Robert Musil, Klaus Pinkus und Staufen

Wenig war bisher über das Leben von Robert Musil (1880-1942) bekannt , der als Ingenieur, studierter Philosoph und Experimentalpsychologe zu den gebildetsten und vielseitigsten Autoren seiner Epoche gehörte. Nach der Veröffentlichung von Karl Corinos biografischem "Monumentalschmöker" hat sich das schlagartig geändert.

Seit 36 Jahren ist Karl Corino Musil verfallen - hat gelesen, gesammelt, recherchiert und nun, auf nicht weniger als 2.000 Seiten mit 1.000 Literaturangaben, sein magnum opus veröffentlicht, die Biografie des vielleicht bedeutendsten Literaten deutscher Zunge des 20. Jahrhunderts („Der Mann ohne Eigenschaften“).

Dr. Karl Corino, geboren 1942 in Ehingen, Mittelfranken, studierte Germanistik, Altphilologie und Philosophie, katalogisierte den Musil-Nachlass in Rom und arbeitete von 1970 in der Literaturabteilung des Hessischen Rundfunks, von 1985 bis 2002 als deren Leiter.
In den 70er Jahren machte er mit Studien über Musil, Thomas Mann und Alfred Kerr auf sich aufmerksam. Staub wirbelte er als Literaturdetektiv mit seinem Buch "Gefälscht! Betrug in Literatur, Kunst, Musik, Wissenschaft und Politik" auf, das 1989 erschien: 33 Fälschungen vom Mittelalter bis zur Neuzeit.
1988 war sein erstes großes biografisches Werk über Musil erschienen, ein 500-seitiger Prachtbildband über des Dichters Leben und Werk, im letzten Jahr nun kam seine hochgelobte Musil-Biografie heraus.
Karl Corino lebt heute in Bad Vilbel im Ruhestand, er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Klaus Pinkus (1895-1977), millionenschwerer Sohn eines schlesischen Textilunternehmers, der mit Gerhart Hauptmann befreundet war, war auch ein großer Freund der Kunst und Künstler. Der Bankier lebte als Grandseigneur auf großem Fuß, war aber auch ein steter Förderer der Künstler und unterstützte Maler, Bildhauer und Schriftsteller. Für Robert Musil, mit dem er zeitlebens befreundet war, war er der wichtigste Mäzen.
Pinkus ging nach der Machtergreifung der Nazis ins französische Exil und überstand die deutsche Invasion als Gärtner einer Comtesse. Nach dem Krieg machte er mit seiner Frau, Lotte Cetto, die Galerie „Die Insel“ im Künstlerdorf Worpswede bei Bremen zum beliebten Künstlertreff. Er stand mit vielen Größen der Zeit in regem Gedankenaustausch, wie seine Briefwechsel, z.B. mit Heinrich Mann zeigen.

Anfang der 70er Jahre zogen Lotte und Klaus Pinkus von Worpswede nach Staufen, wo sie ihre Galerie weiter betrieben und wo Klaus Corino den Musil-Förderer auch besuchte und für sein Vorhaben befragen konnte. 1977 starb Klaus Pinkus in Staufen.

70 Min.
Eintritt: € 10,- / erm. 8,-
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