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Der Gewerbekanal: Staufens alte industrielle Lebensader

Die Sägemühle

Das erste Wassertriebwerk auf Markung Staufen war die städtische Sägemühle, die merkwürdigerweise jedoch nicht am Gewerbekanalerrichtet wurde. Sie erhielt vielmehr auf der rechten Seite des Neumagens, unmittelbar auf der Markungsgrenze zu Grunern, einen eigenen Triebwerkskanal. Über die Gründe für diesen gesonderten Kanal lässt sich nur spekulieren. Vielleicht sollte die Sägerei näher an den städtischen Wäldern liegen, um die Transportwege der Baumstämme so klein wie möglich zu halten; denkbar ist aber auch, dass die Stadt für ihr eigenes Werk den von der Herrschaft kontrollierten Gewerbekanal nicht nutzen wollte, um keine Abgaben zahlen zu müssen.

Das Baudatum des Sägewerks ist unbekannt; ihre erste Erwähnung stammt aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts (Stadtarchiv Staufen,„Sägerechnungen“ ab 1617). Nach den allgemeinen Verhältnissen der kleinen Stadt und der sich erst im 16. Jahrhundert allmählich entwickelnden städtischen Selbstverwaltung wird sie vermutlich nicht viel älter sein. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Werk ebenso zerstört wie im Pfälzischen Erbfolgekrieg; aber dieStadt stellte die Sägerei in beiden Fällen zügig wieder her, was für die Bedeutung des Betriebs für die Stadtwirtschaft spricht (Stadtarchiv Staufen, Chronik Johann Baptist Hugard). Tatsächlich sah man sich zu Beginn des 18.Jahrhunderts, im Jahr 1711, dazu veranlasst, das Werk um ein zweites Sägewerk zu erweitern, was vielleicht mit dem Neubeginn des Bergbaus im Etzenbach und am Höllenberg zusammenhing (ebd.). 

In den Jahren 1765–1767 wurde die Säge von Grund auf neugebaut (Stadtarchiv Staufen, A 99; ebd., Chronik Johann Baptist Hugard). Nachdem Erlöschen des Bergbaus benötigte man offenkundig ein zweites Sägewerk nicht mehr und richtete stattdessen eine sogenannte „Reibmühle“ ein. Nach späteren Belegen handelte es sich dabei um eine Hanfreibe, die der Lösung der Hanffasern vom minderwertigen Werg diente. Außerdem wurde für den Säger ein Wohnhauserrichtet. Den damals erreichten Bauzustand zeigt die erste Flurkarte von Staufen aus dem Jahr 1772.

Das Sägewerk verarbeitete hauptsächlich das von der Stadtgeschlagene Holz aus den Stadtwäldern und war nur in geringem Umfang für Fremdaufträge tätig (Stadtarchiv, Sägerechnungen). Zwei „Sägemeister“ standen dem Betrieb vor und führten Buch, während für die eigentlichen Sägearbeiten ein „Säger“ bestellt wurde. Wohl schon zeitweise im 18. Jahrhundert, dauerhaft aber erst im 19. Jahrhundert ging man von dem Regiebetrieb ab und verpachtete das gesamte Werk (vgl. z.B. Stadtarchiv Staufen, C 899).

Die Verpachtung war wenig erfolgreich, weil die Pächter an der schon wegen des Wasserbaus aufwändigen Instandhaltung des Sägewerks nur wenig Interesse zeigten. Das Werk war für die Stadt daher verlustbringend. Anfang der 1850er Jahre kam erstmals der Gedanke an einen Verkauf auf, den die Gemeindegremien damals aber noch zurückwiesen. Vielmehr setzte man 1858 das Werk nochmals umfassend instand und beschaffte ein neues Sägewerk, das die alte Klopfsäge durch eine moderne Pleuelsäge ablöste (Staatsarchiv Freiburg, B741/1, Nr. 483, Bericht von 1861; vgl. Stadtarchiv Staufen, P 176, Lageplan von1859). Kurz darauf wurde auch das Wohnhaus renoviert. Dem anschließend bestellten neuen Pächter gelang es aber innerhalb kürzester Zeit, das neue Werk in den „völligen Ruin“ zu treiben, da er mit den Anlagen unsachgemäß umging. Einen neuerlichen Antrag von Bürgermeister Burstert zum Verkauf der Anlagenahmen die Gremien nunmehr an (Stadtarchiv Staufen, B 17/1, Protokoll vom23.11.1869).



Sägewerk nach dem Neubau von 1858, rechts das Wohnhaus. Fotografie um 1865 (Stadtarchiv Staufen, Fotosammlung).


1870 verkaufte die Stadt das gesamte Anwesen an den Landwirt Benedikt Wehinger aus Grunern, der jedoch kein großes Glück damit hatte, denn er geriet bereits 1873 in die Zwangsvollstreckung. Aus dieser wurde die Sägerei von dem aus Oberharmersbach stammenden Christian Lang erworben, der bislang eine Sägemühle in Sulzburg betrieben hatte (Stadtarchiv Staufen, Grundbuch, Bd.11, S. 290, und Bd. 13, S. 108). Bis heute ist die Familie Lang im Besitz der Liegenschaft.

Christian Lang betrieb das über etwa 6 PS verfügende Werk zunächst unverändert weiter; auch die Hanfreibe bestand nach wie vor(Staatsarchiv Freiburg, B 741/8, Nr. 2590). Nach der Übernahme durch Langs Sohn August (gest. 1942) entschloss sich dieser 1905 zu einem Neubau des Sägewerks(Stadtarchiv Staufen, C 136, Nr. 382). Dabei setzte August Lang anstelle des Wasserrads eine Turbine ein. Die damit deutlich verbesserte Leistung des Wasserantriebs ermöglichte gleichzeitig die Anschaffung einer Gattersäge. Von der Hanfreibe war nun keine Rede mehr.

Am 21. November 1913 brach in dem Werk ein verheerender Brand aus, der binnen kurzer Zeit das gesamte Sägewerk in Schutt und Aschelegte; gerettet werden konnte dank der Bemühungen der Feuerwehren von Staufen, Grunern, Wettelbrunn und Untermünstertal allein das Wohnhaus (Staufener Wochenblatt vom 22.11.1913). Der Wiederaufbau ermöglichte Lang die Beschaffung einer noch effizienteren neuen Turbine, mit der eine Leistung von 55 PS erzielt wurde (Staatsarchiv Freiburg, B 741/8, Nr. 2591). Damit war der technische Zustand des Werks erreicht, der noch nach dem Zweiten Weltkrieg bestand. Nach der Normalisierung der Wirtschaftsverhältnisse Anfang der 1950er Jahren scheint sich der weitere Betrieb des Werks jedoch nicht mehr gelohnt zu haben, weshalb ihn August Langs Sohn Willi (gest. 1965) Mitte der 1950er Jahre stilllegte und im Anschluss ein Fuhrunternehmen betrieb (Stadtarchiv Staufen, C 903).



Brand des Sägewerks, 1913 (Vorlage: Stadtarchiv Staufen, N 602).


Erwähnenswert ist noch der Bau eines Arbeiterwohnhauses an der Münstertälerstraße im Jahr 1950, weil dieses nach der Schließung des Werks an Privatleute verkauft und seit 1975 der Familie des Dichters Peter Huchel als Heimat diente.
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