gesprochen, ist seitdem nichts passiert?Antwort: 13% im Mittel, bezogen auf den 15.09.2009, d.h. der Prozess der Reduzierung hält an.

3 Frage: In der Jägergasse sind immer wieder Bodenhebungen an der gleichen Stelle zu beobachten!Antwort: Es kann sich um einen Bereich handeln, indem aufgrund der schräg liegender Schollen ruckartige Entspannungen stattfinden.

4 Frage: Wie kann trotz statischer Untersuchungen und kleineren Schäden eine Decke herunterfallen? Antwort: Das Statikbüro ist
beauftragt, die Schadensursache zu erkunden und mögliche Sicherungsmaßnahmen auch für andere Häuser zu erarbeiten.

5 Frage: Werden Geschädigte, welche Schäden gemeldet haben und außerhalb des neu festgelegten Saumes liegen, von der Schlichtungsordnung ausgegrenzt?Antwort: Die Schlichtungsordnung ist 2-stufig vorgesehen, zunächst für die dringlich zu beseitigenden Schäden und nach Abklingen des Hebungsprozesses für die gesamte Schadensliquidation. Mit der Darstellung als „Saum“ wird deutlich gemacht, dass eine trennscharfe Nulllinie als Abgrenzung des Schadensbereiches nicht möglich ist angesichts der erheblichen horizontalen Verschiebungen. Bislang sind diese Verschiebungen im Randbereich des Hebungsbuckels noch nicht messtechnisch erfasst. Es ist jedoch geplant, mit einem geeigneten Verfahren sobald als möglich auch hier Messdaten zu gewinnen. Die Schlichtungsstelle wird jedoch dort in jedem Fall einzelfallbezogene Bewertungen durchführen müssen.Bisher wurden keine Geschädigten, welche Schäden gemeldet haben, ausgegrenzt.

6 Frage: Ist gewährleistet, dass die Bohrstränge vollends geschlossen und dicht sind?Antwort: Die Ringräume wurden verschlossen und sind dicht. Evtl. sind durch die Hebungen zusätzliche Wasserwegsamkeiten entstanden. Durch Ausblasen werden die Sondenschläuche auf zusätzlichen Wassereintritt untersucht. Die Wasserherkunft wird anhand hydrochemischer Untersuchungen definiert, sodann werden weitere Maßnahmen eingeleitet, wenn sie erforderlich sein sollten.

7 Frage: Wie stabil ist die finanzielle Zusage der Landesregierung für Staufen?Antwort: Die Landesregierung hat zugesagt, dass die Kosten für die Erkundungsbohrungen und die Sanierung des Sondenfeldes übernommen werden. Im Landeshaushalt 2010/11 sind 4 Mio vorgesehen. An den Kosten der Schadensbeseitigung wird sich das Land in erheblichem Umfang beteiligen müssen, weil es eine Verschuldung der Stadt Staufen nur in begrenztem Umfang zulassen kann.

8 Frage: Am 22.02.2010 wurde neben Erkundungsbohrung und Sondersanierung angeraten, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Was wird umgesetzt?Antwort: Der Vorschlag zum Einbau von Dehnungspolstern ist im Tunnelbau möglich, für Staufen technisch nicht umsetzbar. Falls weitere Abdichtungen erforderlich werden sollten, würden Injektionen vorgenommen werden. Eine entsprechende Überprüfung steht an.

9 Frage: Wäre es sinnvoll, geschädigte Häuser statisch zu stabilisieren, um weitere Schäden zu vermeiden. (z.B. biegesteife Untergeschosse etc...)Antwort: Aus Sicht des Statikers wurden dazu erste Überlegungen angestoßen. Eine Abschätzung zwischen Wert des Hauses und den (hohen) Kosten der Maßnahme ist in jedem Einzelfall erforderlich. Jedes Haus muss für sich betrachtet werden.
Herr Dr. Kollnig berichtet, dass von der Stadt Staufen ein namhaftes Büro mit der Erarbeitung einer Schlichtungsordnung beauftragt wurde.Ergänzungen von Herrn Dr. Haaf (Vertretung IG Risse) wurden eingearbeitet. In der GR-Sitzung im Mai soll über den Inhalt beschlossen werden. Die Schlichtungsordnung ist 2-stufig vorgesehen. Die 1. Stufe ist für Sofortmaßnahmen (Sicherstellung der Bewohnbarkeit und Aufrechterhaltung der Geschäftsbetriebe), die 2. Stufe für die endgültige Sanierung vorgesehen. Maßnahmen unter der Bagatellgrenze werden wie bisher behandelt.

10 Frage: Warum werden nicht bereits heute Maßnahmen zur Schadensbegrenzung (steife Keller) getroffen?Antwort: Wichtig ist, dass vor allem Personenschäden vermieden werden. Mit endgültigen Sanierungen kann erst begonnen werden, wenn die Hebungen aufhören, vorher sind unvermeidbare größere Investitionen zumeist nicht sinnvoll.

11 Frage: Wie ist der Stand der Verzichtserklärung?Antwort: Die Verzichtserklärung wird in den nächsten Tagen den Geschädigten zugestellt.

12 Frage: Wie ist der Stand der Einredeverzichtserklärung des Landes?Antwort: Die Einredeverzichtserklärung ist in Aussicht gestellt.

13 Frage: Bitte an Stadtbauamt: Rapportzettel auch für Leistungen des Bauhofes durch Eigentümer unterzeichnen lassen?
Antwort: Dies wird zugesichert.

14 Frage: Wie steht das Land zur Schlichtungsordnung? Woher stammt der Titel „Schlichtungsordnung?“Antwort: Schlichtung heißt Streitvermeidung. Allmählich wächst das Volumen dessen, was an Aufgaben kommt und die Zahl der Fälle, über die man unterschiedlicher Meinung sein kann; daher muss recht bald eine Stelle kommen, die solche Aufträge rasch abarbeiten kann. Bisher gab es in Staufen keinen Streit, weil die Stadt alles bezahlt hat. Derzeit gibt es keine Zusagen vom Land über 4 Mio. € hinaus, daher kann die Schlichtungsstelle noch nicht funktionieren. zumindest nicht für endgültige Lösungen.
Ein Besuch von Herrn Staatsminister Rau in Staufen ist zugesagt. Erst wenn die politische Zusage weiterer Finanzmittel vorhanden ist, kann die 2. Stufe des Schlichtungsverfahrens umgesetzt werden.Das Land hat zugesagt, den „Topf“ der Schlichtungsstelle finanziell zu unterstützen, das Land möchte jedoch nicht Beteiligter des Schlichtungsverfahrens sein.Das Land hat die Stadt bisher finanziell gut unterstützt. Die Stadt erwartet dies auch weiterhin.

Fazit 1. Die Betroffenen sind aufgerufen, ihre Schäden beim Stadtbauamt zu melden, nur so können diese erfasst und gegebenenfalls behoben werden.
2. Die Politiker müssen besser informiert und auf die andauernden Probleme aufmerksam gemacht werden.
3. Es ist wesentlich, positive Kontakte zur Politik zu nutzen, um deutlich zu machen, in welcher Lage die Stadt Staufen und ihre Bürger sind.

Dr. Wilfried Kollnig, Mediator      
Martina Schlatter, Leitung Stadtbauamt

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