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Hebungsrisse: Runder Tisch

Protokoll Runder Tisch vom 05.05.2014

Objekt:                  Hebungen der Altstadt

Thema:                  Fragen der - durch Hebungen - Geschädigten

Datum/Ort:            05.05.2014, 19.00 Uhr, Peter-Huchel-Saal, Stubenhaus

Teilnehmer:          Herr Dr. Kollnig
                             Herr Teigeler, Vorsitzender der Schlichtungsstelle
                             Herr Dr. Clemens Ruch, LGRB 
                             Frau Tönnies (Stadtbauamt, Schlichtungsstelle)

Verteiler:                über Homepage der Stadt Staufen

                       

Beginn:                   19.00 Uhr

 

Fragen/Antworten

1.

Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden.

Zunächst führt er aus, dass er die Sitzung so weit nach hinten geschoben habe, weil bis zu diesem Zeitpunkt die Ergebnisse über die Horizontalverschiebungen vorliegen sollten; dies sei jedoch leider nicht so.

Für dieses Abend hat sich ein neues Thema ergeben: Es wird eine weitere Brunnenbohrung durchgeführt. Herr Dr. Kollnig übergibt das Wort an Herrn Dr. Ruch vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau.

 

2.

Brunnenbohrung

Herr Dr. Ruch erläutert anhand der Abbildungen der Hebungsfigur, dass zwischen Oktober 2013 und März 2014 keine Veränderungen mehr stattgefunden haben.

Aus den Schaubildern zur Hebungsgeschwindigkeit und den Hebungsbeträgen ist ersichtlich, dass durch den Pumpbetrieb diese deutlich verringert wurden. Seit mehr als einem halben Jahr beträgt die Hebungsrate ca. 3 mm pro Monat; es ist keine Veränderung mehr zu erkennen.

Das Grundwassermonitoring ergibt eine ruhige, kontinuierliche und unkritische Absenkung des Druckspiegels. Mit der EKB 2 werden 1,6 l/s und mit der BB 3 1,9 l/s abgepumpt. Dies entspricht der Menge, die seitlich zufließt.

Das Gebiet, aus dem das Wasser abgepumpt wird, muss man sich modellhaft trichterförmig vorstellen. Mit diesen beiden Trichtern (im Bereich der jeweiligen Brunnen) werden alle Bereiche der Erdwärmesonden (EWS) erreicht, außer der EWS 2. Diese liegt quasi auf dem Scheitelpunkt der beiden Trichter. Die EWS 2 konnte im unteren Bereich (100 m bis 140 m tief) nicht nachträglich abgedichtet werden. Hier vermuten die Fachleute einen geringen und kontinuierlichen Wasserzutritt.

Zunächst wurden Überlegungen angestellt, die Fördermenge aus den bestehenden Brunnen zu erhöhen. In diesem Falle ist zu beachten, dass die verkiesten Filterabschnitte nicht trocken fallen dürfen. Mit dieser Maßnahme wäre ein Absenken des Grundwasserspiegels in den Brunnen um lediglich maximal 2 m möglich - aber auch kritisch.

Das Ziel der weiteren Grundwasserabsenkung im Bereich der verstürzten EWS 2 kann nur durch einen weiteren Brunnen erreicht werden. Die freien Flächen in dem hierfür in Frage kommenden Bereich sind rar. Zudem muss der Bohrpunkt nah am verstürzten Ast der EWS 2 liegen. Der Bohrpunkt liegt zwischen dem ehemaligen Stadtbauamt und dem Anwesen Kirchstraße 3. Mit diesem zusätzlichen Brunnen wird eine Absenkung des Druckspiegels auf 137,50 m unter GOK errechnet, damit hätte man einen rechnerischen Absenkungsgewinn von 11,7 m.

Ein weiterer Brunnen bringt zudem eine weitere Sicherheit, wenn einer der beiden anderen ausfallen sollte.

Mit der Bohrung soll möglichst rasch begonnen werden. Die einzelnen Grundwasser führenden Gebirgsabschnitte müssen in der Bohrung gegeneinander abgedichtet werden. Der Brunnen soll vor der Frostperiode fertiggestellt sein.

Die erforderlichen Anträge bei den zuständigen Behörden sind teilweise schon oder werden noch gestellt. Prüfungen, ob Gas- oder Wasserleitungen in diesem Bereich liegen, sind notwendig.

Der Bohrpunkt befindet sich nicht auf städtischem Gelände. Hier muss eine Einigung mit dem Grundstückseigentümer erfolgen.

Die Ingenieurgruppe Geotechnik wird die Planung übernehmen und die Durchführung ausschreiben. Die fachtechnische Begleitung erfolgt durch das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau.

Herr Dr. Kollnig dankt Herrn Dr. Ruch für seine Ausführungen.


3.

Fragen zur Brunnenbohrung

Aus den Reihen der Zuhörer werden folgende Fragen gestellt:

-       Warum wird nicht bis 140 m Tiefe gebohrt, so tief wie die EWS 2 eingebracht wurde?

Herr Dr. Ruch führt aus, dass die Erdwärmesonden im unteren Bereich alle seitlich abweichen und man mit einer Bohrung in 140 m Tiefe den unteren verschütteten Bereich somit nicht erreichen würde. Ferner will man vermeiden, weiter unten liegende Gebirgsschichten anzutasten.

-       Kann ein neuer Wasserzutritt über möglicherweise vorhandene Klüfte und Spalten ausgeschlossen werden?

Herr Dr. Ruch verweist auf den Erfolg, der mit den ersten Maßnahmen erzielt wurde, nämlich eine relativ schnelle Verminderung der Hebungsrate. Die neue Bohrung wird aufwändig abgedichtet; somit wird ein weiterer Wasserzutritt ausgeschlossen.

-       Wie groß wird die Lärmbelästigung der Anwohner durch die Bohrung?

Es wird schlagende Geräusche geben. Ferner wird ein Dieselaggregat zum Einsatz kommen, was mit einer gewissen Geräuschentwicklung einhergeht. Die einzelnen Bohrabschnitte sind teleskopiert; oben wird ein größerer Durchmesser sein als unten. Man wird sich Schicht für Schicht nach unten arbeiten. Es wird zwischendurch ruhigere Abschnitte geben, da man die Aushärtungszeiten der Ringraumzementation einhalten muss.

Wenn der Anhydritbereich erreicht wird, muss man ggf. auch am Wochenende arbeiten.

-       Könnte man die EWS 2 nicht einfach abhängen oder stilllegen?

Alle EWS sind abgehängt und werden nicht genutzt. Die EWS-Schläuche wurden geschlitzt und im Nachhinein abgedichtet.

-       Wann werden erste Erfolge sichtbar sein?

Es wird eine weitere Messung vor Bohrungsbeginn durchgeführt. Die nächste Messung wird dann drei Monate nach Ende der Bohrarbeiten erfolgen, so dass frühestens im Frühjahr 2015 erste Ergebnisse zu erwarten sind.

-       Wie groß ist das Risiko?

Die Erkundungsbohrung 2 und die Brunnenbohrung 3 haben gezeigt, dass das mit jeder Bohrung einher gehende Restrisiko beherrschbar ist.

-       Wie hoch sind die Kosten für die Bohrung?

Diese werden 300.000 bis 400.000 € betragen.

-       Wie lange quillt der Gipskörper?

Die genaue Menge des Wasserzuflusses ist nicht bekannt. Aber auch kleinste Mengen halten den Quellprozess in Gang.

-       Ist die Bohrstelle optimal oder sollten Gebäude entfernt werden, damit man eine noch besser geeignete Stelle zum Bohren hat?

Herr Dr. Ruch führt aus, dass ein Entfernen der Garage wohl auch kein optimaleres Ergebnis bringen würde.

Nachtrag: Zwischenzeltich ergaben Rücksprachen mit Bohrfirmen, die für die Durchführung der Brunnenbohrung geeignet sind, dass die Garage entfernt werden muss, um mit dem erforderlichen Bohrgerät den festgelegten Bohrpunkt zu erreichen.

 

4.

Schlichtungsstelle / Schlichtungsverfahren

Herr Teigeler führt zunächst aus, dass die im März unterschriebene Vereinbarung zwischen dem Land Baden-Württemberg, der Stadt Staufen und der Interessengemeinschaft der Rissgeschädigten eine finanzielle Sicherheit bietet, d. h. unter anderem auch, dass für Verfahren auf endgültige Sanierung nun entsprechende finanzielle Mittel vorhanden sind.

Hinsichtlich der Verfahren zur endgültigen Sanierung erklärt Herr Teigeler, dass es durchaus möglich ist, ein Anwesen nur teilweise endgültig zu sanieren, z.B. in einem Anwesen mit mehreren Wohnungen kann bei Mieterwechsel beispielsweise nur die Wohnung im 1. OG saniert werden; die anderen Wohnungen zu einem späteren Zeitpunkt.

Bei den Verfahren zur endgültigen Sanierung gibt es meistens auch einen Abzug „neu für alt“. Das Schadensersatzrecht sieht diesen Abzug vor. In den bisherigen Verfahren wurden die entsprechenden Abzüge jeweils akzeptiert.


Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch gegen 20.50 Uhr.

 

 

                                                                               gefertigt:

Dr. Wilfried Kollnig                                                 Wilma Tönnies

Mediator                                                                  Stadtbauamt

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