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Bonneville (Frankreich)

Zur Geschichte der Partnerschaft  mit Bonneville

Bonneville liegt in Savoyen, 27 km von Genf entfernt in Richtung Mont Blanc (57 km bis Chamonix). Die Stadt an dem Fluss Arve hat heute etwa 13.000 Einwohner.


Einwanderung aus Savoyen

Über 150 Jahre lang sind Menschen aus der Bergregion Savoyen südlich des Genfer Sees nach Südwestdeutschland eingewandert. Sie waren vor allem Händler. Nicht die Not veranlasste sie zur Auswanderung, sondern die Suche nach neuen Niederlassungsorten für Handelsgeschäfte.

Die Auswanderer waren – entgegen einer weit verbreiteten Ansicht – keineswegs arme Kleinhändler, sondern junge Männer aus gut gestellten Familien, die eine hervorragende Ausbildung durchlaufen hatten, häufig bei schon im Ausland ansässigen Verwandten. Sie heirateten nach ihrer Niederlassung deutsche Frauen, die der örtlichen Oberschicht entstammten.

Nach Staufen kam eine ganze Reihe savoyardischer Händler wie die Martin, die Werra oder die Hugard. Besonders viel wissen wir über Claude Hugard (1688–1757) und seine Familie, deren Nachlass sich fast vollständig erhalten hat.


Erinnerung an die Heimat

Überall im Breisgau und im Elsass findet man an Gebäuden oder auf Grabsteinen das Zeichen der aus Savoyen eingewanderten Händler: eine stilisierte Tanne, die wie eine "4" mit doppeltem Unterstrich aussieht. Sie sollte an Savoyen erinnern, an das Tannenland (keltisch und lateinisch Sabaudia, vgl. französisch sapin, die Tanne).




Savoyarden-Zeichen der Familie Martin
am Marktplatz in Staufen, wohl um 1800.

Auch die nachfolgenden, bereits fest in die deutsche Bevölkerung aufgenommenen Generationen der savoyischen Familien pflegten diese Handelsmarke. Sie hielt die Erinnerung an die alte Heimat wach. Bei der Staufener Familie Hugard entstand daraus ein starkes Interesse an der Familiengeschichte und darüber hinaus an der Geschichte von Staufen. Die Hugards – vor allem Johann Baptist Hugard (1762–1839) und Rudolf Hugard (1863–1923) – wurden die ersten Geschichtsschreiber der Stadt Staufen.

Albert Hugard, von 1889 bis 1923 Bürgermeister von Staufen, suchte in den Jahren um 1900 die Verbindung nach Savoyen wieder zu beleben. Auf der Suche nach möglichen Verwandten und anderen Hugard-Familien reiste er mindestens zweimal in das Arve-Tal.

Sein Enkel Dr. Eckart Ulmann, auch er Bürgermeister von Staufen (1946–1969), nahm diese Forschungen wieder auf. Bei einer Reise nach Savoyen lernte er schon 1952 im Zug den Geographen und Historiker Paul Guichonnet kennen. Guichonnet machte Ulmann auf Bonneville aufmerksam.


Partnerschaft mit Bonneville

1945 durfte kein Deutscher hoffen, jemals wieder mit den Menschen in den Nachbarländern eine normale oder gar freundschaftliche Verbindung aufnehmen zu können. Dass dies dennoch wenige Jahre später gelang, ist das hohe Verdienst der deutsch-französischen Versöhnung.

Um 1960 kam es zu ersten Kontakten Staufens mit französischen Städten. Den Durchbruch brachte jedoch erst die Bekanntschaft von Bürgermeister Dr. Eckart Ulmann mit Paul Guichonnet aus Bonneville, die aus der Familienforschung Ulmanns entstanden war. Guichonnet führte Ulmann in Bonneville ein und machte ihn mit Bürgermeister Pierre Fallion bekannt.



Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags 1963, Bürgermeister
Fallion (Bonneville) und Ulmann (Staufen); Vorlage:
Stadtarchiv Staufen.



Reden der Bürgermeister bei der Partnerschaftsfeier 1963 (.wav-Dateien): 
 
Bürgermeister Fallion (deutsch)  
Bürgermeister Dr. Ulmann (französisch)

Am Anna-Fest 1963 schlossen die beiden Städte eine Partnerschaft. In den nunmehr fünf Jahrzehnten ist aus dem Vertragswerk von 1963 eine ungewöhnlich lebendige Partnerschaft entstanden. Von Anfang an beteiligten sich an dieser nicht nur die städtischen Gremien, sondern auch die Vereine, die Schulen und Privatpersonen. Eine Freundschaft, die lebt!



Zehnjähriges Jubilaum der Partnerschaft in Bonneville,
1974. Links Rene Rosio, der als Rektor des Lycée
Guillaume Fichet als erster die freundschaftlichen
Beziehungen zu Staufen aufnahm. Rechts die Bürgermeister
Fallion und Graf Hohenthal. Vorlage: Stadtarchiv Staufen.





Text: Stadtarchiv Staufen, Jörg Martin

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