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Hebungsrisse: Runder Tisch

HEBUNGSRISSE RUNDER TISCH MIT DR. KOLLNIG
(23.9.2009 im Stubenhaus Staufen)

Fragen/Antworten

1 Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden

2 Herr Dr. Ruch berichtet über den aktuellen Stand der Dinge. Er geht zum Einstieg nochmals kurz auf die Informationen aus der Pressekonferenz vom 19.08.2009 ein und stellt den aktuellen Hebungsbuckel vom 15.09.2009 dar. Es sind momentan keine wesentlichen Veränderungen festzustellen. Des Weiteren erläutert er, dass die Bohrung bei Endteufe in 153 m unter Gelände angekommen ist (oberer Muschelkalk). Das vierte Sperrohr ist bereits gesetzt.Heute Mittag gab es eine erste Pumpaktion zum Freispülen des Bohrloches der EKB. Man fährt momentan zweigleisig: Zum ersten finden technische Versuche für die Ringraumabdichtung der Geothermiesonden (Perforation mit anschl. Injektion) und zum anderen Versuche zum hydraulischen Abwehrbetrieb statt. Seit dieser Woche finden in der Grube Clara in Oberwolfach / Kinzigtal Vorversuche statt. Die Firma Keller Grundbau aus Renchen hat dort eine 1:1 Erdwärmesondenanlage mit 150 m Länge inkl. einem mit Wasser gefülltem Außenrohr in einen Schacht eingebaut. Es wird nun in einer Tiefe von 145 m versucht die Schläuche zu perforieren und den Zement über die Schlitzen in den Ringraum zu verpressen.Die ersten Versuche verliefen sehr positiv. Man wird sich noch ein paar Tage für weitere Versuche Zeit lassen um die Sicherheit der tatsächlichen Perforierung der Sondenschläuche in Staufen zu gewährleisten. Sobald in Staufen mit dem Pumpbetrieb begonnen wird, bedeutet dies für den Baustellenbetrieb, dass zunächst das Bohrgerät abgefahren wird. Künftige werden nur noch ein Container mit Pumpen sowie ein LKW der Firma Keller mit einem Hochdruckpumpgerät benötigt.

3 Frage nach dem voraussichtlichen Zeitfenster für das Abdichten der Erdwärmesonden?
Herr Dr. Ruch möchte sich, was den Zeitrahmen anbelangt, nicht festlegen. Da man alle 7 Erdwärmesonden abdichten möchte, kann man keine genauen Angaben zum weiteren Zeitfenster machen.

4 Kann man mittlerweile endgültig sagen, dass die Erdwärmebohrungen die Ursache der Aufquellung sind?
 Erst wenn nachgewiesen ist, dass eine Beeinflussung des Druckpotentials des Wassers aus dem Muschelkalk im Sondenfeld wahrgenommen werden kann, ist der Zusammenhang zwischen Bohrungen und den Hebungsrissen vollständig nachgewiesen.

5 Besteht die Möglichkeit einer Folgenutzung der Schläuche?
 Herr Dr. Ruch erklärt, dass die Schläuche passierbar gehalten werden, eine Folgenutzung aber nicht in Frage kommt.

6 Frage, wer die Firma Wälderbau beaufsichtigte und wer veranlasst hatte, dass trotzdem weiter gebohrt wurde, als man auf Wasser gestoßen war?
Die Firma Wälderbau wurde von der Planerwerkstatt Hölken & Berghoff und vom LRGB beaufsichtigt. Zunächst muss aber davon ausgegangen werden, dass ein zertifiziertes Bauunternehmen auch bei schwierigem Untergrund die Situation beherrscht.

7 Frage zum Hebungsbuckel: Werden z.B. die seitlichen Verschiebungen gemessen? Gibt es dazu Diagramme? Was ist schlimmer? Verschiebungen nach oben oder zur Seite?
 Am schlimmsten sind die Verschiebungen im s.g. Schulterbereich des Hebungsbuckels (an der Flanke). Bereiche, die sich gleichmäßig heben sind für die Gebäude weniger belastend.

8 Wie hoch ist das Quellpotential?
 Herr Dr. Ruch erklärt, dass er keine Dezimeterangaben machen kann. Die Untersuchung der Bohrkerne hat ergeben, dass das Quellpotential sehr hoch ist. Es ist bekannt, dass sich die Quellung von Anhydrit anders verhält wie die von Tonmineralien. Hier sind Anhydrit und Tonmineralien in Schichten gemischt. Der „Ruhe-Wasserstand“ unter Gelände liegt derzeit bei ca. 2,70 m. Er macht deutlich, dass das primäre Ziel ist, weitere Wasserzufuhr zu verhindern.

9 Herr Asal informiert über das amtliche Höhennetz rund um Staufen und stellt folgende Themen vor:- Feinnivellement in Staufen- Höhenmessungen in der Altstadt - Höhenmessungen im Gaisgraben (seit 6 Monaten keine Höhenveränderungen)- Höhenvergleich der Messungen- Entwicklung der einzelnen Messpunkte in Staufen- Materialausstattung- Messungsablauf ( 2 Monatsrythmus)- Messgenauigkeit- HebungsgeschwindigkeitEr merkt an, dass GPS Messungen in Staufen nicht in Frage kommen.

10 Herr Schenk informiert die Runde über SAR-Interferometrie zur Beobachtung der Oberflächenbewegungen in Staufen via Radarsatelliten.Er stellt klar, dass dies ein Forschungsthema an der Uni KA ist und keineswegs mit dem Feinnivellement, welches sehr genauere Ergebnisse erzielt, zu vergleichen ist.Die Auswertung der bisherigen SAR-Interferometrie sagt aus, dass das Hebungsgebiet streng begrenzt ist. Dort findet eine signifikante Bewegung mit linearem Bewegungsmodell statt. Im restlichen Stadtgebiet ist keine signifikante und lineare Bewegung zu erkennen.Die Bewegungsraten aus dem Feinnivellement können bestätigt werden.

11 Frage, ob die Risse im Randbereich nicht im Zusammenhang mit den Bohrungen in der Rathausgasse stehen?
 Herr Dr. Ruch sowie Herr Dr. Kollnig erklären, dass nach wie vor davon ausgegangen werden kann, dass es keinen Zusammenhang mit den Bohrungen in der Rathausgasse gibt.

12 Frage an Herr Asal: Werden die Vermessungspunkte nur höhenmäßig betrachtet?
 Herr Asal erklärt, dass die Vermessungspunkte in Staufen nur höhenmäßig betrachtet werden. Er sagt, dass dies ein sehr genaues Verfahren ist. Dadurch dass in Staufen keine GPS-Messungen in Frage kommen ist das die beste Lösung.

13 Was bedeutet Nulllinie und wie viele Häuser außerhalb dieser Nulllinie haben bereits Schäden gemeldet?
 Herr Dr. Kollnig äußert, dass es nach seinem Kenntnisstand einige Häuser sind die außerhalb der Nulllinie liegen und Schäden angemeldet haben. Herr Schmid konkretisierte dies auf ca. 40 – 60 Häuser.

14 Frage, ob das Messverfahren in Staufen für den gesamten Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald eingesetzt wird?
 Herr Asal erklärt, dass dies ein weitestgehend einheitliches Verfahren ist.

15 Was für „andere“ Ursachen können Gebäudeschäden in Form von z.B. Rissen auch haben?
 Herr Dr. Ruch merkt an, dass es eine Vielzahl von Ursachen die zu Gebäudeschäden führen, geben kann. Unter anderem können das sein:- Lehmböden die bei einer zu flachen Gründung jahreszeitlichen Volumenschwankungen ausgesetzt sind- Unterschiedlicher Untergrund eines Gebäudes ( ein Teil des Gebäudes mit Lehm unterlegt, ein anderer mit Kies)- Starker Baumbestand in der Nähe des Gebäudes, wenn das Wurzelwerk des Baumes dem Boden die Feuchtigkeit entzieht.

16 Anregung, dass in der Spitalstr. die Asphaltdecke so schnell als möglich aufgemacht und die Gas-Hauptleitungen auf ihre Dichtigkeit hin überprüft werden sollten.

17 Als nächster verbindlicher Termin für den „Runden Tisch“ wird Do., 12.11.2009 genannt. Herr Dr. Kollnig fragt, ob der 8-Wochenrythmus beibehalten werden soll oder ein 4-Wochenrythmus aus der Runde gewünscht wird. Man verständigt sich darauf, dass bei neuem wichtigen Erkenntnisstand evtl. am 14.10.2009 der nächste „Runde Tisch“ statt findet.
Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch gegen 21.00 Uhr.
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