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Hebungsrisse: Runder Tisch

Protokoll Runder Tisch vom 30.09.2014

 

Objekt:                     Hebungen der Altstadt

Thema:                     Fragen der durch Hebungen Geschädigten

Datum/Ort:               30.09.2014, 19.00 Uhr, Peter-Huchel-Saal, Stubenhaus

Teilnehmer:             Herr Dr. Kollnig

                                 Herr Teigeler, Vorsitzender der Schlichtungsstelle

                                 Herr Dipl.-Ing. Robert Breder, Ingenieurgruppe Geotechnik

                                 Frau Tönnies (Stadtbauamt, Schlichtungsstelle)

Verteiler:                 über Homepage der Stadt Staufen

Beginn:                    19.00 Uhr

 

 

Fragen/Antworten

 

1.

 Herr Dr. Kollnig begrüßt die Anwesenden.

Er stellt Herrn Dipl.-Ing. Robert Breder kurz vor. Herr Breder ist Geschäftsführer der Ingenieurgruppe Geotechnik. Dieses Fachbüro hat zusammen mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau die bisherigen Abwehrmaßnahmen erarbeitet und betreut. Herr Breder wird heute zum Thema Horizontalverschiebungen referieren.

2.

 Horizontalverschiebungen

Herr Breder erläutert kurz, dass die Fachingenieure aufgrund des stagnierenden Hebungsrückgangs eine weitere Brunnenbohrung empfohlen haben, um den Bereich nahe des verstürzten Astes der Erdwärmesonde 2 zu erreichen.

In den vergangenen Wochen wurden die Voraussetzungen geschaffen, um mit der Bohrung beginnen zu können. Das Bohrgerät ist nun aufgebaut und es ist angebohrt.

Die ausführende Bohrfirma kommt aus dem fränkischen Raum. Sie wird wechselweise in langen Wochen (einschl. Samstag) und kurzen Wochen arbeiten, um den Mitarbeitern alle zwei Wochen ein langes Wochenende zu ermöglichen.

Die gesamte Bohrzeit wird sich über 5 oder 6 Monate erstrecken. Die Abteufung wird mit der notwendigen Umsicht erfolgen. Das Vermessungsamt wird monatliche Messungen zur Kontrolle durchführen.

Herr Breder führt aus, dass sich nur beim ehemaligen Stadtbauamt die Erde ohne Horizontalbewegungen nach oben hebt. Die Horizontalbewegungen werden mit Vektoren grafisch dargestellt. Die Verschiebungen gehen nach Südosten bzw. Nordwesten. In südöstlicher Richtung sind die Verschiebungen nicht gravierend, in nordwestlicher Richtung betragen sie punktuell mehr als 30 cm. Auch die Schichtung des aufquellenden Gesteins geht in die nordwestliche Richtung.

Die Horizontalvermessungen sind teuer. Aus wirtschaftlichen Gründen hat man sich für einen begrenzten Messbereich entschieden. Die Messungen liefern wichtige Informationen, die eine Rolle spielen können bei der Schlichtung von Streitigkeiten über die Ursächlichkeit von Rissen.


Herr Dr. Kollnig dankt Herrn Breder für seine Ausführungen. Ergänzend trägt er vor, dass zwischen der Meiergasse und der Jägergasse die Erde sich mehr als 30 cm horizontal verschoben hat und dies sich bis zum Schloss auswirkt.

3.

 Fragen zu den Horizontalverschiebungen

Aus den Reihen der Zuhörer werden folgende Fragen gestellt:

  • Sind die Verschiebungen in nordwestlicher Richtung überall gleich groß?

    Die Längenänderungen sind nicht überall gleich. Es gibt Unterschiede, weil manche Häuser unterkellert sind oder es liegen Kanäle dazwischen.

  • Wie zeigen sich die Stauchungsschäden?

    Das Pflaster wölbt sich oder auch der Grund der Häuser.

  • Wenn die Höhenmesspunkte bekannt sind, können daraus auch die Horizontalverschiebungen ermittelt werden?

    Nur aus den Höhenmessungen ist keine Horizontalverschiebung ermittelbar.

  • Kann von anderer Seite noch Wasser in die quellfähige Schicht eintreten?

    Herr Breder erläutert, dass man es in Staufen mit schwierigen geologischen Verhältnissen zu tun habe. Die gewonnenen Daten aus den Sonden- und aus den Brunnenbohrungen wurden zu einem Bild zusammengefügt wie Staufens Untergrund aussieht. Jedwede Information wurde für dieses Bild verwertet.

    Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse wird davon ausgegangen, dass ansonsten kein Wasserzutritt mehr erfolgt.

  • Wann können die betroffenen Bürger im Zentrum mit Ergebnissen bzw. Erkenntnissen aus der weiteren Brunnenbohrung rechnen? Kann dann mit der endgültigen Sanierung begonnen werden?  

 

Die Brunnenbohrung soll im Februar 2015 fertiggestellt sein. Sodann wird im darauffolgenden Monat eine Vermessung und danach in regelmäßigen Abständen erfolgen. Ca. ein halbes Jahr später erhoffen sich die Sachverständigen aussagekräftige Daten, also im Herbst 2015.

Herr Breder empfiehlt mit der endgültigen Sanierung erst dann zu beginnen, wenn mehrere unveränderte Messungen vorliegen.

4.

 Schlichtungsstelle / Schlichtungsverfahren

Der Vorsitzende der Schlichtungsstelle berichtet, dass es in diesem Jahr bislang 24 Schlichtungsverfahren und 37 vereinfachte Schlichtungsverfahren gibt. Anträge werden zumeist aufgrund der vom Büro für Baukonstruktionen erstellten Berichte gestellt, eine Typisierung der Schäden, ob sie durch horizontale oder vertikale Veränderungen entstanden sind, erfolgt nicht. Laut Herrn Teigeler ist es wichtig, dass die Antragsteller bei der Umsetzung der von den Statikern festgelegten Maßnahmen durch das Ingenieurbüro für Bauwesen Thomas Winkler unterstützt werden. Soweit er es beurteilen kann, seien die Geschädigten mit der Abwicklung der Schlichtungsverfahren zufrieden. Bis auf ein Schlichtungsverfahren seien alle einvernehmlich abgeschlossen worden.

Ein Besucher fragt nach, ob nach wie vor mehrere Angebote pro Gewerk erforderlich sind. Herr Teigeler führt dazu aus, dass zunächst ein Angebot ausreicht. Sollte die Angebotssumme sehr hoch sein, würde der Antragsteller gegebenenfalls gebeten, ein weiteres Angebot einzuholen. Ein zweites Angebot könne auch dann erforderlich werden, wenn das erste Angebot Preise enthalte, die nicht als marktüblich angesehen werden könnten.

Eine weitere Frage ist, ob auch Schäden an Gas- und Wasserleitungen reguliert werden. Zunächst wird darauf hingewiesen, dass regelmäßige Kontrollen stattfinden. Sobald kritische Stellen auftreten, die hebungsbedingt sind, wird berichtet. Die Erstattung der Kosten für die Maßnahmen kann bei der Schlichtungsstelle beantragt werden.

Herr Dr. Kollnig schließt den Runden Tisch um 20.10 Uhr.

 

                                                                               gefertigt:

Dr. Wilfried Kollnig                                                 Wilma Tönnies

Mediator                                                                Stadtbauamt

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