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Hebungsrisse: Runder Tisch

HEBUNGSRISSE RUNDER TISCH MIT DR. KOLLNIG
(27.09.2010 im Stubenhaus Staufen)

Fragen/Antworten 

1 Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden

2 Herr Dr. Ruch stellt die Entwicklung der Hebungsfigur von September 2009 bis September 2010 (aktuellste Messung) vor. Er geht kurz darauf ein, dass fast genau vor einem Jahr mit den technischen Maßnahmen zur Abdichtung der Sonden begonnen wurde und dies ausschlaggebend für die Entwicklung der Hebungsfigur ist. Er erklärt, dass man anhand der Verlangsamung der Hebungsgeschwindigkeit, welche sich vor allem im Kernbereich abzeichnet, erkennen kann, dass man mit den bisherigen technischen Maßnahmen auf dem richtigen bzw. erfolgreichen Weg ist. Er verdeutlicht die Entwicklung der Hebungen anhand folgender Zahlen: bis Juli 2010 bis Sept. 2010Verminderung Hebungsgeschwindigkeit - 16 % - 18,5 %(vertikal) Verminderung Hebungsvolumen-zunahme (im zentralen Bereich) - 31 % - 32,4 % Ferner stellt er die absoluten Hebungsbeträge des Geländes der letzten 2 ¼ Jahre dar. Einleitend geht er kurz auf den hydraulischen Abwehrpumpbetrieb ein und erklärt, dass dieser auf „2 Beine“ gestellt werden und daher ein 2 Brunnen in der Kirchstraße in Fortsetzung der EKB 2 eingerichtet werden muss.Er erklärt, dass der aktuelle Brunnen in der Rathausgasse an der Belastungsgrenze arbeitet und ein Ersatzbrunnen erforderlich ist, um einen stetigen Pumpbetrieb zu gewährleisten sowie diesen aufrecht zu erhalten.Er übergibt sodann das Wort an Herrn Breder

3 Herr Breder informiert die Anwesenden über den neuen Wasserhaltungsbrunnen in der Kirchstraße.Ergänzend zu den Ausführungen von Herrn Dr. Ruch macht Herr Breder deutlich, dass der Hebungsbuckel ortsfest geblieben ist und keine Veränderungen des Hebungsherdes festzustellen sind. Dies ist eine positive Entwicklung.Er verweist auf die Ausführungen von Herrn Dr. Ruch und macht nochmals deutlich, dass ein weiterer Wasserhaltungsbrunnen unbedingt erforderlich und nur in der Kirchstraße möglich sei.Er stellt einen aktuellen Lageplan und die voraussichtliche Anordnung der Bohrstelle (Baustelleneinrichtung etc.) vor. Er weist daraufhin, dass u.a. der Zugang zur Galerie Fluchtstab gesichert ist, sämtliche Leitungen und die Abdeckung des „Stadtbächles“ in diesem Bereich berücksichtigt sind. Der bestehende Brunnen in der Kirchstraße sowie die blaue Skulptur vor der Galerie müssen vorübergehend, während der Bohrphase, abgebaut werden. Er ergänzt, dass die Baustelleneinrichtung nach Festlegung der Bohrfirma mit jener abgeklärt und den örtlichen Verhältnissen angepasst werden muss. Er sagt, dass auch die vorhandenen Stellplätze im Bereich der künftigen Bohrstelle vorübergehend in Anspruch genommen werden müssen.Vorgesehen ist, dass Nebenanlagen (Material, WC etc.) voraussichtlich in der Rathausgasse bzw. im Innenhof des ehemaligen Bauhofes angesiedelt werden.Er teilt mit, dass die Fertigstellung der Bohrung noch vor Weihnachten erfolgen soll.Abschließend stellt er anhand diverser Schaubilder den Aufbau der Sperrverrohrung vor.

4 Frage: Welche Risiken sind bei der Bohrung zu erwarten? Ist eine Belastung für die umliegenden Häuser zu erwarten?Herr Breder erklärt, dass im Zusammenhang mit der 1. Bohrung viele wichtige Erkenntnisse gewonnen werden konnten und die vorhandene Erfahrung bei der Planung berücksichtigt wurde. Er sagt, dass die Spülung wie bei der EKB 2 optimiert wird. Durch die Vergrößerung des Anfangsbohrdurchmessers sind die technischen Möglichkeiten weitaus besser. Da das Bohrverfahren weder rotierend noch rammend ist, macht er klar, dass man davon ausgehen kann, dass es voraussichtlich keine Auswirkungen auf die Gebäude geben wird, auch wenn ein kleines Restrisiko immer besteht.

5 Frage: Wird das Bohrgerät mit einem Dieselmotor betrieben und ist mit Geruchsbelästigungen zu rechnen?Herr Breder führt aus, dass die durchzuführenden „Bohrarbeiten“ auch dieses Mal wieder mit einem Dieselmotor ausgeführt werden müssen. Er ergänzt, dass ihm keine Anlage/Maschine für die bevorstehende Maßnahme bekannt ist, welche elektrisch betrieben wird. Das notwendige Abgasrohr wird entsprechend hoch angebracht, um die anfallende Geruchsbelästigung so gering wie möglich zu halten.

6 Frage: Steht ausführende Bohrfirma bereits fest?Herr Breder sagt, dass die Bohrfirma noch nicht feststeht. Er verweist auf die Submission am 28.09.2010. Drei renommierte Firmen wurden im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung angeschrieben, darunter auch die Firma H. Anger´s Söhne.

7 Frage: Können Handlungsfehler bei der Bohrung ausgeschlossen werden oder besteht ein Risiko? Muss in Zukunft mit Schäden gerechnet werden?Herr Breder erklärt, dass im Leben grundsätzlich nichts ohne Risiko geht. Er macht deutlich, dass die Bohrung sorgfältig geplant wurde und weiterhin erfahrene Fachleute und Experten vor Ort sein werden. Es kann nach menschlichem Ermessen davon ausgegangen werden, dass nur ein kleines Risiko besteht. Er weist daraufhin, dass der künftige Brunnen aus der Erfahrung heraus gebaut wird.Er sagt, dass das Risiko von Gebäudeschäden durch die Verrohrung sehr gering ist. Sollte es schwerwiegende Probleme bei der Bohrung geben, bleibt als Notlösung immer die Verfüllung mit Beton.

8 Frage: Wird mehr Wasser abgepumpt als bisher?Herr Dr. Ruch verneint und ergänzt, dass davon ausgegangen werden kann, dass kein weiteres Wasser eindringen wird. Aus umfangreichen hydraulischen Versuchen konnte erkannt werden, dass keine Wasserwegsamkeiten bestehen. Die künftige Entnahmerate muss anhand diverser Analysen erst getestet werden.Er führt weiter aus, dass das Nachquellen, was derzeit beobachtet werden kann, durch das Restwasser im Gebirge entsteht. Dies ist die derzeit große Unbekannte.Es sind derzeit keine aktiven Wasserzutritte feststellbar.

9 Frage: Was ist die nächste Maßnahme, wenn der Hebungsprozess gestoppt wird?Herr Breder erklärt, dass diese Frage nicht beantwortet werden kann. Der Abwehrbetrieb soll weiteren Wasserzutritt verhindern. Ein Ende des Pumpbetriebes ist nicht in Sicht. Der Brunnen wird längerfristig nicht abgestellt werden können (Dauerpumpmaßnahme).

10 Frage: Funktioniert der Brunnen auch in 50 Jahren noch?Herr Breder antwortet mit ja, dieser ist dementsprechend gebaut und somit auf eine längerfristige Nutzung ausgelegt.

11 Frage: Wie wird der Verkehr durch Kirchstraße umgeleitet?Herr Breder sagt, dass noch kein Verkehrskonzept vorliegt. Der Fußgängerverkehr ist nach wie vor -eingeschränkt- möglich. Die durchgängige Autozufahrt der Kirchstraße hingegen wird nicht mehr möglich sein.

12 Anregung, dass evtl. rechtzeitige Information an Gewerbetreibende erfolgt, damit sie ihre Zulieferer rechtzeitig von der teilweisen Sperrung der Kirchstraße informieren können. Es sollte ein Verkehrskonzept ausgearbeitet und dargestellt werden, evtl. schon durch ein Schild am Ortseingang.Frau Schlatter teilt mit, dass die Verwaltung ein Konzept erstellen wird, welches den Verkehr im Zeitraum der Bohrungen umleitet. Die Anwohner bzw. Bürger werden hierüber zeitnah informiert.

13 Frage: Wie ist das Bauwerk sichtbar, wenn die Baumaßnahme abgeschlossen ist?Nach Fertigstellung der Maßnahme wird das Bohrloch mit einem Schachtdeckel abgedeckt und ist von der Oberfläche aus nicht sichtbar.

14 Frage: Sind in Zukunft noch weitere Bohrungen angedacht?Herr Breder erläutert, dass bereits über weitere Bohrungen diskutiert wird und auch in der Vergangenheit schon diskutiert wurde. Für die Zukunft kann nicht ausgeschlossen werden, dass noch weitere Bohrungen durchgeführt werden müssen.Zunächst gilt es aber, den Fließweg in den Erdwärmesonden 2 und 7 zu stoppen. Es werden parallel zum Pumpbetrieb weitere Messungen stattfinden, sodass in Zukunft nochmals über weitere Brunnen nachgedacht bzw. eine Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt gefällt wird.

15 Frage: Gibt es Vorstellungen zum Anhydritvolumen? Was wäre der Worst Case?Herr Breder erklärt, dass das Anhydritvolumen nur ganz grob geschätzt werden könnte, er aber derzeit keine genauen Werte nennen kann. Jedenfalls bildet das quellfähige Material nur einen kleineren Teil des Volumens der aufquellenden Scholle.Ein Rechenmodell brachte das Ergebnis, dass sich die Erde im schlimmsten Fall um weitere Dezimeter hebt. Eine Veränderung des Hebungsherdes kann auch in Zukunft weitestgehend ausgeschlossen werden. Zur zeitlichen Entwicklung sagt er, dass der komplette Prozess noch Jahrzehnte andauern kann.

16 Frage: Sind die Rohre im 2. Brunnen aus Edelstahl?Herr Breder macht nochmals klar, dass sowohl die Sperrrohre als auch die Steigleitung aus Edelstahl sind.

17 Vorstellung des Vorsitzenden und Stellv. Vorsitzenden der Schlichtungsstelle: Herr Teigeler und Herr Zipfel Herr Dr. Kollnig geht kurz auf die am 22.09.2010 unterzeichnete Schlichtungsordnung ein und übergibt sodann das Wort an die Herren Teigeler und Zipfel mit der Bitte, sich der Runde kurz vorzustellen:Herr Teigeler beginnt und sagt, dass er 65 Jahre alt ist, lange Jahre Richter und Staatsanwalt und zuletzt Präsident des Landgerichts Freiburg war. Er erklärt, dass er bezüglich der Schlichtungsstelle von der Stadt Staufen angesprochen wurdeund das Angebot gerne angenommen hat, weil er darin eine neue Herausforderung siehtund als Richter bzw. Staatsanwalt über langjährige Berufserfahrung verfügt, die er im Rahmen der neu eingerichteten Schlichtungsstelle einbringen will.Herr Zipfel stellt sich ebenfalls kurz vor, informiert, dass er Diplom-Ingenieur und Bausachverständiger ist, sein Büro in Bad Krozingen hat und im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit den stellvertretenden Vorsitz als Chance sieht, seine Erfahrung aus der täglichen Arbeit in die Risse-Problematik in der Altstadt einzubringen. Er sagt, dass er von der IGR GbR angesprochen wurde und sich nach kurzer Überlegung dazu entschlossen hat im Rahmen der Schlichtungsstelle mitzuwirken.

18 Frage: Taugt die Schlichtungsordnung?Herr Teigeler antwortet, dass die Schlichtungsordnung grundsätzlich tauglich ist. Er weist daraufhin, dass das Land Geld für Sofortmaßnahmen im Rahmen der Schlichtung zu Verfügung gestellt hat. Im Prinzip entscheidet der Schlichter bei Differenzen zwischen Antragssteller und Stadt mit einem Schlichterspruch, der sozusagen als Vorschlag entweder angenommen oder abgelehnt werden kann.Er weist daraufhin, dass die Schlichtungsordnung über 65 Paragraphen verfügt und daher bereits einen gewissen Umfang an Regelungen enthält. Er macht klar, dass man zunächst abwarten muss, wie sich das ganze Verfahren einspielt, ggfs. kann es nochmals Änderungen in der Schlichtungsordnung geben. Näheres hierzu kann man sagen, sobald die ersten praktischen Fälle/Anträge vorliegen.

19 Frage: Wird die Klärung der Schuldfrage durch die Schlichtungsstelle verzögert?Herr Teigeler sagt, dass die Einrichtung der Schlichtungsstelle keine Verzögerung der Schuldfrage darstellt. Parallel kann jederzeit bei den staatlichen Gerichten Klage erhoben werden.Es geht lediglich darum, dass zunächst Sofortmaßnahmen schneller bearbeitet werden können.

20 Frage: Wie soll man sich verhalten. wenn Sofortmaßnahmen anstehen?Her Teigeler antwortet, dass hierfür ein Antrag bei der Stadt gestellt werden muss, sofern die Maßnahme den Betrag von 1.000 € übersteigt.Alle „Kleinreparaturen“ bzw. sonstigen Maßnahmen unter einem Betrag von 1.000 € werden wie bisher abgewickelt (Auftrag durch Stadt etc.).

21 Frage: In welchem Zusammenhang steht die Schlichtungsstelle mit der endgültigen Schadensbeseitigung?Herr Teigeler sagt, dass wie bereits erläutert zunächst Sofortmaßnahmen abgewickelt werden sollen. Bezüglich der endgültigen Schadensbeseitigung kann man sagen, dass diese evtl. in einem weiteren Schlichtungsverfahren durchgeführt wird.

22 Frage: Wie sieht der praktische Ablauf in Zukunft aus?Herr Teigeler ergänzt, dass es auch, wie teilweise in der Vergangenheit schon, im Einzelfall auch Eilentscheidungen geben wird bzw. muss. Das Büro für Baukonstruktionen aus Karlsruhe wird auch weiterhin die Schäden dokumentieren.Auch das Stadtbauamt wird weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Grundsätzlich bleibt größtenteils vieles wie bisher. Lediglich bei Sofortmaßnahmen bzw. diverser größerer Maßnahmen ab 1.000 € bedarf es einem Antrag durch den jeweils Geschädigten.Er weist in diesem Zusammenhang daraufhin, dass die Schlichtungsordnung auf der Homepage der Stadt Staufen einsehbar und zum Download bereitgestellt ist.

23 Frage: Was passiert bei Personenschäden? Ist auch dies in Schlichtungsordnung geregelt?Herr Teigeler antwortet, dass die Abwicklung von Personenschäden in der Schlichtungsordnung nicht geregelt ist.

24 Frage, ob die Schlichtungsstelle bei jedem Schaden über 1.000 € eintritt?Herr Teigeler verweist auf die bisherigen Ausführungen und erklärt nochmals, dass die Schlichtungsstelle grundsätzlich nur für Streitfälle konzipiert ist. Die Schlichtungsstelle tritt dann ein, wenn es keine Einigung zwischen dem jeweiligen Geschädigten und der Stadt Staufen gibt.Er verweist in diesem Zusammenhang auf die für die Einrichtung der Schlichtungsstelle zur Verfügung gestellten 1.000.000 € durch das Land Baden-Württemberg.

25 Frage: Welche der durch die Hebungen verursachten Schäden kann man bei der Gebäude- bzw. Haftpflichtversicherung geltend machen? Wie soll man weiter vorgehen?Herr Teigeler erklärt, dass die Einrichtung der Schlichtungsstelle keine Auswirkungen auf die privatrechtlichen Verhandlungen mit den Versicherungen hat. Hier gilt immer der jeweilige Versicherungsvertrag.

26 Anmerkung, dass im Rahmen der Prüfung der Erdgasinneninstallation die Begehungsrhythmen speziell in einem Fall nicht eingehalten wurden.Die Verwaltung wird das prüfen.

27 Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch gegen 21.20 Uhr mit dem Hinweis, dass der nächste Runde Tisch voraussichtlich am 15.11.2010 stattfinden und er hierzu wieder einladen wird.

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