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Hebungsrisse: Runder Tisch

HEBUNGSRISSE RUNDER TISCH MIT DR. KOLLNIG
(12.5.2011 im Stubenhaus Staufen)

Teilnehmer:
Herr Dr. Kollnig
Herr Teigeler (Vorsitzender Schlichtungsstelle) 
Herr Schmidt (Städt. Bauamt)
Herr Dr. Gunther Wirsing (LGRB)

Fragen/Antworten 

1. Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden.Er dankt den Herren Teigeler, Dr. Wirsing und Schmid für deren Anwesenheit und Mitgestaltung des heutigen Abends und übergibt sodann das Wort an Herrn Dr. Wirsing.

2. Herr Dr. Wirsing stellt die Hebungsentwicklungen anhand der Hebungsfiguren im Zeitraum 16. Juli – 15. Sept. 2009 und 27. Nov. 2010 – 21. März 2011 dar. Vergleicht man die Darstellungen der Hebungsbereiche in den beiden Mess-Zeiträumen, so kann man erkennen, dass die Fläche der maximalen Hebungen von ursprünglich ca. 11 mm/Monat total verschwunden ist. Der derzeitige maximale Hebungsbetrag liegt bei ca. 5,5 mm pro Monat. Als Ergebnis kann eine Reduzierung der Hebungsgeschwindigkeit um mittlerweile ca. 50 % festgehalten werden.Er berichtet, dass die nächste Höhenmessung (2-monatig) in einer der kommenden Wochen stattfinden wird, welche evtl. neue Erkenntnisse über den rückläufigen Trend der Hebungen bringen wird.Er stellt sodann die Bohrergebnisse der Brunnenbohrung BB3 anhand der- geologischen Schichtenfolge- Grundwasserstockwerke- Auswertung bezüglich der Sulfatführungdar.Er berichtet, dass beide Brunnen, die Erkundungsbohrung 2 in der Rathausgasse (EKB 2) und die neue Brunnenbohrung 3 in der Kirchstraße (BB3) jetzt gleichzeitig betrieben werden (seit 18.04.2011 Dauerabsenkbetrieb). Er sagt, dass durch die EKB 2 ca. 2,3 Liter/Sekunde und durch die BB3 derzeit ca. 3,6 Liter/Sekunde abgepumpt werden.Ferner lässt er die Anwesenden wissen, dass das Pumpsystem über eine Online-Überwachung mit Alarmfunktion (Warnsystem) überwacht wird, sodass im Falle des Ausfalls einer Pumpe ein schnelles Handeln sicher gestellt ist und außerdem Ersatzpumpen für beide Brunnen angeschafft werden sollen. Bezüglich der Baustellen erläutert er, dass in der Kirchstraße noch nicht alles komplett aufgeräumt und der Brunnenkopf noch sichtbar ist. In der Rathausgasse soll ein Pumphäuschen mit Steuerungs- und Kontrolleinrichtungen errichtet werden.

3. Frage: Kann man sich sicher sein, dass die technischen Maßnahmen ursächlich für den Rückgang der Hebungsgeschwindigkeit sind und können die Pumpen irgendwann abgestellt werden?Herr Dr. Wirsing erklärt zunächst, dass nicht nur die Pumpmaßnahmen, sondern auch die nachträgliche Abdichtung der Erdwärmesonden als Grund für den Rückgang berücksichtigt werden müssen. Anhand des zeitlichen Zusammenhangs kann davon ausgegangen werden, dass die Maßnahmen ursächlich sind.Die Abstellung der Pumpen gilt als unwahrscheinlich. Da die verstürzte Bohrung der EWS 2 im Bereich zwischen 140 m und 105 m u. GOK für nachträgliche Abdichtungsmaßnahmen nicht zugänglich ist, besteht die Gefahr, dass Wasser in diesem Abschnitt in die quellfähigen Gebirgsabschnitte aufsteigen könnte.

4. Frage: Wann ist der quellfähige Bereich „tot“?Herr Dr. Wirsing sagt, dass der quellfähige Bereich im Prinzip erst dann „tot“ ist, wenn im Gebirge kein Wasser mehr vorhanden ist, um das Anhydrit in Gips umzuwandeln.Er ergänzt, dass eine verlässliche Prognose nicht möglich ist, es durchaus aber, weniger wie 10 Jahre dauern könnte, wenn die rückläufige Tendenz weiter anhält.

5. Frage: Angenommen die rückläufige Tendenz führt sich fort und es kommt vor 10 Jahren zum Stillstand, was geschieht dann, wenn die Pumpe abgestellt wird??Herr Dr. Wirsing sagt, dass das Problem der EWS 2 dann trotzdem weiterhin bestehen bleiben würde.

6. Frage: Kann es zu Hohlräumen im Untergrund kommen?Herr Dr. Wirsing sagt, dass es durch die Wasserentnahme falls überhaupt, dann nicht zu nennenswerten Hohlraumbildungen kommt. Der Lösungsinhalt des entnommenen Wassers wird aber wie bisher auch weiterhin kontinuierlich beobachtet. Maßgebliche Parameter für das Monitoring sind die Leitfähigkeit und der Sulfatgehalt des Wasser.

7. Frage: Ist es ausgeschlossen über weitere Brunnen Grundwasser abzusenken?Herr Dr. Wirsing sagt, dass aus Sicht des LGRB derzeit kein Bedarf an weiteren Brunnen vorhanden ist und daher derzeit keine Überlegungen diesbezüglich anstehen.

8. Frage: Kann die Absenkung des Grundwassers zur Austrocknung eines Bereiches im oberflächennahen Untergrund führen?Herr Dr. Wirsing sagt, dass eine Austrocknung grundsätzlich ausgeschlossen werden kann.

9. Eine Dame sagt, dass sich die Hebungsfigur aus Ihrer Sicht in den Randbereichen nicht verändert hat!Herr Dr. Wirsing antwortet, dass es sich bei der Veränderung der Hebungsfigur um eine flächenhafte Verkleinerung handelt, was auch dazu führt, dass sich Hebungsbereiche mit geringerer Hebungsgeschwindigkeit auch deutlich kleiner verändern. Eine Herunterrechnung der Hebungsgeschwindigkeit um 50% auf die gesamte Figur ist nicht möglich.Herr Dr. Kollnig ergänzt, dass sich lt. Aussage Herr Asal (Vermessungsamt) im Randbereich teilweise Ungenauigkeiten bei der Messung ergeben können. Es kann sogar möglich sein, dass bei zukünftigen Messungen festgestellt wird, dass der Randbereich evtl. bereits ganz zurückgegangen ist.Es sei jedoch gesagt, dass eine Hebung um maximal 5,5 mm pro Monat weiterhin viel ist und daher auch weitere Rissbildungen möglich sind.

10. Herr Dr. Kolling frägt Herr Dr. Wirsing abschließend nach weiteren Alternativen, beispielsweise die weitere Vorgehensweise eines zweiten Fachkolloquiums?Herr Dr. Wirsing antwortet, dass derzeit die Ergebnisse des bisherigen Sachstandsberichtes unter Berücksichtigung der aktuellsten Erkenntnisse zu einem 2. Sachstandsbericht fortgeschrieben werden. Es ist vorgesehen, diesen sodann erneut im Internet auf der Seite des LGRB zu veröffentlichen, damit sich die interessierte Bevölkerung und die Fachwelt zunächst darüber informieren können. Als nächster Schritt wäre sodann ein zweites Fachkolloquium, analog zur ersten Veranstaltung am 22.02.2010, möglich.

11. Frage: Es scheint so, dass aktuell das Phänomen in Staufen kein Thema in der Fachwelt sei, bzw. nicht darüber diskutiert wird?Herr Dr. Wirsing berichtet, dass Vertreter des LGRB sowie der Ingenieurgruppe Geotechnik (IGG), Kirchzarten, regelmäßig an diversen Sitzungen, Fachveranstaltungen und Kongressen teilnehmen und dort in Fachvorträgen zum Thema Staufen berichten. Ergebnis dieses Austauschs ist, dass keine neuen Erkenntnisse/Ideen oder Vorschläge aus den Fachkreisen für das Hebungsproblem in Staufen an das LGRB oder die IGG herangetragen wurden.

12. Anmerkung: Es wird gebeten, die aktuelle Hebungsfigur auf der Homepage der Stadt Staufen zu veröffentlichen.Herr Schmid erklärt sich bereit, sich um die Veröffentlichung zu kümmern.

13. Herr Dr. Kollnig geht sodann auf den zweiten Themenkomplex des Abends, Schadensersatz und Schlichtung ein und verweist in diesem Zusammenhang auf ein Beiblatt der Schlichtungsstelle (siehe Anlage), welches den Anwesenden vor Beginn der heutigen Sitzung ausgehändigt wurde. Ferner verweist er auf das mit der Einladung zur heutigen Sitzung versandte Schreiben des Gemeinderates der Stadt Staufen i.Br. .Die Anregungen aus der letzten Sitzung des Runden Tisch wurden aufgearbeitet und die Ergebnisse in dem Beiblatt zusammengetragen. Herr Dr. Kollnig stellt die einzelnen Punkte kurz vor, insbesondere die Neubesetzung der Schlichtungsstelle mit einer Halbtagskraft, die weitere Vorgehensweise bei Schlichtungsanträgen und dafür evtl. notwendige Angebote und kündigt die Erarbeitung der zweiten Stufe der Schlichtungsordnung an.Er sagt, dass eine Veränderung der Bagatellgrenze nicht erfolgen soll. Bezüglich des Denkmalschutzes weist er daraufhin, dass die Denkmalschutzauflagen im Zusammenhang mit den Hebungsrissen in diversen Fällen voraussichtlich etwas lockerer gesehen werden können. Die Stadt Staufen wird sich mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde in Verbindung setzen, um zunächst grundsätzliche Fragen zu klären.

14. Anmerkung: Ein Herr sagt, dass er eine Lockerung der Denkmalschutzauflagen für nicht gut empfinde. Er berichtet, dass er damals unter strengen denkmalschutzrechtlichen Auflagen sehr umfangreich in die Sanierung seines Objektes investiert hat. Aktuelle Maßnahmen sollten mit dem Denkmalamt abgesprochen werden und unter denselben denkmalschutzrechtlichen Auflagen durchgeführt werden wie bisher.

15. Herr Teigeler sagt daraufhin, dass denkmalschutzrechtliche Auflagen bei derzeitigen Schäden und bei bisherigen Schadensfällen im Rahmen der Schlichtungsordnung aus seiner Sicht bisher nicht relevant waren. Zusätzliche Auflagen könnten womöglich erst bei der endgültigen Schadensbeseitigung erforderlich werden.

16. Anmerkung: Ein Herr sagt, dass der „Historische Stadtkern“ welcher als Gesamtanlage unter Denkmalschutz gemäß § 19 DSchG steht, sozusagen die Schatzkammer Staufens darstellt. Es ist bereits schon jetzt wichtig, auch bei Sofortmaßnahmen, die denkmalschutzrechtlichen Anforderungen zu berücksichtigen, da sich innerhalb der Gesamtanlage auch viele Einzelkulturdenkmale befinden.Der Denkmalschutz muss ernst genommen werden, da ansonsten z.B. auch die Einzelkulturdenkmale durch die entstandenen Schäden ihren kulturellen Wert verlieren.Abschließend hält er fest, dass Staufen die Qualität, die es hat, erhalten muss.Eine Dame ergänzt hierzu, dass Ihr Gebäude Einzelkulturdenkmal ist und lt. damaliger Aussage der Denkmalschutzbehörde bei jeder Veränderung die denkmalschutzrechtlichen Gesichtspunkte beachtet werden müssen. Sie sagt, dass ihr Haus über 300 Jahre alt ist.Herr Teigeler sagt, dass grundsätzlich hier die Einzelfallbetrachtung entscheidend ist. Es kann festgehalten werden, dass „Schadensbeseitigung“ die Wiederherstellung des vorher dagewesenen Zustandes bedeutet.

17. Anmerkung: Ein Herr sagt, dass Sicherungsmaßnahmen dann so ausgeführt werden müssen, das zu einem späteren Zeitpunkt die Wiederherstellung denkmalschutzrechtlicher Belange möglich ist und die Handwerker vor Ausführung der Maßnahme durch die Eigentümer daraufhin gewiesen werden müssen.

18. Herr Dr. Kollnig möchte wissen, inwieweit sich die neu besetzte Stelle im Rahmen der Schlichtungsstelle schon bemerkbar macht bzw. welche Eindrücke es aus Sicht der Anwesenden gibt und ob noch weiterhin Verbesserungsbedarf besteht?Herr Teigeler erklärt, dass sich die Einstellung einer weiteren Arbeitskraft aus seiner Sicht bewährt hat. Es ist angenehm, dass sich die Situation in dieser Hinsicht entspannt hat und die Verfahren somit deutlich zügiger bearbeitet werden können. Er verweist in diesem Zusammenhang nochmals auf Ziffer 2 (evtl. ein Angebot bei Handwerkerleistungen ausreichend, Verwaltung bemüht sich Preise für häufig auftretende Reparaturarbeiten bei ortsansässigen Betrieben abzufragen) des eingangs angesprochenen Beiblatts, welche aus seiner Feder stammt und evtl. zur weiteren Arbeitsvereinfachung dienen kann.Er möchte hierzu abschließend klar stellen, dass beim Einsatz „öffentlicher Gelder“ kein anderer bzw. großzügigerer Maßstab angelegt werden kann, als wenn der private Geldbeutel jedes Einzelnen betroffen ist. Es ist bisher in eigentlich allen Fällen gelungen, sich vernünftig zu einigen.Ferner geht er im Anschluss kurz auf Ziffer 3 des Beiblatts ein, wonach momentan die zweite Stufe der Schlichtungsordnung ausgearbeitet wird.Er sagt, dass noch kein genauer Zeitpunkt zum Beginn der endgültigen Schadensabwicklung genannt werden kann, er heute die Schlusskorrektur des bisherigen Entwurfs durchgeführt hat und diese der Stadt und der IGR GbR zur Durchsicht weitergeleitet hat. Voraussichtlich im Juni soll sodann ein gemeinsames Gespräch mit allen Beteiligten stattfinden.Die Geldgeber sind involviert, durch die neue Landesregierung kann es evtl. aber zu Verzögerungen kommen.Herr Oberle von der IGR GbR berichtet von einem Besuch von Frau Bärbl Mielich (MdL), welche zugesagt habe, dass sie sich weiterhin für Staufen einsetzen wird und sich die neue Regierung an das halten möchte, was durch die bisherige Regierung zugesagt wurde.

19. Anmerkung: Eine Dame erklärt, dass ihr vor einem halben Jahr zugesichert wurde, dass ein Handwerker/Restaurator beauftragt wurde, aber bisher noch nichts geschehen ist. Sie bittet nochmals darum, Herrn Riesterer auf die Problematik aufmerksam zu machen.Die Verwaltung sagt zu, sich der Sache erneut anzunehmen und sie weiterzuverfolgen.Herr Teigeler weist daraufhin, dass sich die Abwicklung der Maßnahmen seit Inkrafttreten der Schlichtungsordnung grundlegend geändert hat. Auch die Eigeninitiative der jeweiligen Eigentümer ist grundsätzlich wichtig. Man kann auch immer wieder beim Stadtbauamt nachfragen und sich nach dem Sachstand erkundigen.

20. Frage: Wie soll bei der Vermietung von Objekten mit sichtbaren Rissen umgegangen werden? Wer macht diese Risse zu bzw. übernimmt die Kosten hierfür?Herr Teigeler antwortet, dass es in solchen Fällen im Prinzip zwei Möglichkeiten gibt:Möglichkeit 1: Mit Mieter über Mietpreis verhandeln, beispielsweise anstatt 700 € Miete nur 600 € verlangen und den Differenzbetrag von 100 € als Schadensersatz geltend machen (Regelung in § 4 der Schlichtungsordnung).Möglichkeit 2: Risse durch Handwerksbetrieb reparieren lassen und sich sodann mit der Handwerkerrechnung an die Schlichtungsstelle wenden.Er sagt, dass die Zuständigkeit in solchen Fällen grundsätzlich bei der Schlichtungsstelle liegt.

Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch gegen 21.00 Uhr.

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