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Hebungsrisse: Runder Tisch

HEBUNGSRISSE RUNDER TISCH MIT DR. KOLLNIG
(22.06.2010 im Stubenhaus Staufen)

Fragen/Antworten 

1 Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden 
2 Herr Dr. Kollnig stellt die aktuelle Hebungsfigur vor. Er vergleicht diese mit den vorhergehenden und zeigt in kurzen Zügen die Veränderungen auf. Es ist ein weiterer Rückgang der Hebungen zu erkennen. Bei der letzten Messrunde (Ende Mai) sei wieder eine Verringerung der Höhe der Hebungen um durchschnittlich 14 % festgestellt worden.

3 Frage: Gibt es einen Grund, warum die Entwicklung der Hebungsfigur nicht mehr auf der Homepage der Stadt Staufen dargestellt ist?
Herr Dr Kollnig sagt, dass er den Grund hierfür nicht kennt.

Auch Herrn Schmid verwundert das. Er erklärt, dass die jeweils aktuelle Hebungsfigur seines Wissens nach immer auf der Homepage zu sehen ist. Er werde sich gleich morgen um die Aktualisierung der Hebungsfigur kümmern.

4 Herr Dr. Kollnig geht auf die so genannte „Nulllinie“ ein und erklärt, dass die Vertikalverschiebungen teilweise höher sind als die Horizontalverschiebungen. Er sagt, dass geplant war, den Auftrag der Horizontalvermessungen an RegioData zu vergeben und die Auswertung der Satellitendaten der UNI KA zum gleichen Thema abzuwarten. Die RegioData könnte erst Anfang Herbst mit den Messungen beginnen, die Auswertungen der UNI KA sollen Anfang Juli vorliegen. Das Vermessungsamt hält eine Horizontalvermessung auf der Basis der Katasterpunkte für möglich. Im nächsten AK Hebungsrisse soll die weitere Vorgehensweise geklärt werden.

5 Frage: Finden Grundwasserspiegelmessungen statt? Für z.B. das Gewerbegebiet gibt es keine relevanten Unterlagen zum Grundwasserspiegel.
Herr Dr. Kollnig sagt hierzu, dass es keine Verbindung des oberflächennahen Grundwassers zum quellenden Bereich gibt und daher keine Grundwasserspiegelmessungen stattfinden.

6 Frage: Warum wird ein weiterer Brunnen eingerichtet und wo genau soll dieser Brunnen eingerichtet werden? Wird dieser Brunnen zur Abpumpung des Grundwassers genutzt?
Herr Dr. Kollnig erläutert, dass mit dem vorgesehenen Pumpbrunnen Grundwasser aus dem Grundwasserhorizont in 140m Tiefe abgepumpt werden soll. Zur redundanten Wasserhaltung wird auf Anraten der am Verfahren beteiligten Fachexperten ein 2. Brunnen als Absicherung des 1. Brunnens eingerichtet.

Der genaue Standort des 2. Brunnens muss noch geklärt werden. Dieser wird voraussichtlich in der Kirchstraße sein, da alle Sonden in Richtung Kirchstraße verlaufen und sich dort in der Tiefe das Wasservorkommen befindet, aus dem der Quellprozess gespeist wurde. Für eine gleichmäßige Grundwasserabsenkung ergänzend zum 1. Brunnen müsste der zweite Brunnen in einem Abstand von ca 20m zum 1. Brunnen angelegt werden.

7 Frage: Lässt die Anlage des 2. Brunnens darauf schließen, dass das ganze Hebungsproblem ein „Werk für die Ewigkeit“ ist?

Herr Dr. Kollnig betont, dass die genaue Dauer des Quellprozesses nicht vorhersehbar ist und keiner der Fachleute sich festlegen lässt. Die rasche Reaktion des Quellprozesses auf die Abdichtung der Erdwärmesonden und das Abpumpen sei möglicherweise zunächst auf eine Entspannung im Gebirge zurückzuführen. Sobald der chemische Prozess der Verbindung von Anhydrit mit Wasser deutlich nachlässt, müsste sich dies zusätzlich positiv bemerkbar machen.

8 Anmerkung aus der Mitte der Anwesenden: Die Verringerung der Hebungsgeschwindigkeit um 14 % beruhigt nicht.
Frage: Können Parallelmaßnahmen durchgeführt werden, indem Privathäuser geschützt werden mit z.B. einer Betonplatte im Fundament?

Herr Dr. Kollnig sagt, dass die zuständigen Mitarbeiter des „Büro für Baukonstruktion“ (Karlsruhe) bereits geäußert haben, dass in einigen Gebäuden (u.a. Gasthaus Löwen, Brandmauer Rathaus/Gebäude Fichter) entsprechende Maßnahmen durchgeführt werden müssen. Je nachdem wäre bei stark geschädigten Gebäuden auch eine Absicherung mit Ankern denkbar.

Er erklärt jedoch, dass hochwertigen Reparaturmaßnahmen sehr teuer sind und abgewogen werden müssen mit dem materiellen Wert des Hauses, eventuell auch mit seinem Wert als Kulturdenkmal.

9 Frage: Was passiert bei Mietausfall? Wer übernimmt die Kosten, wenn der Deckenputz runter kommt? Wäre es nicht möglich, dass sich das BfB bei der jeweiligen Begehung auch die Decken anschaut?

Herr Dr. Kollnig macht darauf aufmerksam, dass bei Gefahrenpotential eine rasche Mitteilung an das Stadtbauamt erfolgen soll. Grundsätzlich sollte auch bei den jeweiligen Gebäudebegehungen durch das BfB von den Eigentümern auf eventuelle Gefahren im Bezug auf die Decke hingewiesen werden. Jede Decke vorsorglich zu untersuchen, ist nicht sinnvoll, weil sich die Situation auch wieder ändern kann.
Weder ein Restaurator noch ein Statiker wird die volle Verantwortung für die Standsicherheit der Decken übernehmen. Man muss froh sein, dass es bisher noch nicht zu Personenschaden gekommen ist. Es ist aufgrund der bereits bekannten Fälle im Zusammenhang mit Putzdecken (u.a. Kirchstraße 2) Vorsicht geboten.

Er weist daraufhin, dass im Falle des Mietausfalls eine schriftliche Mitteilung zur Dokumentation an das Stadtbauamt erfolgen soll. Sobald die Schlichtungsstelle eingerichtet ist, wird sich diese mit solchen Fragen beschäftigen und auseinandersetzen müssen.

10 Anmerkung: Die technischen Details sind schon des öfteren vorgestellt worden und bekannt. Es wäre interessanter zu wissen, wann die Schlichtungsstelle endlich eingerichtet ist?

Herr Dr. Kollnig erklärt, dass die bisherigen zeitlichen Prognosen nicht unbedingt zutreffend waren. Einer der Gründe hierfür ist, dass die bisher vorgelegten Entwürfe durch die zuständigen Anwälte mehrfach geprüft und überarbeitet wurden. Größtenteils sind die Details abgestimmt, sodass der Entwurf der Schlichtungsordnung voraussichtlich in der Sitzung des Gemeinderates am 28.07.2010 verabschiedet werden kann.
Die Schlichtungsstelle soll ihre Arbeit dann umgehend aufnehmen. Für die Leitung der Schlichtungsstelle sind bereits geeignete Persönlichkeiten im Gespräch. Beim städtischen Bauamt wird für die dort anzusiedelnde Geschäftsstelle der Schlichtungsstelle zusätzliches Personal mit derzeit einer 0,25 Stelle eingestellt.

Weiterhin führt er hierzu aus, dass es aus seiner Sicht wichtig sei, Herrn Staatsminister Rau als zentrale Ansprechperson mit direktem Draht zum Ministerpräsident gewonnen zu haben. Hierdurch wird eine bessere Koordinierung der Interessen von Staufen in der Landesregierung gewährleistet. In Bezug auf die finanzielle Situation ist es wichtig, dass die Politik eingebunden ist.

11 Frage: Ist es auch möglich, neben den Zuschüssen des Landes Baden-Württemberg, Bundeszuschüsse zu beantragen?

Herr Dr. Kollnig weist daraufhin, dass bereits mehrere Ministerien durch Herrn Bürgermeister Benitz angeschrieben wurden. Die bisherigen Rückmeldungen bzw. Aussagen hierzu waren sehr zurückhaltend.

12 Grundsätzliche Anmerkung von Herrn Bernauer als Vertreter der IGR GbR zur Schlichtungsordnung und der aktuellen Situation:

Er erklärt, dass ein der IGR GbR vorgelegter Entwurf der Schlichtungsordnung durch deren Anwalt Herr Dr. Haaf überarbeitet und an die Staufener Verhältnisse angepasst wurde.

Er befindet die für die Schlichtungsstelle durch Herrn Minister Rau zugesagte
1 Million € als guten Einstieg für die Schlichtungsstelle. Er schließt sich der vorhergehenden Aussage von Herrn Dr. Kollnig an und erklärt, dass es wichtig ist, Herrn Minister Rau als zentrale Figur gewonnen zu haben.

Ferner macht er deutlich, dass das Stadtbauamt neben den Aufgaben im Zusammenhang mit den Hebungsrissen noch andere „Probleme“ und „Arbeiten“ zu bewältigen hat. Demnach bittet er u.a. um Geduld, bis die Schlichtungsstelle eingerichtet ist. Diese wird sich alsbald der offenen Themen annehmen und entsprechende Entscheidungen treffen müssen.

13 Anmerkung aus der Mitte der Anwesenden, dass das Gefühl besteht, dass man hingehalten wird und doch endlich prophylaktische Maßnahmen durchgeführt werden sollen.

Hierzu wird erläutert, dass der „Historische Stadtkern“ als Gesamtensemble unter Denkmalschutz steht und innerhalb dieses Gesamtensembles einzelne Gebäude/Objekte als Einzeldenkmal unter besonderem Schutz stehen. Dies ist vor der Durchführung größerer Maßnahmen zu berücksichtigen.

14 Nochmalige Frage, inwieweit auch künftig mit Geldern von Land und Bund zu rechnen ist?

Herr Dr. Kollnig sagt, dass sich das Land noch bedeckt hält in Bezug auf die Bereitstellung weiterer größerer Beträge. Es soll zunächst geklärt werden, welchen finanziellen Beitrag die Stadt Staufen selbst leisten kann.
Letztendlich wurden die Gemeinden/Städte im Falle von Katastrophen in allen Fällen durch das Land/den Bund unterstützt. Eine Stadt kann finanziell gesehen nicht untergehen und wurde seines Wissens noch nie vom Land im Stich gelassen.

15 Anmerkung aus der Mitte der Anwesenden: Der geologische Sanierungsprozess muss weiter gehen. Das Wirtschaftsministerium muss den Abschlußbericht der Öffentlichkeit zugänglich machen. Herr Dr. Ruch muss sich auf der Basis dieses Berichtes neue Gedanken machen und Erkenntnisse erlangen, wie viel Wasser im Untergrund vorhanden ist und wie der Quellprozess beendet werden kann.

16 Frage: Wie soll es künftig weiter gehen? Gibt es andere Denkansätze zur Problembehandlung des Quellprozesses? Wären die bisherigen Maßnahmen schon zu einem früheren Zeitpunkt möglich gewesen? Es entsteht das Gefühl, dass man bereits aufgegeben hat, in Alternativen zu denken und zu planen. Dies stellt eine unbefriedigende Situation dar.

Herr Dr. Kollnig verweist auf die Veranstaltung am 22.02.2010, bei der diverse eingeladene Experten anwesend waren. Im Nachgang zur Informationsveranstaltung gab es mehrfach die Rückmeldung, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen richtig und gut seien. Soweit neue Ideen eingebracht worden sind, hat Herr Dipl.-Ing. Breder (Ingenieurgruppe Geotechnik) diese dokumentiert und mit den anderen am Verfahren beteiligten Experten ausgewertet. Letztendlich gibt es für den Fall Staufen aktuell keine grundsätzlich anderen Möglichkeiten zur Schadensbehebung.

17 Frage: Wäre es möglich, 4-5 Häuser im Rathausumfeld abzureißen und einen Schacht als Ausgleichsbecken zu bauen?

Herr Dr. Kollnig erklärt, dass dies nicht hilfreich und nicht realisierbar ist.

18 Es wird aus der Mitte der Anwesenden nochmals angeregt, weitere Fachleute zu involvieren und heranzuziehen. Die bisher vorhandenen Unterlagen sollen diesen zur Verfügung gestellt werden. Es müssen aus Sicht der Geschädigten Alternativen zur Problembehandlung angeboten werden. Es muss schnellstens gehandelt werden.

Herr Dr. Kollnig zeigt sich verständnisvoll und sagt, dass er sich u.a. für eine 2. Informationsveranstaltung (Fachkolloquium) aussprechen und einsetzten wird.

19 Frage: Hat man sich in Staufen auch schon darüber Gedanken gemacht, was bei einem eventuell eintretenden „Worst Case“ in Zukunft im Hinblick auf den Tourismus etc. passiert?

Herr Dr. Kollnig sagt, dass der Zusammenhalt in der Stadt sehr groß ist. Er weist daraufhin, dass es viele langjährige Einwohner/Bürger gibt die an der Stadt hängen und sich für eine Lösung im Sinne aller Beteiligten einsetzen. Er bittet darum, weiterhin zuversichtlich und hoffnungsvoll zu sein.

20 Anmerkung aus der Mitte der Anwesenden: Psychologisch gesehen, ist die Schmerzgrenze vieler geschädigter Gebäudeeigentümer bald erreicht. Sollten in absehbarer Zeit keine Erfolge oder Entschädigungen in Sicht sein, wird man andere Schritte wählen müssen.

21 Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch gegen 21.10 Uhr mit dem Hinweis, dass der nächste Runde Tisch Anfang September nach der Sommerpause stattfinden und er hierzu wieder einladen wird.




Dr. Wilfried Kollnig, Mediator      
Christian Schmid, Stadtbauamt

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