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Hebungsrisse: Runder Tisch

HEBUNGSRISSE RUNDER TISCH MIT DR. KOLLNIG
(19.12.011 im Stubenhaus Staufen)

Teilnehmer:
Herr Dr. Kollnig (Mediator)
Herr Teigeler (Vorsitzender Schlichtungsstelle) 
Herr Schmid (Stadtbauamt, Verwaltung)
Herr Dr. Wirsing (RP, LGRB)

Fragen/Antworten  

Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden.
Er dankt den Herren Teigeler, Dr. Wirsing und Schmid für deren Anwesenheit und Mitgestaltung des heutigen Abends. Er geht kurz darauf ein, dass der ursprünglich vorgesehene Tagesordnungspunkt „Denkmalschutz“ leider abgesagt werden muss, da die von der Denkmalschutzbehörde geforderten Unterlagen durch das Stadtbauamt urlaubs- bzw. krankheitsbedingt nicht zur Verfügung gestellt werden konnten. Der Kontakt zur Denkmalschutzbehörde ist hergestellt, es fanden bereits diverse Gespräche sowie ein Besuch des Denkmalrates des Regierungsbezirks Freiburg in Staufen statt. Am nächsten Runden Tisch im Februar soll Frau Dr. Zimdars teilnehmen, damit das Thema Denkmalschutz erläutert und diskutiert werden kann.An der heutigen Sitzung wird „ersatzweise“ Herr Dr. Wirsing vom LGRB teilnehmen und technische Ausführungen zum bisherigen Verlauf der Abwehrmaßnahmen machen, er vertritt Herrn Dr. Ruch.
Herr Dr. Wirsing stellt die Entwicklung der Hebungsfigur seit Beginn der Abwehrmaßnahme (September 2009 bis November 2011) vor. Er zeigt die Entwicklung anhand der Hebungsfiguren- September 2009- September 2010: Hebungsgeschwindigkeit bereits deutlich unter 10 mm/Monat- November 2011: Die zuletzt durchgeführten Messungen des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald bestätigen die rückläufige Hebungstendenz, was aus der aktuellen Hebungsfigur hervorgeht. Die Hebungsgeschwindigkeit im Hebungszentrum liegt „nur“ noch bei knapp über 4 mm pro Monat.Es kann somit festgehalten werden, dass eine kontinuierliche Abnahme der Hebungsgeschwindigkeit seit Beginn der Abwehrmaßnahme statt gefunden hat.Er ergänzt bzw. bestätigt diese Feststellung anhand diverser Schaubilder zur zeitlichen Entwicklung der absoluten Hebungsbeträge an ausgewählten Hauptpunkten (der max. Hebungsbetrag im Zentrum liegt bei ca. 43 cm [extrapoliert]).

Bericht über gemeinsamen Pumpbetrieb in EKB 2 und BB 3 und der Installationsarbeiten BB 3:
Dr.Wirsing erklärt, dass die Pumpmaßnahmen kontinuierlich überwacht werden und zeigt die Pumpraten und Absenkbeträge in den Entnahmestellen anhand von Schaubildern auf:Hierbei beträgt die Pumprate (Entnahmerate) in der EKB 2: 2,1-2,2 l/Sin der BB3: 3,6-3,7 l/sEr erklärt, dass der Unterflur-Brunnenschacht in der Rathausgasse fertig gestellt und die Arbeiten für die Steuer- und Monitoringwarte mit den erforderlichen Installationen abgeschlossen sind, was die jeweilige Kontrolle der Abwehrmaßnahme gewährleistet. Das Monitoringsystem läuft bisher sehr stabil, es findet eine sorgfältige Kontrolle durch ein ausgewähltes Fachbüro statt. Parallel dazu erfolgt in 4-6 wöchentlichen Abständen eine Probenahme und Untersuchung der Grundwässer aus den beiden Brunnen durch das LGRB.

Phänomen „Weiherhofquelle“ (Sammelbecken):
Die Weiherhofquelle befindet sich ca. 180 m südöstlich der BB3.Herr Dr. Wirsing berichtet von Untersuchungen zu den beobachteten Wasserstandsschwankungen im Sammelbecken der Weiherhofquelle, die u.a. den Marktplatzbrunnen speist. Es konnte wiederholt beobachtet werden, dass der Marktplatzbrunnen keinen Wasserzufluss mehr aus den Quellen erhält.Die Messungen des Wasserstandes wurden in regelmäßigen Abständen durch die Stadt Staufen bzw. die Stadtwerke MüllheimStaufen durchgeführt. Herr Dr. Wirsing stellt sodann die Ergebnisse der Messungen (Wasserstände) und die entsprechenden Niederschlagshöhen (mm, Niederschlag-Station Ehrenkirchen), anhand verschiedener Schaubilder dar.Es wurde eine Reaktion des Wasserstandes im Sammelbecken der Weiherhofquelle auf das Pumpregime festgestellt. Mit dem Ausstellen der Pumpe in der BB 3 stieg der Wasserstand im Sammelbecken der Quelle kurzfristig an, mit dem Wiedereinschalten der Pumpe fiel der Wasserstand sehr schnell ab. Mit einem stark vereinfachten Prinzipmodell von miteinander „kommunizierenden Röhren“ wurden die hydraulischen Zusammenhänge zwischen der Grundwasserneubildung hauptsächlich im Schwarzwald und der verlagerten Vorbergzone (Roter Berg), der Weiherhofquelle und den Pumpbrunnen dargestellt. Es wurde verdeutlicht, dass bei Pumpbetrieb der Einfluß auf die Druckverhältnisse im Gesamtsystem der kommunizierenden Röhren dazu führt, dass der Wasserstand in den Weiherhofquellen absinkt.Außerdem wurde dargelegt, dass Grundwasser von den Weiherhofquellen nicht direkt und oberflächennah zu den Entnahmebrunnen strömt. Dies wird u.a. durch das hohe Alter und die hydrochemische Beschaffenheit des Grundwassers belegt, das aus den Pumpbrunnen gefördert wird.Der hydraulische Zusammenhang zwischen Schüttungsschwankungen der Weiherhofquelle und dem Pumpbetrieb aus EKB 2 und BB3 gilt somit als nachgewiesen. Das Phänomen wird von Wasserstandsschwankungen im Sammelbecken in Folge von Niederschlagsereignissen überlagert.

Frage: Ein Herr sagt, es ist lange behauptet worden, dass keine Verbindung zwischen Weiherhofquelle und Pumpmaßnahmen besteht und fragt, ob das Gegenteil nun endgültig feststeht?
Herr Dr. Wirsing sagt, dass die Zusammenhänge durch die nun vorliegenden Messreihen belegt sind und beruft sich auf seine vorstehend gemachten Ausführungen. Die Zusammenhänge bestehen jedoch nicht über ein unmittelbares Fließsystem sondern über Druckreaktionen.

Frage: Im Juli keine Niederschlagsaufzeichnungen in einer der gezeigten Abbildungen, wieso?
Herr Dr. Wirsing erklärt, dass dem LGRB für diesen Zeitraum keine Niederschlagsdaten vom Wetterdienst vorliegen und daher im Juli die entsprechende Darstellung fehlt.

Frage: Muss der Pumpbetrieb von Regenfällen abhängig gemacht werden?
Herr Dr. Wirsing verneint, es wird jederzeit das Wasser abgepumpt, welches der Brunnen hergibt.

Frage: Sind die 2 vorhandenen Brunnen als „Abwehrmaßnahme“ in den kommenden Jahren ausreichend?
Herr Dr. Wirsing sagt, dass die Messungen der Hebungsgeschwindigkeit belegen, dass die beiden Brunnen als Abwehrmaßnahme aus heutiger Sicht für die nächsten Jahre ausreichend sind.

Frage: Ein Herr möchte wissen, wie sich die Hebungsgeschwindigkeit aktuell, im Vergleich zur Messung im September verändert hat?
Herr Dr. Wirsing führt aus, dass die Hebungsgeschwindigkeit unter der Septembermessung bei derzeit maximal noch knapp über 4 mm/Monat liegt, jedoch ein Schwankungsbereich durch die Messgenauigkeit von 1 mm berücksichtigt werden muss.

Frage: Besteht die Gefahr, dass sich im Untergrund Hohlräume bilden?
Herr Dr. Wirsing sagt, dass es durch die Wasserentnahme nicht zu nennenswerten Hohlraumbildungen kommt. Der Lösungsinhalt des entnommenen Wassers wird wie bisher auch weiterhin kontinuierlich beobachtet. Maßgebliche Parameter für das Monitoring sind die Leitfähigkeit und der Sulfatgehalt des Wassers. Es liegt derzeit kein Hinweis vor, dass sich die Konzentrationen der Inhaltsstoffe durch die Pumpmaßnahme erhöhen.

Frage/Anmerkung: Eine Dame berichtet von einem kürzlich wahrgenommenen heftigen Erdbeben in der Nacht und möchte wissen, ob noch seismische Messungen durchgeführt werden bzw. Erdbeben gemessen werden?
Herr Dr. Wirsing erklärt, dass das Messnetz des Landeserdbebendienstes kontinuierlich betrieben wird. Es gibt „Messpunkte im weiteren Umfeld des Sondenfeldes, die dieses abdecken. Hier wurden im Rahmen der Nachweisgrenzen keine Erdbeben festgestellt, die mit den Bodenbewegungen in Staufen in Zusammenhang zu bringen sind.In dem durch die Universität Karlsruhe (UNI KA) aufgebauten Messnetz zur Dedektion von Mikroben wurden keine Beben registriert. Die UNI KA hat die Messungen daher wieder eingestellt. Er weist daraufhin, dass die Hebungsgeschwindigkeit von knapp über 4 mm/Monat nach wie vor beträchtlich ist und es daher weiterhin zu einem Spannungsaufbau in den Gebäuden kommen kann, welcher sich zu bestimmten Zeiten ruckartig entladen kann.

Frage: Gibt es schon Ergebnisse der horizontalen Messungen?
Herr Dr. Wirsing antwortet, dass die entsprechenden Ergebnisse zunächst ausgewertet und sodann im Januar vorgestellt werden sollen. Solange die Auswertung nicht vorliegt, können keinen konkreten Aussagen getroffen werden.

Herr Dr. Kollnig bedankt sich bei Herrn Dr. Wirsing für die vorgetragenen Ausführungen. Er erklärt, dass sich die Zuständigkeiten der Ministerien für die Geschehnisse in Staufen geändert haben und mittlerweile nicht mehr das Wirtschaftsministerium sondern das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft zuständig ist. Er berichtet in kurzen Zügen vom Besuch von Herrn Ministerialdirigent Eggstein und weiteren Vertretern aus dem Ministerium in Staufen. Auch die neue Landesregierung steht der vorhandenen Riss-Problematik mit Wohlwollen gegenüber und will an die Zusagen der Vorgängerregierung sowie die intensive und gute Zusammenarbeit anknüpfen und die Stadt weiterhin unterstützen. Er weist daraufhin, dass mit dem Staatsministerium möglichst bald die 2. Stufe der Schlichtungsordnung abgestimmt werden soll, sodass baldmöglichst mit der endgültigen Schadensregulierung begonnen werden kann.

Herr Dr. Kollnig bittet im Anschluss Herrn Teigeler darum, einen Ausblick auf die 2. Stufe der Schlichtungsordnung zu geben.
Herr Teigeler geht darauf ein, dass durch die neue Schlichtungsordnung dieselben Ziele wie mit der bisherigen Schlichtungsordnung weiterverfolgt werden sollen. Es wird keine grundlegenden Neuerungen geben, da sich die bisherige Schlichtungsordnung, von Ausnahmen abgesehen, grundsätzlich bewährt hat. Es war daher geboten, die bisherige Schlichtungsordnung fortzuschreiben, punktuell zu verbessern und den bevorstehenden Verfahren anzupassen. Er sagt, dass er aufgrund der bisherigen Schlichtungsverfahren und der daraus resultierenden Erfahrungswerte Änderungen bzw. Ergänzungen vorgeschlagen und der IGR GbR zugeleitet hat, sodass die Änderungsvorschläge seitens der IGR GbR durch Herrn Dr. Haaf gesichtet und überarbeitet werden konnten. Er berichtet, dass in der vergangenen Woche ein Gespräch mit Vertretern der Stadt Staufen, der IGR GbR einschließlich Dr. Haaf sowie Herrn Dr. Kollnig und ihm selbst im Bürgermeisteramt stattgefunden hat und eine Einigung über den Formulierungsentwurf getroffen wurde, welcher nun den Mitgliedern der IGR GbR zur Verfügung gestellt wird, um ein abschließendes Meinungsbild herzustellten. Sobald auch hier eine Einigung erzielt werden kann, soll die Weiterleitung des Entwurfs der Schlichtungsordnung an das Staatsministerium Baden-Württemberg erfolgen. Es wird beabsichtigt, künftig den Gang der jeweiligen Schlichtungsverfahren etwas zu erleichtern. Die bisherige Schlichtungsordnung soll mit Inkrafttreten der neuen Schlichtungsordnung außer Kraft treten, es wird künftig alles einer Schlichtungsordnung unterworfen.

Frage: Die horizontalen Verschiebungen sind noch nicht eingeordnet worden? Woher erlangt man eine Einschätzung was gefährlich ist und was nicht?
Herr Dr. Kollnig erklärt, dass hierzu, wie bereits erwähnt, die Ergebnisse, welche voraussichtlich im Januar 2012 zur Verfügung stehen, abgewartet werden müssen.
Anmerkung: Es wird nach der aktuellen Hebungsfigur gefragt und deutlich gemacht, dass der Stadtplan mit Straßennamen und Objekten ersichtlich sein muss, um das jeweilige Gebiet zu erkennen. Diese Möglichkeit muss zumindest den Geschädigten zur Verfügung gestellt werden. Die Hebungsfigur soll aktualisiert werden bzw. wie bisher mit dem Stadtplan hinterlegt werden.Herr Dr. Kollnig erklärt, dass die entsprechenden Daten beim Vermessungsamt angefordert werden müssen und verweist auf die Ausführungen in der Niederschrift des Runden Tisch vom 17.10.2011.Redaktionelle Information: Die Stadtverwaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, Fachbereich Vermessung & Geoinformation, eine Lösung anstreben, wonach den jeweiligen Eigentümern die entsprechenden Daten auf kürzestem Wege zur Einsicht zur Verfügung gestellt werden können..

Frage: Ein Herr erklärt, dass er sich bei seiner Gebäudeversicherung bezüglich der besonderen Situation in Staufen erkundigt hat. Jeder Hauseigentümer ist verpflichtet, sein Haus zu versichern. Laut Aussage der Versicherung wird im Versicherungsfall bei bestehenden Schäden bzw. provisorischen Reparaturen ein Abzug geltend gemacht.
Herr Teigeler antwortet anhand eines Beispiels und stellt die Problematik dar: Bei einem geschädigten Haus, welches einen Zeitwert von 100.000 € hat und bisher 200.000 € wert war, müsste demnach ein Vermögensschaden i.H.v. 100.000 € über die Schlichtungsordnung eingefordert werden. Herr Teigeler sagt, dass dies rechtlich aus seiner Sicht unproblematisch sei, wenn die Zahlen als richtig unterstellt würden.

Frage/Anmerkung: Ein Herr empfindet es als gut, dass die neue Schlichtungsordnung diskutiert und aktualisiert wurde. Er geht davon aus, dass weiterhin Reparaturen als Sofortmaßnahmen geltend gemacht werden. Die Hebung von derzeit ca. 4 mm/Monat sei wenig, er äußert jedoch, dass die Berücksichtigung von vertikalen und horizontalen Verschiebungen wichtig ist. Er bedauert, dass die aktualisierte Schlichtungsordnung den Geschädigten bisher nicht ausreichend bekannt gemacht wurde und die Geschädigten seitens der IGR GBR seit September 2010 nicht über die Ereignisse informiert worden sind, ferner keine Gesellschafterversammlung seit September 2010 stattfand. Er weist daraufhin, dass lediglich im Sommer 2011 ein kurzer Hinweis durch die IGR GbR herausgegeben wurde, dass im Herbst die 2. Stufe der Schlichtungsordnung eingeführt werden soll. Ferner weist er daraufhin, dass das Protokoll des Runden Tisches vom 17.10.2011 noch nicht auf der Homepage der Stadtverwaltung zur Verfügung steht. Das Protokoll des Runden Tisches ist seiner Ansicht nach die einzige Informationsquelle für die Geschädigten.
Anmerkung durch IGR:Ein Vertreter der IGR GbR erklärt hierzu, dass am 10. Januar 2012 die nächste Gesellschafterversammlung stattfinden wird und er den Anwesenden die Einladung hierfür bereits heute aushändigen kann. Die Versammlung wird auch für Geschädigte zugänglich sein, die nicht Mitglieder der IGR GbR sind. Unter anderem soll dort die neue Schlichtungsordnung vorgestellt werden. Zusätzlich wird die neue Schlichtungsordnung auf der Website der IGR GbR zum Download bereitgestellt.
Anmerkung: Eine Dame erwähnt, aus der Zeitung erfahren zu haben, dass die Stadt Staufen im Rahmen des Clubheimneubaus in Grunern die Nutzung von Erdwärme anstrebt. Dies ist für die Betroffenen, die seit Jahren mit den Problemen zu kämpfen haben wie ein „Schlag ins Gesicht“.
Ein anwesender Stadtrat stellt klar, dass bisher lediglich ein dahingehender Antrag des zuständigen Architekten gestellt, bzw. diese Nutzung vorgeschlagen wurde, jedoch noch keine Entscheidung getroffen ist. Es ist zu beachten, dass die Geologie im Bereich des Clubheimbaus in Grunern eine andere ist wie in der Innenstadt. Er sagt, dass durch die bisherigen Geschehnisse neue und wichtige Erfahrungen gesammelt werden konnten und man das Thema Erdwärme auch in Zukunft nicht komplett verneinen sollte.

Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch gegen 20.35 Uhr.

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